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Apple-Produktmanager über iPod

30.10.2001 | 00:00 Uhr |

Die Meinungen über Apples jüngstes Produkt sind geteilt, was wohl zum einen daran liegt, dass bislang in Deutschland noch kaum einer Gelegenheit hatte, den neuen MP3-Player in der Hand zu halten. Ein Interview mit Produktmanager Greg Joswiak verrät weitere Details.

Wenn man den Berichten US-amerikanischer Kollegen glaubt, scheint sich das kleine Gerät in die Reihe der Apple-Produkte zu schieben, die man einmal in der Hand gehabt, nicht wieder hergeben möchte. Wie klein und leicht das Ding nämlich tatsächlich sei, könne man nämlich erst beurteilen, wenn man es in der Hand gehalten habe.

Ein Interview mit Apples Produktmanager Greg Joswiak, das Mac Central gestern veröffentlicht hat, bringt weitere Hintergrundinformationen zum iPod.

Nach Aussagen von Joswiak habe Apple sich entschlossen, einen MP3-Player zu entwickeln, weil das Unternehmen den Bereich verlockend fand und darüber hinaus der Meinung war, niemand habe dort bislang "richtig gearbeitet". "Bislang gibt es keinen richtigen Marktführer, der die Leute in dem wichtigen Bereich MP3-Player umhaut," so Joswiak wörtlich. "Wir sahen eine Gelegenheit, dies zu tun. Au?erdem passt der iPod genau in Apples Digital-Hub-Strategie. Kein anderer MP3-Player nutzte bislang die Möglichkeiten der PC-Anbindung wirklich aus."

Drei Vorteile in der Bauweise


Wie Joswiak schilderte, habe sich Apple bei der Entwicklung des iPod von drei Hauptpunkten leiten lassen:

- Gute Tragbarkeit: Der iPod ist nur 184 Gramm schwer und passt in jede Tasche
- Apples "Ease of Use", also einfache Bedienbarkeit. " Wir wollten das Spielen von Musik zu etwas machen, was jeder kann," so Joswiak "Andere Produkte in diesem Bereich sind umständlich zu bedienen. Wie man mit dem iPod umgeht, hat man in einer Minute begriffen."
- Audio Synchronisation: "Bisher war es schwierig, die Musik, die man hören wollte, auch in einen MP3-Player zu bekommen" führte Joswiak Apples ?berlegungen aus.

"Beim iPod muss man nur das Firewire-Kabel am Mac einstecken und kann in 10 Minuten eine komplette Musik-Bibliothek übertragen. Alle ƒnderungen, die man bis zum nächsten Abgleich in der Playlist vornimmt, übernimmt der iPod automatisch. Dazu benötigt man weder eine besondere Konfiguration noch komplizierte Einstellungen."

Nach Aussagen von Joswiak ist der iPod auch einer der schnellsten MP3-Player am Markt, seine ?bertragungsraten sollen 30mal höher liegen als bei vergleichbaren Geräten mit USB-Anschluss. Da Apple beim Entwerfen des iPod ein sechspoliges Firewire-Kabel verwendet hat, lädt sich der iPod beim Synchronisieren am Mac gleichzeitig auf. Trotzdem wird der iPod zusätzlich mit einem externen Stromkabel ausgeliefert. Joswiak zufolge lädt sich der iPod via Firewire über den Mac genauso schnell auf wie aus der Steckdose was in seinen Augen einen Durchbruch bedeutet, da bisher kein Gerät auf dem Markt existiere, dass sich ebenfalls über Firewire aufladen lasse.

Der Preis


Die herbste Kritik hat Apple bisher wegen des vergleichsweise hohen Preises geerntet. Joswiak hat auch zu diesem Punkt eine Erklärung: "Uns war klar, dass wir den iPod mit einem Preis einführen müssen, der in den Consumer-Markt passt. 399 US-Dollar liegen genau in der Mitte der dort üblichen Preisspanne. Es gibt auch andere MP3-Player, die so viel kosten. Die günstigeren arbeiten mit Speicherkarten, so dass man mit diesen Geräten schnell bei unserem Preis ist, wenn man auf unsere Speicherkapazität nachrüstet."

Apple wollte auch nicht das günstigste Produkt anbieten, sondern das hochwertigste - so Joswiak. Angesichts der Firewire-Funktionalität, der Kapazität und der geringen Größe des iPods habe man dies in den Augen Joswiaks auch erreicht. Au?erdem sei der iPod mehr als ein MP3-Player.

Er eigne sich nämlich genauso als Firewire-Festplatte. Sobald man die Option Firewire-Disk-Mode aktiviere, lasse sich der iPod wie jede andere 5-GB-Festplatte am Mac mounten. Man könne ihn genauso zum Speichern von Daten wie als MP3-Player verwenden, der iPod habe kein Problem damit, zwischen verschiedenen Datenformaten zu wechseln.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des iPod sei, dass Apple schon bei seiner Entwicklung die Copyright-Frage berücksichtigt habe. Wie Joswiak erklärte, sei es Absicht, dass sich der iPod immer nur mit einer bestimmten iTunes-Bibliothek synchronisieren lasse. Sobald man das Gerät mit einem anderen Mac verbinde, gebe es eine Warnmeldung aus. Wenn man den Player mit einer anderen Bibliothek abgleiche, werde die usprünglich gespeicherte Sammlung überspielt.
iPod ist nur mit iTunes 2 kompatibel. MP3-Daten lassen sich zwar im Firewire-Disk-Mode via Drag-and-drop auf den iPod übertragen, jedoch nur mit iTunes 2 der Playlist anfügen.

Windows-Kompatibilität zweitrangig


Das nahtlose Zusammenspiel zwischen Hardware, Betriebssystem und Software sei Joswiak zufolge auch der Grund, warum Apple vorläufig auf Windows-Kompatibilität verzichtet habe. "Jetzt konzentrieren wir uns erstmal darauf, möglichst viele Mac-Anwender für den iPod zu gewinnen" sagte Joswiak abschlie?end. "Wir haben iTunes über sechs Millionen mal übers Internet distribuiert. Wer einen iPod will, wird ihn sich über die Feiertage kaufen."

Apple plant momentan auch kein Software Developer Kit zum iPod.

Nach Ansicht einiger US-Marketingexperten sei der Mac-only-Ansatz Apples nur zunächst erfolgversprechend. Wenn das Unternehmen jedoch wirklich zum Marktführer in Sachen MP3-Player werden wolle, müsse es auch eine Windows-Alternative geben. mbi

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