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Apple beendet 2007 mit 3,5 Milliarden Dollar Gewinn

23.10.2007 | 15:15 Uhr |

Zum Geschäftsjahreswechsel 2007/2008 kann Apple Champagner und Kaviar-Häppchen auffahren - vorbei die Zeiten, in denen Stullen und stilles Wasser gereicht wurden. Die Jobs-Company hat ihr Geschäftsjahr 2007 mit einem Netto-Gewinn von knapp 3,5 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 24 Mrd. Dollar abgeschlossen.

Im Vergleich zu 2006 hat Cupertino den Umsatz um knapp ein Viertel, den Gewinn um satte drei Viertel steigern können. Zu verdanken ist dies einer unglaublichen Nachfrage nach mobilen und stationären Macs und zehn Millionen mehr verkaufter iPods. Doch ein Rekord ist nicht genug: Das abgelaufene Vierteljahr ist das beste vierte Quartal in der Firmengeschichte - und das erste "volle" iPhone-Quartal mit über einer Million verkaufter Geräte.

Kann man besser aufgestellt sein für das kommende Umsatz- und gewinnträchtige Weihnachtsgeschäft? Wohl kaum. Mac OS X 10.5 Leopard steht in den Startlöchern und wartet darauf, auf einer stetig wachsenden Zahl von Macs installiert zu werden. Die aktualisierte iPod-Reihe wartet in den Geschäften bereits darauf, in Geschenkpapier eingewickelt zu werden. Und das iPhone wartet nur noch bis November, um auch Europa zu erobern. Im abgelaufenen vierten Quartal des Apple-Finanzjahres hat der Konzern wie gestern Abend gemeldet 933 Millionen Dollar verdient und Waren und Dienstleistungen im Wert von 6,22 Milliarden Dollar umgesetzt.Apple hat vergangenen Quartal die psychologisch wichtige Marke von einer Million verkaufter Smartphones genommen, mit 1,119 Mio. Geräten übertrifft der Hersteller sogar die Analystenerwartungen. Zieht man die ersten beiden Verkaufstage hinzu, die noch im dritten Quartal lagen (29. und 30. Juni), so hat Apple seit der Markteinführung 1,389 Mio. Handsets verkauft. Mehr als ein Fünftel der verkauften iPhones - etwa eine Viertelmillion Geräte - ist von den Anwendern "befreit" worden und arbeitet nicht im Netz von AT&T, Apples Exklusivprovider in den USA, räumte Finanzvorstand (CFO) Peter Oppenheimer in der gestrigen Telefonkonferenz ein. Ein beträchtlicher Teil dieser Viertelmillion iPhones wird außerhalb Nordamerikas benutzt, steht unserer Beobachtung nach zu vermuten. Diese Geräte bringen Apple keine weiteren Einnahmen, wie hoch allerdings die Umsatzbeteiligung aus laufenden Verträgen mit AT&T ausfällt, verweigert die Firma zu sagen. 95 Prozent der iPhone-Käufer empfehlen das Gerät weiter, besonders seitdem es 200 Dollar günstiger geworden ist. Wie sich die Rabattaktion mit 100-Dollar-Gutscheinen für Frühkäufer auswirkt, wollte Oppenheimer nicht erläutern. Er geht davon aus, dass die Gutscheine bis Jahresende eingelöst sind.

Apple ist wieder eine Computer-Firma

Die Basis für Apples finanziellen Erfolg aber ist das "alte" Fundament der Firma: der Computer. Die Vorstellung des neuen, schlanken iMac der vierten Generation Anfang August hat Apple eine deutlich stärkere Nachfrage nach Desktop-Modellen beschert: 817.000 stationäre Neu-Macs haben einen Besitzer gefunden und knapp 1,2 Mrd. Dollar zum Quartals-Umsatz beigetragen. Im Vergleich zum Frühlingsquartal sind das 29 Prozent mehr Geräte, im Vergleich zum Vorjahresquartal liegt der Wert mit 31 Prozent ähnlich. Die Ertragssituation verbessert sich aber im Vergleich zum Vorjahr - in der Desktop-Sparte steigt der Umsatz um 38 Prozent, im Vergleich zum Vorquartal allerdings nur um genau ein Viertel. Das mag ein Indiz dafür sein, dass der Preis des neuen iMac vergleichbar knapp kalkuliert ist und Rabatte durch Bildungsverkäufe innerhalb der zu Ende gehenden Back-to-school-Promo zusätzlich den Umsatz dämpfen. Auf Erfolgskurs bleiben die MacBooks und die großen Pro-Modelle. 1,347 Millionen mobile Macs hat Apple im Sommerquartal verkauft, knapp über 1,9 Mrd. Dollar sind im Gegenzug auf das Umsatzkonto eingegangen. In dieser Sparte korrespondieren die Zuwächse an Stückzahlen und Umsatz harmonischer, sind aber nicht minder beeindruckend. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat Apple 37 Prozent mehr Geräte verkauft und damit 42 Prozent mehr Umsatz gemacht, im Vergleich zum Vorquartal fällt das Plus mit einem Fünftel etwas leichter aus: 19 Prozent mehr mobile Macs und 21 Prozent mehr Umsatz. Oppenheimer vergleicht den Zuwachs der Stückzahlen mit denen von IDC gemeldetem Industrie-Durchschnitt und sieht Apple doppelt so schnell wachsen wie den Rest der Branche.

Vor dem Sprung unter den Weihnachtsbaum: iPod & Co

Keine Überraschungen im iPod-Geschäft: Die Kurve der verkauften Geräte über die vergangenen vier Quartale gleicht der aus dem Jahr 2006 - nur auf höherem Niveau. Das "dicke Ende" wartet wie jedes Jahr im Weihnachtsgeschäft, die im Vergleich zum Vorquartal um vier Prozent gestiegenen Verkäufe finden ihre Begründung in den Anfang September neu vorgestellten Modellen, die wie der gänzlich neue iPod touch noch im selben Monat lieferbar waren. 10,2 Millionen Player weltweit hat Apple verkauft und so einen Umsatz von 1,619 Mrd. Dollar verbuchen dürfen. Zum Vorjahreszeitraum ist das ein Stückzahlenplus von 17 Prozent - allerdings nur vier Prozent mehr Umsatz. Angesichts dieser mageren Zunahme erwarten wir den Vergleich des vergangenen mit dem kommenden Weihnachtsgeschäft mit Spannung. Verwässert werden die Zahlen jedoch, da Dienstleistungen und Zubehör für die iPods in diesen Werten inkludiert sind. Die Stagnation der Umsatzentwicklung im Geschäft der Download-Medien im Vergleich mit dem Vorquartal ist wie bei dem iPod-Hardware-Geschäft ein saisonaler Trend. Mit 601 Mio. Dollar liegt das Ergebnis knapp (-1%) unter dem des Frühlings, aber wie im Vorquartal wiederum genau ein Drittel über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Der große Rest

Mit "weiterer Hardware", darunter der Set-Top-Box AppleTV, den AirPort-Stationen, Tastaturen, Mäusen und dern Cinema-Displays, hat Apple 346 Mio. Dollar umgesetzt, spezifiziert jedoch nicht die einzelnen Stückzahlen. Das ist ein Plus von 16 Prozent zum Vorjahreszeitraum, zwölf Prozent mehr als im Frühling. Das Software-Geschäft und weitere Dienstleistungen trägt mit 430 Mio. Dollar zum Umsatz bei, über ein Drittel mehr als noch in Q4/'06 (+36%) und elf Prozent mehr als im Frühling - hier spielen neue iLife-, iWork-, FinalCut- und Logic-Versionen sowie der überarbeitete .Mac-Dienst eine Rolle.

Begeistert vom Europa-Geschäft

Vorstandsmitglied Tim Cook zeigte sich "erregt" von der Entwicklung auf dem europäischen Markt - auf unserem Kontinent findet Apple bessere prozentuale Zuwachsraten als im Heimatmarkt vor. Knapp eine halbe Million (499.000) Macs hat Cupertino vergangenes Quartal in Europa verkauft, also etwas weniger als ein Viertel aller 2,164 Mio. Geräte. Dabei hat Europa im Vergleich zu Q4/'06 um 46 Prozent zulegen können, auf dem amerikanischen Kontinent waren es "nur" 24 Prozent. Den Großteil aller Macs setzt Apple aber zu Hause ab: 965.000 Geräte waren es im abgelaufenen Quartal - wohlgemerkt ohne die Verkäufe in den eigenen Ladengeschäften. Den Retail-Bereich (Apple Store und Online-Store) weist das Unternehmen nämlich getrennt aus, hier liegen die Zahlen fast auf dem Europa-Niveau (473.000 Macs in Q4) - im Apple Store brummt das Geschäft richtig und fetter ist das Umsatzplus nirgends. 46 Prozent mehr Macs als im Sommer vergangenen Jahres und 42 Prozent mehr Geld setzt Apple im margenträchtigen Direktverkauf ab. Umsatzmäßig enttäuscht der japanische Markt weiterhin, dort nehmen auch die Mac-Verkäufe wieder ab, mit 72.000 Computern liegen sie 16 Prozent über Vorjahres-, aber elf Prozent unter Frühlingsniveau. Der Umsatz in Japan stagniert (255 Mio. $) und liegt elf Prozent unter dem Vorjahresergebnis desselben Quartals. Insgesamt macht der Anteil außerhalb der USA 40 Prozent vom Gesamtergebnis aus.

Ein Blick in die Kasse - und in die Zukunft

Die - auch für Apple überraschend hohe - Marge des Vorquartals erreicht das Unternehmen mit 33,6 Prozent nicht mehr (Q3/'07: 36,9%), sie liegt aber mehr als vier Punkte höher als die Gewinnspanne des Vorjahresquartals. Apple ist frei von Krediten oder anderen Zahlungsverpflichtungen, in der Barkasse liegen mittlerweile freie Mittel in Höhe von 15,386 Milliarden Dollar. Auf Apples neues Betriebssystem Leopard wartet eine kompatible Basis von 21 Millionen Mac weltweit, so Tim Cook, sechs Millionen mehr Geräte als zum Tiger-Start. Damals konnte Apple im ersten Quartal der Verfügbarkeit des neuen Betriebssystems 100 Millionen Dollar mit Mac OS X 10.4 umsetzen. Finanzchef Oppenheimer erwartet für das laufende, umsatzstärkste Quartal 01/2008 einen Umsatz von 9,2 Mrd. Dollar und einen um knapp 42 Prozent höheren Gewinn als jetzt gemeldet - das wären über 1,3 Milliarden Dollar.

Die Börse honoriert den Geschäftsbericht

Auf dem Frankfurter Börsenparkett sind Apples Zahlen überaus positiv aufgenommen worden, aktuell steht die Aktie bei knapp 132 Euro und hat im Vergleich zum Vortagesschluss 7,9 Prozent zulegen können. Die Wall Street startet um 15 Uhr MESZ den Parkett-Handel, nachbörslich hat AAPL in den USA vergleichbar zulegen können.

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