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Apple TV: Das neue Spielzeug für Bastler und Hacker

26.03.2007 | 16:25 Uhr |

Wie Anwender Apples digitalen Medienhub nach den Vorstellungen des Herstellers einsetzen sollen, ist inzwischen bekannt: In den USA sollen die Käufer eines Apple TV die Schnittstelle ins Wohnzimmer insbesondere dazu verwenden, ihre im iTunes Store gekauften Musiktitel, Spielfilme und Fernsehserien auf ihren Fernseher und ihre Stereoanlage zu holen.

Allerdings sehen das viele Anwender anders: Sie freuen sich über einen kostengünstigen Mikro-Mac, wollen aber mehr Funktionen und arbeiten mit vereinten Kräften daran, diese über allerlei Hacks und Tricks hinzuzufügen. Den ersten ist es bereits gelungen, einen Webserver auf dem Gerät auszuführen, andere schauen sich in einem Versuchsaufbau DivX-Fime an.

Apple TV, so scheint es, ist das neue Spielzeug für Hacker und Bastler. Der große Vorteil des Geräts: Es läuft ein abgespecktes OS X darauf, das sich relativ leicht erweitern lässt und das dem experimentierfreudigen User nur wenige Hürden in den Weg legt, bislang zumindest. Forenanwender und Blogger aus aller Welt, sowohl aus dem Mac- als auch aus dem Windows-Lager, haben drei unterschiedliche Ziele: Zum einen wollen sie Apple TV um Funktionen erweitern, die der Hersteller dem Gerät aus unterschiedlichen Gründen versagt, um die Einfachheit zu wahren, Anwender an das eigene Angebot zu binden oder um Lizenzgebühren zu sparen beispielsweise. Zum anderen - und hier bewegen sich die Hacker teilweise in rechtlichen Grauzonen oder in der Illegalität - wollen sie das Betriebssystem des Medienhubs auf ihren Macs (und PCs) starten. Und schließlich macht sich eine dritte Gruppe daran, die von Apple "Backrow" genannte Medien-Software auf Mac OS X zu übertragen.  

An welche TV-Geräte lässt sich Apple TV anschließen?

Nach einer Reihe von falschen Informationen, vor denen auch Apples Produktbeschreibungen nicht Halt machte, ist inzwischen klar: Der digitale Medienhub lässt sich auch an Röhrenfernsehern betreiben, selbst wenn deren Bildschirme ein über Seitenverhältnis von 4:3 verfügen. Das zeigen zwei Einträge im Einstellungsmenü, "480i" (NTSC für den amerikanischen Markt) und "576i" (PAL für Europa), auf die Rogue Amoeba hinweist . Komplizierter verhält es sich allerdings mit der verbreiteten Meinung, man brauche zwingend einen HDMI-Anschluss. Zwar gibt es mit drei Komponentensteckern eine zusätzliche Möglichkeit, das Gerät an einen Fernseher anzuschließen [Link: Wikipedia ] , allerdings sind Fernseher mit einem solchen Anschluss in Europa kaum verbreitet. Hat ein Fernsehgerät keinen HDMI-Anschluss, sondern nur einen Composite-, Scart- oder S-Video-Anschluss, dann bräuchte der Anwender einen teuren Adapter mit eingebauter Umwandlungs-Elektronik.  

Was steckt drin?

Bereits Ende letzter Woche haben erste Apple TV-Besitzer ihr gerade erst erhaltenes Gerät sogleich auseinander genommen und Bilder vom Innenleben ins Netz gestellt. Sie zeigen: Im Apple TV steckt ein abgespeckter Pentium-M-Prozessor mit einem Gigahertz Taktung, der für einen niedrigeren Takt des Frontsidebus (400 Megahertz) ausgelegt ist. Der Grafikchip GeForce Go 7300 von Nvidia soll H.264-Filme dekodieren und der CPU so einiges an Last abnehmen können. Die Festplatte hat Apple an den Deckel des Geräts geklebt, sie lässt sich laut einiger Anleitungen im Internet problemlos austauschen.  

Kann man Apple TV um neue Funktionen erweitern?

Ja, man kann. Allerdings muss man dazu im Moment noch zur Kommandozeile greifen, die Festplatte ausbauen und viel Zeit und Geduld mitbringen. Zudem riskiert man, die Garantie auf sein Gerät zu verlieren und Funktionen zu zerstören, die man danach nur schwer oder gar nicht wieder zum Laufen bekommt. Die Bemühungen und Teilerfolge im Internet, vor allem auf den neu entstandenen Seiten Apple TV Hacks und awkardTV , zeigen aber: Das Gerät ist ausbaufähig und schon bald dürften eine Menge Erweiterungen im Internet zu haben sein. So lässt sich, wenn man die Festplatte des Apple TV ausbaut und an einen Mac anschließt, darauf ein SSH-Zugang installieren, über den man das Gerät später übers Netz fernsteuert. Die Hacker verwenden dafür Apple Remote Desktop. Die Installation von weiteren QuickTime-Codecs scheint ebenso kein Problem, allerdings gleicht iTunes DivX- und andere Inhalte nicht mit der Festplatte des Medienhubs ab. Im Moment arbeiten die Bastler deshalb daran, einen FTP-Zugang zur Verfügung zu stellen, über den man mehr Inhalte auf das Gerät kopieren kann. Ein Skript soll neue Videos später automatisch in die Medienbibliothek eintragen. Schließlich ist es Anwendern gelungen, einen Apache-Webserer auf Apple TV zu installieren. Das mag geschickt sein, wenn man seinen Rechner nicht immer angeschaltet lassen will und statt dessen den Medienhub als Webserver verwendet. Selbstverständlich unterstützt der Hersteller keinen der oben genannten Hacks - größte Vorsicht ist also angebracht. Inzwischen kursiert bereits das gesamte Apple TV-Betriebssystem samt Software im Internet, Apple dürfte darüber allerdings nicht glücklich sein und die Rechtsabteilung des Hersteller bereits scharf gestellt. Apple wird sicherlich alles daran setzen, den Einsatz seiner Software auf den Medienhub zu beschränken. Bislang ist es anscheinend ohnehin noch niemandem gelungen, das abgespeckte OS X mit Backrow auf einem Mac zu starten. Auch die Medienapplikation selbst läuft darauf noch nicht. Erweiterungen eines (gekauften) Apple TV-Geräts durch kleine Hacks und Tricks dürften dem Hersteller allerdings kaum Magenschmerzen bereiten. Man wird zwar noch sehen, ob Apple einschreitet und den Zugang zum System besser schützt oder ganz unterbindet. Doch warum sollte der Hersteller verhindern wollen, dass einzelne Bastler das Gerät als Spielzeug fürs Wochenende und lange Nächte verwenden? So entsteht lediglich ein neuer Kundenkreis, der Apple das leicht erweiterbare Gerät aus den Händen reißen könnte.

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