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Apple: "Wir erhalten Spenden für den Streit mit FBI"

18.03.2016 | 14:17 Uhr |

Noch ist der Streit zwischen Apple und dem FBI um die Entsperrung des beschlagnahmten iPhone des San-Bernardino-Terroristen nicht geklärt. Apple verweigert dem FBI weiterhin die Kooperation sowie das Schreiben einer Software, mit der die Behörden durch eine digitale Hintertür die Sicherheitsmaßnahmen umgehen können. In einem exklusiven Interview bezieht Tim Cook Stellung zur Privatsphäre, Amerikas Sicherheit und worauf es im Kampf gegen die Entschlüsselung ankommt.

Der Fall um die Entsperrung des beschlagnahmten iPhones bringt immer noch viele Schlagzeilen hervor. Das Smartphone gehörte Syed Rizwan Farook, der zusammen mit seiner Partnerin Tashfeen Malik im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen erschossen und 22 weitere verletzt hat. In der Wohnung der Attentäter entdeckte das FBI unter anderem zwölf Rohrbomben, mehrere tausend Schuss Munition und Waffen. Die Ermittler fanden ebenfalls drei Smartphones, von denen zwei jedoch zerstört worden waren. Das dritte Smartphone ist das iPhone 5C, welches in den letzten Monaten für viele Diskussionen sorgte. Die Auseinandersetzung hat viele Gegner aber auch viele Unterstützer auf den Plan gerufen: Das Time-Interview berichtet von einem Scheck über 100 US-Dollar, die eine Privatperson an Apple geschickt hat, um damit das Unternehmen im Streit gegen das FBI zu unterstützen. Apple hat den Scheck nicht eingelöst. Ob sich auf dem iPhone der Attentäter wichtige Daten befinden, lässt sich bis jetzt noch nicht sagen, da das FBI wegen des Sicherheits-Codes nicht darauf zugreifen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass sich bei mehrmaliger Falscheingabe des Passworts das Smartphone zurücksetzt.
 
In einem exklusiven Interview mit dem Magazin Time erklärte Apple-CEO Tim Cook, dass Apple aktiv mit dem FBI bei den Ermittlungen zusammengearbeitet habe – bis zu einem bestimmten Punkt. Nachdem die ersten Ratschläge von Apple nicht funktionierten, verlangte das FBI, dass Apple eine neue Version von iOS 9 schreiben sollte, welche keine begrenze Anzahl der Passworteingabe haben sollte. Da ein vierstelliges Passwort lediglich 10.000 verschiedene Kombinationen haben kann, könne das FBI das besagte iPhone innerhalb eines Tages entsperren. Apple bezeichnet diese iOS-Version intern auch als GovtOS (Regierungs-OS). „Als sie uns darum gebeten haben, führten wir intern wirklich lange Diskussionen über diese Möglichkeit. Da waren viele Menschen involviert. Da war nicht nur ich, der irgendwo in einem Raum saß und sich dagegen entschiedenen hat, das war eine mühsame Entscheidung.“
 
Die Entwicklung einer solchen Software birgt gefährliche Risiken. „Wenn wir das entwickeln, von dem das FBI will, dass wir es entwickeln, würden wir Millionen Menschen einem Risiko aussetzen.“ Dahingegen argumentierte das FBI, dass der neue Code lediglich für dieses bestimmte iPhone genutzt werden soll. Allerdings sei es laut Time sehr leicht, den Code so zu modifizieren, sodass man auch andere iPhones hacken könnte. „Hier geht es nicht nur um ein Telefon“, sagte Cook. „Hier geht es viel mehr um die Zukunft. [...] Wenn ich an die Bürgerrechte denke, denke ich an die Gründungsprinzipien dieses Landes. An die Freiheiten, welche in dem ersten Zusatz beschrieben werden, aber auch das grundlegende Recht der Privatsphäre. Wenn der All Writs Act uns zu etwas zwingen kann, was Millionen Menschen verletzbar machen würde, dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich fragen sollte: Wenn das passieren kann, was kann dann noch alles passieren? Dann könnte in der nächsten Senatssitzung über ein Überwachungs-OS gesprochen werden. Vielleicht möchten die Strafverfolgungsbehörden als nächstes die Möglichkeit haben, die Kamera an Ihrem Mac anzuschalten.“
 
Auch wenn wir in einem "goldenen Zeitalter der Überwachung" lebten, sei die Verschlüsselung zum Schutz der privaten Nutzerdaten entscheidend. Dabei spiele es keine Rolle, aus welchem Land die Verschlüsselung kommt, „Verschlüsselung ist überall“. Zudem sei das Argument, dass die derzeitige iPhone-Verschlüsselung es Terroristen erlauben würde, im Geheimen zu agieren, „völliger Unsinn“. „Niemand agiert im Geheimen. Natürlich muss ich gestehen, dass, wenn Sie mir eine verschlüsselte Nachricht schicken würden, niemand darauf Zugriff hätte, ohne direkt auf einen von uns zuzukommen. Vorausgesetzt, dass sich die Nachricht nicht in der Cloud befindet. Wir sollten uns aber nicht zu sehr auf das fixieren, was nicht zur Verfügung steht. Stattdessen sollten wir einen Schritt zurück gehen und uns das Gesamtbild ansehen, denn da gibt es einen ganzen Berg an Informationen über uns."

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