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Apple Works 6.1 - Office für alle

11.04.2001 | 00:00 Uhr |

Ein Schattendasein hat in den letzten Jahren das integrierte Programm Apple Works geführt, das der Mac-Hersteller mit allen neuen Einsteigerrechnern ausgeliefert hat. Oft zu Unrecht, denn das derart kostenlose "iOffice" bietet dem Neu-Macianer einen ausreichenden Funktionsumfang. Mit der neuen Version 6.1 gelingt nun auch mühelos der Datentausch mit dem rund 1000 Mark teuren Produkt von Microsoft.

Neulich, im Applestore von Karstadt: Ein Verkäufer berät eine Kundin, die einen iMac kaufen will. Der Verkäufer empfiehlt ihr nun, zusätzlich noch Microsoft Office zu erwerben. "Da ist keine Bürosoftware dabei, nur so etwas ähnliches wie WordPad. " Zu schade, dass beide noch nie etwas von Apple Works gehört hatten.

Apple Works, das frühere Claris Works ist seit langem Softwareausstattung jedes Einsteigermacs, ein Umstand, der bedingen könnte, dass man das Programmpaket oft unterschätzt. In gewisser Weise ist es das erste i-Programm (itunes, imovie, iburn): Kauft man einen Einsteigermac, hat man eine Office-Suite, die mit allem Notwendigen ausgestattet ist.
In der neuen Version 6.1 hat Apple eine wesentliche Änderung vorgenommen, die das Programm endlich zu einer richtigen Alternative zu Microsofts Office 2001 erhebt: Es kann Dateien im Format Word 2001 und Excel 2001 lesen. Bislang ist dieses Update nur für englischsprachige Versionen verfügbar, auf eine Lokalisierung muss man noch ein Weile warten.
Für den Einsatz als Büroprogramm sind die neuen Import- und Exportfilter ein Killerargument. Denn allzuoft versenden fanatische Microsoft-Nutzer per E-Mail immer noch Dateien mit Dateien mit der Endung ".doc", ungeachtet der Tatsachen, dass diese Makroviren in sich tragen könnten und dass auch die "Gegenstelle" Office installiert haben muss. Handelt es sich dabei auch noch um ein in Word 2000 erstelltes Formular, das man ausgefüllt zurückschicken soll, hat man als Empfänger nur zwei Möglichkeiten: Datei im RTF-Format anfordern, sofern der Absender dazu in der Lage ist, oder sich Word 2001 kaufen.

Apple Works hat alles, was ein modernes Officeprogramm braucht: Module für Tabellenkalkulation, Datenbank, Präsentation, Grafik und Bildbearbeitung sind integriert, unter Mac-OS X kann man seine Illustrationen oder Texte sogar als PDFs abspeichern und somit plattform- und programmübergreifend publizieren.
Gegenüber der vergleichbaren Programme Word, Excel und Powerpoint bieten die Apple-Works-Module jedoch deutlich weniger Funktionen. Ursprünglich war jedes dieser Modelle ein eigenes Programm (MacWrite, Filemaker, Impact, ClarisDraw). Diese Claris-Programme hat Apple aber nicht grundlegend weiterentwickelt, der Funktionsumfang blieb etwa gleich. Das Datenbankmodul entspricht etwa Filemaker der Version 2, für eine Adressendatenbank vollkommen ausreichend. Weiterentwickelt wurden dagegen andere Funktionen. So ist die Oberfläche wirklich Aqua-like, lässt sich aber ohne großen Aufwand an eigene Vorlieben anpassen. Trotz dieser Designtreue stürzte allerdings die Version 6.0.4 mit größter Zuverlässigkeit unter Mac-OS X ab. Erst das Update 6.1 macht einen sinnvollen Gebrauch unter Mac-OS X möglich. Die Windows-Version, die Apple wieder in das Programm genommen hat und die etwa 200 Mark kosten soll, dürfte jedoch auf einen ungleich schwierigeren Markt treffen: Sun bietet mit Star Office eine kostenlose Alternative.

Apple zielt beim Verkauf seines Programmes vor allem auf den amerikanischen Bildungsmarkt an, die leichte Bedienbarkeit des Programmes hat hier sicher seine Vorteile. Einen pädagogischen Nachteil hat das Programm allerdings, der es für diesen Einsatzzweck disqualifizieren könnte. Das Problem ist das Lernziel: Die Erstellung eines Projektes, sei es eine Multimediapräsentation oder ein wissenschaftliches Fachbuch lässt sich mit Apple Works schnell und einfach erlernen. Geht es aber um das Lernziel "Kenntnisse in Microsoft Word" muß das Programm leider passen. sw

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