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Apple bewegt NAB in Las Vegas

19.04.2004 | 12:53 Uhr |

Auf der Fachmesse für Film-, Video, und Fernsehproduktion hat Apple am Sonntag eine Reihe von Neuheiten vorgestellt. Darunter sind Updates bestehender Tools und ein vollkommen neues Programm.

Die Fachmesse NAB (National Association of Broadcasters) in Las Vegas hat Apple dazu genutzt, eine Reihe von Neuerungen in seinem Portfolio von Videosoftware vorzustellen. Premiere feierte am Sonntag während einer Pressekonferenz im Rahmen der Messe die Grafikanimationssoftware Motion, die in Konkurrenz zu Adobe After Effects treten soll. An Videoprofis gerichtet, verspricht Motion schnell und intuitiv animierte Grafiken, Titel und Videos zu erstellen. Der Partikelgenerator hilft mit seinen Voreinstellungen Anwendern dabei, Effekte wie Rauch, Glanz und Fuer, die sich auf jede Animation anwenden lassen, zu erzeugen. Zahlreiche Filter und eine Vorschaufunktion runden das Paket ab. Eine "Behaviours" genannte Technik erlaubt den Verzicht auf Keyframes, in Motion angelegte Objekte wie Buchstaben bewegen sich unter dem Einfluss virtueller Schwerkraft oder Windes über den Bildschirm, einzelne Parameter legt der Anwender fest.
Die Bedienoberfläche hat Apple mit so genannten "Dashboards" gestaltet, halbtransparenten, kontextabhängigen Palette, die Zugriff auf die gerade benötigten Werkzeuge geben. Motion integriert sich nach Angaben Apples harmonisch mit den anderen professionellen Videotools Final Cut Pro, DVD Studio Pro und Shake, von denen Apple auf der NAB jeweils neue Fassungen vorgestellt hat.
Nach dem Willen von Apples für das Softwaremarketing zuständigen Vizepräsidenten Rob Schoeben soll Motion mit "einfachster Bedienung" und dem niedrigen Preis von 288,84 Euro (inkl. Mehrwertsteuer) "das ermöglichen, was Final Cut Pro für die non-lineare Videobearbeitung erreicht hat: Profi-Ergebnisse für alle zugänglich zu machen. Motion wird "ab Sommer" erhältlich sein.

Neue Fassung von DVD Studio Pro

In der gleichen Pressekonferenz auf der NAB hat Apple das nächste größere Update für seine DVD-Authoring-Lösung DVD Studio Pro angekündigt. Neu in DVD Studio Pro sind unter anderem Alpha-Übergänge, eine neue grafische Projektdarstellung, Unterstützung für DTS-5.1-Raumklang und die Integration von Compressor 1.2, Apples eigenes Kompressions- und Encodingtool für digitale Videos.
Mit 30 herkömmlichen Übergängen wie Überblenden, kreisförmiges Ein- und Ausblenden oder Farbübergängen, stellt DVD Studio Pro 3 Quicktime basierte Alpha-Übergänge vor, Anwender können mit Motion oder After Effects eigene Quicktimefilme als Basis für Alpha-Übergänge in Diashows oder zwischen Menüs schaffen.
In der grafischen Projektdarstellung stellt der DVD-Autor das Storyboard und die Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen wie auf einem Zeichenbrett dar, die Übersicht über die miteinander verknüpften Filme, Menüs und Slideshows lässt sich auch ausdrucken.
Compressor 1.2 erlaubt es, aus dem HD-Format direkt nach MPEG 2 zu encoden, neben Dolby Digital unterstützt DVD Stdio Pro 3 auch das Surround-Adio-Format DTS 5.1. Ab Mai soll DVD Studio Pro zum Preis von 521 Euro im Apple Store und im Fachhandel verfügbar sein, registrierte Anwender von DVD Studio Pro 1 und 2 sind zu einem Upgrade für den Preis von 208 Euro berechtigt.

Final Cut Pro HD

Apples professionelle Videoschnittlösung unterstützt in der neuen, Final Cut Pro HD genannten Version das Format DVCPRO HD von Panansonic. Die Software erlaubt es laut Apple erstmals, High-Definition (HD)-Video per Firewire-Kabel in Broadcast-Qualität aufzunehmen. Auch für die Weiterbearbeitung und Ausgabe sei keine weitere Hardware notwendig. DVCPRO HD komprimiert Final Cut nicht weiter und gibt Vorschauen auf das HD-fähige Cinema-Display aus. Die Software kann bis zu vier Streams im hoch auflösenden Format abspielen, unter Eindung eines Xserve RAID gar zehn Streams. Das neue Feature Digital Cinema Desktop erlaubt Betrachtung von SD- und HD-Material auf Apples Cinema Display, bei der Ausgabe skaliert Final Cut Pro HD automatisch das Format. Für registrierte Benutzer von Final Cut Pro 4 ist das Update auf Final Cut Pro HD kostenlos, der Preis für die Vollversion beträgt 1043 Euro, das Upgrade von den ersten drei Final-Cut-Versionen kostet 405 Euro, Anwender von Final Cut Express zahlen 754 Euro für die Pro-HD-Version.

Auf Final Cut Pro HD aufsetzend, haben Apple und Panasonic die nach eigenen Angaben erste Implementation von Firewire mit Panasonics eigenem hoch auflösendem Videocodec 100 MB/s DV-HD vorgestellt. An Hardware steuert Panasonic dazu den ersten mit Firewire ausgestatteten VTR für HD-Produktion AJ-HD1200A bei. Die gemeinsame Lösung ermögliche den kostengünstigen Einsatz von HD-Formaten.

Shake 3.5

Auch das Compositing- und Effekte-Werkzeug Shake hat Apple im Rahmen der NAB in einer aktualisierten Version 3.5 vorgestellt. Shake 3.5 hat neue Morphing- und Warping-Funktionen integriert, die auf Spline-Video aufsetzen, die Einbindung in Netze via Rendezvous will Apple verbessert haben. Der für das Rendering im Netz zuständige Manager Qmaster soll beim verteilten Rendern in Shake die Ressourcen besser verteilen. Shake 3.5 kostet für Mac-OS X 3.130 Euro mit unbegrenzter Renderlizenz, registrierte Anwender von Shake 3 zahlen 810,84 Euro für das Upgrade.

Speichersystem

Erstmals hat Apple für Videoprofis auch ein Storage Area Network (SAN)-System im Angebot. Das 1042,84 Dollar kostende Dateisystem hilft Videoproduzenten, ihre Arbeit im Netz zu speichern und dabei die Geschwindigkeitsbeschränkungen von herkömmlichen LANs zu umgehen. Das Xsan genannte System ist ein 64-Bit-Cluster-System, das mit Mac-OS X zusammenarbeitet. Die an das SAN angeschlossenen Computer bekommen auf Dateiebene Schreib- und Leserechte für gemeinsam genutzte Daten, der Zusammenschluss der Rechner erfolgt über Fibre-Channel, bis zu 64 Anwender können gleichzeitig auf einen Server zugreifen. Apple verteilt derzeit Betaversionen von Xsan an ausgewählte Kunden, im Herbst soll die Software in den Handel kommen.

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