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Apple Watch Series 2: Heller, schneller, dichter

05.10.2016 | 13:48 Uhr |

Blöder Zufall: Unser Tester bekommt eine Apple Watch Series 2 zum Ausprobieren gestellt. Und wird dann erst einmal krank. Aber dann…

Erster Tag: 38 Millimeter passen auch

Wir bekommen von Apple ein Testgerät zur Verfügung gestellt – und beim Briefing einige neue Informationen. Was ich bis dato noch nicht wusste: Die beiden neuen Workouts „Beckenschwimmen“ und „Freiwasserschwimmen“ unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt: Beim Beckenschwimmen – was ja nun wieder öfter Indoor stattfinden wird – wird der in die neue Apple Watch eingebaute GPS-Chip nicht beansprucht. Stattdessen gibt man die Länge des Beckens ein (meist ja 25 Meter, in professionellen Umgebungen wie dem Olympiabad in München können es auch 50 Meter sein). Der Algorithmus soll dann die jeweiligen Wenden erkennen und so die Bahnen zählen – bin ich mal gespannt, bei mir ist das eher ein Anstoßen an den Beckenrand mit einer Drehung über Wasser. Beim Freiwasserschwimmen indes soll die Apple Watch mit Hilfe ihres GPS-Chips genau die Strecke messen. Hoffentlich bekomme ich noch einen Test hin bevor es wirklich zu kalt wird. Das könnte knapp werden: Unmittelbar nach Empfang der Uhr habe ich mir meine erste Erkältung der Saison eingefangen – nur eine zufällige Koinzidenz. Wenn ich in etwa einer Woche wieder fit bin, könnte der See dann doch zu kühl sein. Aber im Dienste der Wissenschaft muss man mal die Zähne zusammenbeißen.

Beim Auspacken der Uhr gibt es gleich einmal eine interessante Erkenntnis: Es handelt sich diesmal um das 38-Millimeter-Modell, das Apple zwar absichtlich nicht „Damen-Uhr“ nennt, aber doch eher etwas für die Ladies sein dürfte. Ich reiche die Uhr dennoch nicht sofort an die Kollegin weiter, denn ich will wissen, ob man auch als Herr mit dem kleineren Modell zurecht kommt. Was den Bildschirm betrifft: Ja, kommt man. Groß ist der Unterschied nicht, die Größe der Anzeige ist vollkommen ausreichend. Das 42-Millimeter-Modell war mit in einigen Fällen ohnehin ein wenig zu wuchtig am Handgelenk, vielleicht sollte ich bei einer möglichen privaten Anschaffung doch an die kleinere und etwas günstigere Apple Watch denken? Dann muss ich aber aufpassen, dass ein ausreichend langes Armband montiert ist. War es bei unserem Testgerät nicht und anders als ich es von der Uhr von vor anderthalb Jahren kenne, lag auch keine längere Version dabei. Auch nicht bei einem der zusätzlich mitgelieferten Armbänder, in der neuen Farbe pink/blau aus gewebtem Nylon. Doch etwas für die Kollegin, die deutlich schlankere Arme hat? Nix da, das dritte Armband – Plastik, in der neuen Farbe „Pink Sand“, passt. Von der Länge her. Aber nicht von der Breite, das Armband für die 42-mm-Uhr steht an den Seiten des Gehäuses über. Schaut nicht schön aus – aber die Uhr hält.

Zweiter Tag: Gegen Grippe ist kein Kraut gewachsen – und auch keine Uhr

Schon auf der Fahrradtour vom Büro nach Hause – mit Vermessung der Strecke, logisch – kratzt der Hals. Ich schiebe das auf die ungewohnt kalte Luft und denke mir erst einmal nichts dabei, bis das Kratzen am späteren Abend immer heftiger wird und in Husten übergeht. Na, super, da fährt man einmal mit der S-Bahn statt mit dem Fahrrad, schon holt man sich die erste Erkältung der Saison, in München gerne die Wiesn-Pest genannt. Oder ist das Folge des Handballturniers, bei dem ich am Sonntag im Verkauf geholfen hatte und es mit vielen Leuten und ihren Münzen zu tun bekommen hatte? Weitere Tests sind erst einmal auf Eis gelegt und peinlicher Weise geht das Ringesammeln jetzt natürlich schlecht, liegt man die meiste Zeit im Bett oder auf dem Sofa oder lümmelt vor dem Rechner herum. Nach der vierten Aufforderung, ich möge doch mal aufstehen, schalte ich den Alarm ab – das geht seit watchOS 3 , direkt unter der Aufforderung kann man auf die Schaltfläche „Heute keine Meldungen mehr“ abstellen. Auch der Trainingseifrigste liegt mal flach. Abends leistet mir die Uhr aber ihre bewährten Dienste der Informationstechnologie. In der App des Kicker stelle ich den Toralarm für die Bundesligaparteien am Mittwoch Abend ein, bevor ich erledigt und frierend in das Bett krieche. Die Uhr vibriert jedesmal brav bei den Toren von Ribéry, Thiago und Robben sowie den anderen Ereignissen auf den Spielfeldern. So bleibe ich auch im Halbschlaf der Fieberträume informiert.

Dritter Tag: Nicht nur bedingt wasserfest

Das Fieber geht langsam, die Lust auf Bewegung kehrt allmählich zurück. Mist, bei dem Wetter hätte man doch aus Testzwecken zum See können, bis Sonntag noch besteht die Chance. Ich hoffe auf rasche Genesung und trinke literweise Tee mit frisch gepresster Zitrone. Aber vielleicht einen anderen Test anstrengen: Duschen mit Uhr. Schon die erste Apple Watch war Spritzwasser geschützt, man hätte sie beim Duschen durchaus anbehalten können – das habe ich aber noch nie mit einer Uhr gemacht, auch nicht mit der wasserfesten Withings Activité Steel . Fange ich erst gar nicht damit an. Zumal man beim Duschen vielleicht nicht auf ein wichtiges Feature achtet, das die Lebensdauer der Uhr verlängern könnte: Startet man eines der Schwimmtrainings, schaltet sich das Display der Uhr automatisch ab. Das ist sinnvoll, denn das Wasser übt wie der Finger einen kapazitativen Touch aus: Ladungsträger fließen über den Leiter von der Oberfläche an, die Elektronik erkennt aber nur beim Finger zuverlässig, wo genau das geschehen ist. Wenn die Uhr komplett von Wasser umgeben ist, funktioniert das nicht mehr so gut und womöglich löst das Wasser im Schwimmbecken unsinnige Telefonate aus oder verdreht die Einstellungen der Uhr komplett. Nach dem Baden stoppt man das Training mit gleichzeitigem Druck auf Krone und Seitentasten, dreht man an der digitalen Krone ausreichend weit, wird der Bildschirm wieder berührungsempfindlich. Zudem lässt die Uhr einen Klang ertönen, der nicht nur sagt „Ich bin wieder da!“, sondern vor allem Wasser aus dem Lautsprecher pustet. Apple ist es mit der Series 2 zwar gelungen, die Membran besser gegen eindringende Flüssigkeit abzudichten , aber wenn gar kein Wasser in der Öffnung verbleibt, umso besser. Raffinierte Lösung! Beim Duschen mit Uhr kann man das auch erleben, dazu muss man gar kein Training starten. Es genügt, im neuen Kontrollzentrum auf das Symbol mit dem Wassertropfen zu tippen, der Bildschirm ist dann gesperrt. Bis man an der digitalen Krone dreht und die Uhr fröhlich vor sich hinpfeift.

38 mm: Passt. Armband: Passt nicht. Farbkombination: Ohne Worte.
Vergrößern 38 mm: Passt. Armband: Passt nicht. Farbkombination: Ohne Worte.

Vierter Tag: Ganz ohne iPhone

Wenn man es recht bedenkt, ist das eine reichlich absurde Situation. Da wurde die Apple Watch gebaut, um die Gesundheit ihrer Nutzer zu verbessern und ich werde krank, kaum dass mir ein Testexemplar ausgehändigt wurde. Ist natürlich nur ein blöder Zufall, aber ich kann die nächsten Tage ja mal beobachten, ob und wie mich die Uhr bei der Regeneration unterstützt. Inzwischen aber erst einmal überprüft, wie lange der Akku hält – ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ausgepackt habe ich die Uhr am Dienstag Nachmittag, da war sie bei 80 Prozent. Aus dem Backup wieder hergestellt, nach Hause geradelt – mit dem GPS des iPhone. In die Gangreserve verabschiedete sich die Uhr dann am Mittwoch Mittag. Benutzt habe ich sie nach dem Aufladen ja nur noch kaum (siehe oben), die nächste Ladung war dann erst am Freitag in der Früh fällig. Es bleibt also dabei: Bei halbwegs intensiver Nutzung braucht die Uhr über Nacht frische Energie, sollte aber auch Abends noch genug davon haben. In der Gangreserve zeigt die Uhr die Uhrzeit an, sonst nichts.

Von der unguten Haltung im Bett, auf dem Sofa und dem Computer sowie dem Bewegungsmangel schmerzen mir die Schultern. Zeit, mit ein paar Übungen die Muskulatur, Sehen und Gelenke wieder zu aktivieren. Blöde Idee: Warum dabei nicht der Apple Watch erzählen, man wäre beim Beckenschwimmen? Die Bewegungen sind doch ähnlich. Und tatsächlich: Das funktioniert. Die Apple Watch meint Schwimmbewegungen im Freistil zu erkennen und errechnet anhand der kurzen Pausen beim Armekreisen zwei Wenden. Die so ermittelte Pace auf 100 Meter ist nicht gerade auf olympischen Niveau, das würde ich im echten Becken aber genau so wenig hinbekommen. Der errechnete Kalorienverbrauch bleibt auf niedrigem Niveau – logisch, Aktivierungsgymnastik lässt den Puls nicht in die Höhe schießen. Bin mal gespannt, ob und wie gut die Pulsmessung im Wasser funktioniert, aus technischen Gründen ist der Fehler dabei sehr hoch. Anhand der Zeiten und der zurückgelegten Strecke sollte auch ein Wert herauskommen, der halbwegs plausibel wirkt. Darum kümmere ich mich aber erst in der kommenden Woche.

Die Aktivitäten-App auf der Apple Watch bietet nur rudimentäre Informationen, die Ausgabe auf dem iPhone ist dafür umso umfangreicher. Für das Aufzeichenen der Strecke braucht die Apple Watch Series 2 kein iPhone mehr.
Vergrößern Die Aktivitäten-App auf der Apple Watch bietet nur rudimentäre Informationen, die Ausgabe auf dem iPhone ist dafür umso umfangreicher. Für das Aufzeichenen der Strecke braucht die Apple Watch Series 2 kein iPhone mehr.

Am Nachmittag ist es erst einmal Zeit, das Haus mal wieder zu verlassen und ein wenig spazieren zu gehen. So eine Erkältung ist zwar lästig, aber schnell vorbei. Zu früh sollte man sich aber auch wieder nicht verausgaben, lieber also erst mal langsam. Das iPhone bleibt natürlich daheim, ich will wissen, wie gut die Aufzeichnung der Strecke mit dem eigenen GPS der Uhr funktioniert. Beim Joggen höre ich gerne Musik, die ein wenig den Rhythmus vorgibt und dabei auch über die Langeweile hinweg hilft, die diese Art der sportlichen Betätigung mit sich bringt. Beim Spazierengehen halte ich Beschallung indes meist für überflüssig. Aber gut, bin ja nicht zum Spaß unterwegs. Sondern will simulieren wie es ist, ganz ohne iPhone laufen zu gehen und dabei Musik zu hören. Die Apple Watch speichert maximal 2 GB Musikdaten auf ihrem internen Speicher, die Synchronisation läuft über die App "Watch" auf dem iPhone, in den Einstellungen gibt es einen eigenen Punkt „Musik“. Ich entscheide mich für die Wiedergabeliste „Zuletzt hinzugefügt“, am heutigen Freitag gab es ja wieder einige spannende Neuheiten bei Apple Music. Als Kopfhörer würde ich gerne die neuen Apple AirPods mitnehmen, die ja angeblich besser in den Ohren halten als viele annehmen. Apple ist mit der Entwicklung aber noch nicht ganz fertig, bis Ende Oktober müssen wir uns gedulden. Aber ich habe ja noch einen anderen Bluetooth-Ohrhörer zur Hand .

Problem bei der Playlist „Zuletzt hinzugefügt“: Darin enthalten sind vor allem Alben, die ich noch noch gar nicht auf das iPhone (5S, 32 GB Speicher) heruntergeladen habe und das aus Platzgründen erst auch mal nicht werde. Die Watch bekommt zwar Informationen über die Titel mitgeteilt, aber die Songs nicht geladen, also spielt sie auch nichts ab. Die „Fehlermeldung“ in der Watch-App auf dem iPhone lautet aber nur „Sync steht an“ Und steht und steht …

Also eine neue Wiedergabeliste namens „Apple Watch“ angelegt und den Speicher des iPhone mal wieder bis zum Bersten mit neuer Musik gefüllt. Die Synchronisation mit der Apple Watch – mittels der Watch-App auf dem iPhone – nimmt dann auch noch etliche Zeit in Anspruch. Das Pairing mit dem Bluetooth-Kopfhörer auch – verglichen mit dem kurzen Augenblick, in dem iPhone, iPad, Apple Watch und Mac mit den neuen AirPods und ihrem W1-Chip zu kommunizieren beginnen.

Der kurze Spaziergang mit Musik hilft nicht nur dabei, die wegen vergangener Untätigkeit schmerzenden Muskeln wieder ein wenig zu lockern und die Nase wieder frei zu bekommen, sondern bestätigt auch, was Apple behauptet: Die Fitness-App misst jetzt ganz allein per GPS die Strecke. Das iPhone kann also künftig beim Laufen daheim bleiben, wenn man die Apple Watch Series 2 angelegt hat.

Fünfter Tag: Apps ohne Ende

Statt mit dem Rad geht es am Samstag in der Früh zu Fuß zum Bäcker – scheint derzeit etwas weniger anstrengend. Und dann gleich mal ausprobiert, ob denn Hersteller der Fitness-Apps, die ich mit der ersten Apple Watch ausprobiert hatte, Ihre Hausaufgaben schon gemacht haben. Nein, haben Sie anscheinend noch nicht – Runtastic und Runkeeper bestehen weiterhin auf ein iPhone in der Nähe. Aber im App Store gibt es noch jede Menge andere Angebote, wir machen uns mal auf die Suche. Walkmeter und Runmeter klingen recht interessant, probieren wir bei Gelegenheit einmal aus.

Im App Store werden es immer mehr Apps, die auch auf der Apple Watch laufen. Seit Juni diesen Jahres müssen sie nativ auf der Uhr ausgeführt werden, bloße Verlängerungen des iPhone-Display haben ausgedient. Gleichwohl sind noch viele Apps auf die Unterstützung des iPhone angewiesen, sei es bei der Ortsbestimmung oder für aufwändigere Berechnungen. Eine App, die auch vollkommen allein zurecht kommt, ist das Planetarium für das Handgelenk "Night Sky 4". Nun ist die App auch auf dem iPhone nicht so detailversessen und funktionsreich wie etwa "Redshift Pro", für die erste Auskunft darüber, welche Sterne da am Himmel funkeln, aber bestens geeignet. Den auf der Watch fehlenden Kompass kompensiert "Night Sky 4" übrigens dadurch, indem man die Uhr am Mond ausrichten soll. Ist in Neumondnächten natürlich ein wenig verzwickt. Alternativ lässt sich mit einem Tipp auf das Display die Himmelsrichtung einstellen. Auf Dauer wird der linke Arm aber ein wenig schwer, wenn man ihn sich so vor das Gesicht hält, damit die Anzeige auf dem Display sich einigermaßen mit dem Himmel deckt.

Seit watchOS 3 kennt die Apple Watch auch eine Art Dock, in das man bis zu zehn oft benutzte Apps ablegen kann – die Konfiguration geschieht über die App auf dem iPhone. An das Dock gelangt man per Druck auf die Seitentaste, mit der man vorher wichtige Kontakte einblenden konnte – das Feature war offensichtlich nicht so beliebt wie gedacht. Im Dock laufen die Apps weiter, man kann also mit einem schnellen Blick mal eben durch die wichtigsten Informationen blättern, also das erreichen, was früher die Glances ermöglichten. Dank des schnelleren Prozessors sind die Apps auch im Dock sehr flott auf dem aktuellen Stand, nur die App vom Kicker trödelt gewaltig. Aber die lädt ihre Inhalte auch dann recht zögerlich, wenn ich sie in den Vordergrund hole.

Siebter Tag: Umzug mit Komplikationen

Die Lunge ist zwar noch nicht da, wo sie sein sollte, aber soweit geht es wieder, dass ich mich per ÖPNV wieder in das Büro begeben kann. Hier unterbreche ich den Test der Apple Watch als Fitnessuhr mit einer anderen Prüfung. Aus gegebenem Anlass will ich wissen, wie aufwändig es ist, eine Apple Watch von einem iPhone auf ein anderes umzuziehen. Das hatten wir ja schon beim ersten Modell mehrfach durchexerziert, so schwer ist es nicht. Einfach die Uhr zurücksetzen, an den nächsten Tester weiter reichen und neu aufsetzen. Kostet alles in allem ein bis zwei Stunden, nicht der Rede wert.

Hier liegt aber eine andere Situation vor. Denn erst einmal steht der Wechsel vom zuverlässigen aber allmählich betagtem iPhone 5S zu einem brandneuen 7er mit 256 GB Speicher an (nie wieder ausmisten müssen!). Das neue iPhone stelle ich aus dem aktuellen Backup des alten her in der Hoffnung, mir Zeit beim Einrichten zu sparen. Die Apple Watch betreffend hat das leider nicht geholfen. Denn diese ist physikalisch mit einem Gerät verknüpft und nicht nur logisch mit einer Installation. Also gilt auch beim internen Umzug: Gerät auf dem alten iPhone entkoppeln und auf dem neuen wieder einrichten. Das kann dauern und geht auf den Akku der Apple Watch. Nach dem Entkoppeln war dieser schon so leer, dass er für die Neueinrichtung nach dem Ladegerät verlangte. Dem Ladegerät, das daheim liegt. Gut, nehmen wir die Uhr für den Rest des Tages ab, das zartrosa Armband passt eh nicht zum weinroten Hemd. Worauf man bei der Apple Watch alles achten muss…

Achter Tag: Für Aktivitäten aller Art bestens geeignet

Noch kann man das nicht als Sport bezeichnen, was ich da betreibe, die Apple Wach Series 2 kann an meinem Handgelenk noch nicht ihr Potential ausschöpfen. Aber schauen wir uns mal in der Zwischenzeit ein paar Apps an, die etwas über die Uhr aussagen könnten. Beginnen wir mal mit der internen Trainingsapp. Viel hat sich an ihr nicht verändert, die beiden Schwimmtrainings sind neu und eben die Möglichkeit, die Strecke auch ohne iPhone zu messen.

Einstellungssache: Die Zeitmessung hält an, bleibt man stehen, die Apple Watch kann bis zu 2 GB an Musik fassen und auf Bluetooth-Kopfhörer abspielen.
Vergrößern Einstellungssache: Die Zeitmessung hält an, bleibt man stehen, die Apple Watch kann bis zu 2 GB an Musik fassen und auf Bluetooth-Kopfhörer abspielen.

Den Streckenverlauf indes sehen wir nach dem abgeschlossenen, nun ja, Training, leider nicht auf der Uhr, aber die Aktivitäten-App auf dem iPhone hat nun ein neues Element bekommen, das mir die Karte mit meinem kurzen Spaziergang zeigt. Schön: Anhand der Färbung der Strecke sehe ich sofort, wo ich langgelaufen bin und wo ich vom Durchschnittstempo besonders abwich. Kann später wirklich interessant werden. Fast noch schöner: Die Uhr erkennt jetzt auch, ob ich stehen bleibe und unterbricht die Messung so lange. Das war im Sommer 2015 ja einer meiner Hauptkritikpunkte beim Test der ersten Apple Watch . Die Funktion „Automatisch anhalten“ muss man jedoch in den Einstellungen der Workout-App erst einmal einschalten. Findet man wie alle anderen Einstellungen auch in der „Watch“-App auf dem iPhone - und bleibt beim Umzug vom einen iPhone auf das andere nicht erhalten. Leider funktioniert das nur beim Gehen und Laufen, nicht beim Radfahren. Hier muss man bei Zwischenstopps weiterhin die Uhr anhalten und wieder weiter laufen lassen.

Wir wollen aber nicht erst das iPhone zu Rate ziehen, um uns den Streckenverlauf anzusehen, das  muss mit anderen Apps doch gehen? Zunächst probiere ich "Walkmeter" aus ("Runmeter" wird zu einem späteren Zeitpunkt drankommen). Mir der App kann man einfach Routen aufzeichnen und speichern und sie zu einem späteren Zeitpunkt erneut ablaufen oder fahren. (Hätte ich mal im Sommer gebraucht, auf der Radtour, bei der ich arg in den Wald gekommen bin. Würde ich gerne noch mal da lang fahren, aber wo war das noch mal genau?)

Ich zeichne den kurzen Spaziergang von der S-Bahn nach Hause auf und erkenne erst am nächsten Tag das wahre Potential der App. Denn nun  zeigt sie mir – ohne dass ich das iPhone zur Hand nehmen müsste, den Fußweg vom Büro in Schwabing bis in den Heimatort. Viereinhalb Stunden würde der Spaziergang dauern, gut zu wissen, wenn mal wieder die S-Bahn ausfällt.

Eine andere interessante App heißt "ViewRanger", die tausende von Open-GPS-Touren bereit hält und auf Wanderungen als Wegweiser dient. Die Apple Watch soll vor Abzweigungen sich per Tap melden und die richtige Richtung weisen. Mal abgesehen davon, dass man das in den extrem gut ausgeschilderten Alpen und Voralpen eher selten braucht: Schön ist das schon.

Zehnter Tag: Endlich Freiwasserschwimmen

Der Olchinger See ist von einem der natürlichen Seen im Alpenvorland  eigentlich kaum noch zu unterscheiden. Doch formten ihn keine Gletscherzungen vor 10.000 Jahren, sondern Bagger vor 80 Jahren – die Reichsbahn brauchte damals für den Ausbau der Strecke München-Augsburg jede Menge Kies, den die Gletscher (sic!) vor 10.000 Jahren in der Gegend hier liegen gelassen haben. Daher ist der Olchinger See auch nur so um die sechs Meter tief, fällt aber an den Ufern steil ab – ungefährlich ist das zwischen Birkenhainen gelegene Gewässer gewiss nicht. Aber es hilft nichts, ich muss das Training „Freiwasserschwimmen“ der Apple Watch Series 2 wenigstens einmal ausprobieren, bevor der die zwischen Spätsommer und Frühherbst gelegene fünfte Jahreszeit endgültig in den Herbst über gegangen ist.

Kalt war's, aber schön: Die Messung gelingt aber nur, wenn die Uhr aus dem Wasser kommt. Die Messungenauigkeiten sind GPS-bedingt, wir waren nicht nur auf einem kleinen Teilstrecke im Wasser.
Vergrößern Kalt war's, aber schön: Die Messung gelingt aber nur, wenn die Uhr aus dem Wasser kommt. Die Messungenauigkeiten sind GPS-bedingt, wir waren nicht nur auf einem kleinen Teilstrecke im Wasser.

Am letzten Tag im September scheint die endgültig letzte Gelegenheit dazu, der Wetterbericht verheißt nichts Gutes für die nächste Woche. Andererseits wäre im nahe gelegenen Schwimmbad Puchheim heute Warmbadetag… Nichts da, das kann man immer noch testen. Also heute mal früher aus dem Büro und ab an den See, obwohl die Stirnhöhle noch gewaltig schmerzt und die angeschlagenen Bronchien einen immer wieder husten lassen. Was man nicht alles im Dienst der Wissenschaft tut.

Der See liegt gar nicht mehr so ruhig da wie an den zurückliegenden Sommertagen – die Liegewiesen schon, aber der allmählich aus Westen auffrischende Wind kräuselt die Oberfläche gewaltig – spiegelglatt ist etwas anderes. Das Wasser scheint zunächst aber noch angenehm warm, es kostet kaum Überwindung einzutauchen. Der Bildschirm der Apple Watch ist zu der Zeit schon gesperrt, vor dem ersten Start des Freiwasserschwimmens gab die Uhr noch wertvolle Hinweise. Es wäre besser, wenn man Freistil schwimmt, also krault. Denn dann nur dann würde das GPS zuverlässig funktionieren. Erscheint logisch, denn beim Brustschwimmen ist das Handgelenk meist unter Wasser, das Signal des GPS-Satelliten abgelenkt und gedämpft. Im Freistil würde ich aber kaum das Training überleben, gerade in meinem angeschlagenen Zustand. Aber das etwas weniger anstrengende Rückenschwimmen sollte es genau so tun, also Gesicht in die letzten Sonnenstrahlen dieses Herbsttages gereckt und etwa hundert Meter gestrampelt. Sorgen muss ich mir keine machen, dass ich mit anderen Schwimmern kollidieren könnte - ich bin der einzige auf der gut 14 Hektar großen Wasserfläche. Zurück dann wieder im kaum noch anstrengenden Bruststil, der mit dem der Olympiaschwimmer auch nichts zu tun hat, aber mich kaum Energie kostet.

Und wie ich dann auf der Karte in der Aktivitäten-App auf de iPhone sehe, musste hier der Algorithmus wie angekündigt tatsächlich interpolieren. Immerhin ergibt die Pulsmessung einen plausiblen Wert – das hatte die Apple Watch auch vorher gesagt, dass die Messung im Wasser schwierig ist und den ermittelten Werten nicht unbedingt zu trauen. Ich musste zwar niemals fürchten, die Uhr zu verlieren – dazu sitzt das Sportarmband zu fest – doch bemerkte ich, wie sich die Apple Watch etwas lockerte, als sich der Armumfang in der Kälte ein wenig reduzierte. Mittlerweile merke ich auch, dass der Olchinger See kein Mittelmeer ist – und das nicht nur am geringeren Auftrieb. Das Wasser zwickt allmählich an der Haut, ich schätze mal, die Temperatur an der tagsüber noch gewärmten, nachts langsam auskühlenden und jetzt windbewegten Oberfläche und knapp darunter beträgt so um die 17 Grad. So warm war die Nordsee im Sommer vor einem Jahr, daher die vergleichende Schätzung.

Also dann doch wieder raus, obwohl die Lust an der Bewegung allmählich wieder kommt. Ich hatte bei der Herfahrt allerdings gesehen, dass der Biergarten zwar noch offen, aber keine sonnigen Plätze mehr zu bieten hatte. Wärme ich mich also lieber mit Hilfe von Bewegung  auf und drehe noch eine kleine Runde mit dem Radl. Gelegenheit für einen weiteren subjektiven Test. Denn trotz allem ist es noch recht hell, obwohl die Sonne schon recht tief steht. Das Display ist aber auf der kurzen Tour nach Hause sehr gut abzulesen, Apple hatte versprochen, an der Helligkeit gedreht zu haben. Ohne hier auf der zweiten und letzten Etappe des Olchinger Triathlons ins Detail gehen zu können: Ja, stimmt.

Fazit nach 14 Tagen: Sinnvolle Verbesserungen

Apple hat mit der Apple Watch Series 2 die Smartwatch nicht neu erfunden, seine intelligente Armbanduhr aber einen guten Schritt weiter entwickelt. Wobei viele dieser Verbesserungen allein der Software zu verdanken sind, dem neuen Betriebssystem watchOS 3. In ungewöhnlicher Weise hat Apple auch dem Vorgängermodell einen schnelleren Prozessor verpasst, wer also nicht gerade für ambitioniertes Schwimmtraining eine wasserfeste Uhr benötigt oder lieber ohne iPhone seine Runden auf der Laufstrecke drehen möchte, kann unbesorgt auch zur Series 1 greifen. Das hellere Display der Series 2 ist sehr angenehm, im Alltag hat man sich aber sehr schnell daran gewöhnt. Den Unterschied merke ich erst, als ich nach Ende meiner Tests wieder auf die alte Apple Watch wechsle, die nun insgesamt ein weniger trüber und weniger brillant erscheint. Aber nicht so, dass es stören würde, auch der Rückschritt ist eine Sache der Gewöhnung.

Aus dem Test ziehe ich aber noch weitere Erkenntnisse:

  • Eine 38-Millimeter-Uhr kann man auch als Mann an sein Handgelenk spannen.

  • Wenn man sich für die 38er entscheidet, muss man aber unbedingt darauf achten, dass das Armband lang genug ist

  • Die neuen Farben der Armbänder wie Pink Sand sind nicht jedermanns Geschmack. Entscheidet man sich dennoch für eine derart dominante Farbe, sollte man besser noch in ein zweites Armband investieren.

  • Das zweite Ladegerät im Lieferumfang vermissen wir nach wie vor

  • Die Apple Watch hat als Fitness- und Gesundheitsgerät gewiss eine bessere Zukunft denn als Lifestyle-Accessoire oder gar als Statussymbol. Das hat Apple eingesehen und die sehr teure Apple Watch Edition aus 18 Karat Gold durch ein weit erschwinglicheres Sondermodell ersetzt.

  • Es bleibt bei der Weiterentwicklung Luft nach oben. Eine eSIM und damit eine noch stärkere Unabhängigkeit vom iPhone wäre ein nächster logischer Schritt.

Apple Watch 1

Apple Watch 2

Größen

38mm, 42mm

38mm, 42mm

Modelle

Sport, Classic, Edition

Sport, Classic, Edition (Ceramics)

Originalpreis, das billigste Modell

349€

419€

Display

Ion X Glas, Retina, Force Touch

Ion X Glas, helleres Retina-Display, Force Touch

Gewicht (38 mm, Sport)

25g

28,2g

Bluetooth

4.0

4.0

Wlan

802.11b/g/n 2.4GHz

802.11b/g/n 2,4GHz

Akku

Bis zu 18 Stunden

Bis zu 18 Stunden

Sensoren

Herzfrequenzmesser, Beschleunigungssensor und Gyrosensor

Herzfrequenzmesser, Beschleunigungssensor, Gyrosensor

Digitale Krone

ja

ja

Wasserfestigkeit

wassergeschützt

wasserdicht

Lautsprecher, Mikro

ja

ja

Umgebungslichtsensor

ja

ja

Vorgestellt

09.09.2014

07.09.2016

Verfügbar ab

09.03.2015

16.09.2016

Prozessor

S1 Dual Core

S2 Dual Core

Und jetzt wollen wir doch mal sehen, wie der Kollegin die Uhr gefällt. Stay tuned!

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