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iFridge: Apple steigt in das Geschäft mit Haushaltsgeräten ein

01.04.2012 | 08:04 Uhr |

Eine der Innovationen, die Tim Cook zuletzt immer wieder nebulös angedeutet hat, stellte Apple gestern überraschend in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Cupertino vor. Mit dem intelligenten Kühlschrank iFridge will Apple nun auch die Küche revolutionieren.

Der endgültige Angriff auf das Wohnzimmer steht noch aus, doch darf man noch heuer einen von Apple konzipierten Fernseher mit Sprachsteuerung und Bezug von Inhalten aus iCloud rechnen. Einstweilen wendet sich Apple aber einem weiteren Raum zu, der noch nicht ausreichend mit Technik aus Cupertino gefüllt ist: Die Küche. Mit dem iFridge hat Apple gestern das erste Gerät aus einer im Laufe des Jahres noch auszubauenden Reihe von Haushaltsgeräten vorgestellt. Der iFridge ist in einem für alle iGeräte eigenen minimalistischen Design gehalten. Die abgerundeten Ecken hat der iFridge mit vielen Apple-Produkten gemein, die Kühlschranktür aus Aluminium erinnert an das Macbook Air - und der schwarze Korpus an das iPad.

Der intelligente Kühlschrank soll nach Vorstellung Apples nicht weniger als "die Art und Weise ändern, wie wir mit Lebensmitteln umgehen," erklärte Tim Cook gestern Abend (10 Uhr Ortszeit in Cupertino) euphorisch. Nicht nur setze der iFridge neue Standards beim Stromverbrauch und der Kühlmittelnutzung, sondern wolle durch intelligente Steuerung der einzelnen Fächer für die zu kühlenden Lebensmittel den Verbrauch optimieren und so Verschwendung reduzieren. "In den USA wirft jeder Haushalte jährlich etwa 100 Kilogramm an Lebensmitteln weg, angesichts 900 Millionen hungernder Menschen weltweit können wir uns das nicht mehr vor uns rechtfertigen," begründet Cook das Engagement in den neuen Geschäftszweig. Der iFridge wisse deshalb genau, seit wann er welches Lebensmittel enthalte, solange sie der Anwender in die dafür vorgesehenen iContainer für Fleisch, Wurstwaren, Milch, Eier, Gemüse oder Obst lege. Der iFridge beziehe seine Informationen über die Haltbarkeit von Lebensmitteln direkt aus dem neuen iFood Store Apples und erkenne anhand optischer und olfaktorischer Veränderungen, wann es Zeit für den Verbrauch ist.

Passend zu der neuen Hardware hat Apple auch Software und einen neuen Vertriebskanal bereit gestellt. iFood und iFood Store heißen die neuen Apps für iPad, iPhone, iPod Touch und Mac und der neue virtuelle Laden. Die App iFood kann man über den Mac App Store als Desktop-Version oder über iTunes Store als iOS-App herunterladen - auf dem iFridge ist der iFood Server als Gegenstück vorinstalliert.

Die zum Verbrauch gedachten Lebensmittel kombiniert der iFridge zudem in seiner ständig erweiterten Rezeptdatenbank und schickt den Besitzer Tipps auf sein iPad oder iPhone, zu welchen Gerichten er die fälligen Lebensmittel verarbeiten kann. Reste aus derartigen iFridge-Rezepten kann der intelligente Kühlschrank zudem mit frischen Vorräten rechtzeitig zu weiteren Resteverwertungsrezepten kombinieren.

iContainer informieren iPad über Lebensmittel

Grundvoraussetzung ist jedoch die Lagerung von frischen Lebensmitteln und Resten der iFridge-Gerichte (iFridge Meals) in den dafür vorgesehenen iContainern, die aus transluzentem Kunststoff gefertigt sind, den Apple von der Produktion des originalen iMacs übrig hat respektive aus Recycling von alten iMacs gewinnt. Die Boxen schicken Informationen drahtlos an die App iFood, auf iPad, iPhone oder Mac kann der iFridge-Besitzer jederzeit den Zustand seiner Lebensmittel im Kühlschrank erkennen. Das ist auch auf einem Blick möglich, öffnet man die Tür: Die Boxen mit fälligen Lebensmitteln beginnen langsam zu leuchten und werden immer heller, das Apple-Logo auf der Kühlschranktür leuchtet ebenso heller, je mehr Lebensmittel sich dem Verderb nähern. Der Kühlschrank meldet sich aber auch mit deutlichen Signalen, wenn die Milch zur Neige geht- und bestellt selbstständig Nachscub, sofern das in den iFridge-Voreinstellungen konfiguriert ist. Die Lieferung der Lebensmittel muss freilich ein Dienstleister übernehmen, bisher kooperiert Apple nur mit Lieferdiensten in den USA, eine spätere Ausdehnung des Service auf Europa und Asien sei aber nicht ausgeschlossen, heißt es.

Rezepte aus dem iFood Store

Ähnlich wie im App Store kann man im iFood Store zwei Varianten einer App finden - eine kostenlose Version zum Ausprobieren und eine Premium-Version mit voller Funktionalität. An dieser Stelle muss man auch die Light-Versionen erwähnen. Im Unterschied zum App Store handelt es sich bei den Light-Apps im iFood Store um eine Abwandlung der Premium-Anwendungen mit gleichen Features, aber mit verringertem Speicherplatz bzw. Kalorienzahl. Deswegen sind solche Light-Anwendungen in einigen Fällen sogar teurer als die gleichnamigen Premium-Apps.

Der Prüfprozess im iFood Store für die Drittanbieter ist genauso streng wie im (Mac) App Store. Mit Schadsoftware kontaminierte Produkte wie Gammelfleisch oder spanische Gurken sind deswegen im iFood Store nicht möglich.

Innovativer Flaschenkühler in der Kühlschranktür

Der iFridge hat aber auch noch eine Hardwareneuerung zu bieten, die noch kein anderer Kühlschrank kennt. Gerade für den Sommer wichtig sei das Kühlfach für Getränke, preist Apple seine Innovation. Thermisch gekoppelt an den Crushed-Ice-Zubereiter - der in keinem amerikanischen Kühlschrank fehlen darf - kühlt das Fach Getränkeflaschen auf Fingertipp auf die gewünschte Temperatur. "Gerade griechischer Weißwein schmeckt fade, wenn er zu warm ist, wir nennen die Technik daher Retsina-Dispenser," erklärt Apples neuer "Vice President of White Goods" Georgious Aprifoolkakis den Kühler, den man beinahe als "inversen Mikrowellenherd für Kaltgetränke" bezeichnen könne.

In ungewöhnlicher Weise hat Tim Cook auch durchblicken lassen, dass Apple an weiterer Weißware arbeitet, die noch im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen soll. Die Spülmaschine iDish werde etwa nur laufen, wenn sie zu mindestens 80 Prozent gefüllt ist, hat man sein Geschirr bei Apple gekauft, berechnet das Gerät die optimale Auslastung. iWave soll der Mikrowellenherd heißen, der schnell, bequem und energieeffizient die iFridge Meals zubereiten werde, nach von Apple präsentierten Rezepten. "Ich heiße schließlich nicht umsonst Cook," amüsierte der Apple-CEO die in der Townhall auf dem Apple-Campus versammelten Presseleute. iLaundry hingegen soll die Wäsche derart effizient säubern und schleudern, dass man auf Wäschetrockner endlich verzichten könne, ein "weitere wichtiger Beitrag zur Rettung unseres Planeten", wie Apple-Aufsichtsrat Al Gore in der Presseerklärung schwärmt.

Der iFridge wird ab sofort in den USA und in den wichtigsten Märkten in Apple Stores in den dort neu eingerichteten Haushaltsgeräteabteilungen zu haben sein, er kostet 1.412 US-Dollar - in Deutschland 1.412 Euro. Mit im Lieferumfang enthalten sind 14 frische Äpfel im Obstfach des iFridge - diese sind jedoch nicht angebissen.

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