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Apple eröffnet eigene Shops

23.11.2000 | 00:00 Uhr |

Die Gerüchte verdichten sich immer mehr, dass Apple im Frühjahr eigene Shops eröffnen will. Der Mac-Hersteller dementiert nicht einmal.

Bei den US-Händlern, die Macs verkaufen, herrscht dicke Luft. Ursache dafür sind diese Woche bekannt gewordene Berichte, Apple plane die Eröffnung eigener Retail-Shops. Nach einem Bericht der Macweek steht Apple kurz davor, in Chicagos exklusivster Einkaufsstraße einen großen Laden anzumieten. Dies passt zu Meldungen der US-Tageszeitung San Jose Mercury News, Apple werde in naher Zukunft seine Macs in eigenen Läden in Palo Alto, Glendale und einer weiteren Stadt in Californien verkaufen. Nach Angaben der Zeitung sollen die Geschäfte bis abends um elf Uhr offen bleiben, um so allen Käufern genug Zeit zu geben, sich auch nach der Arbeit noch in Ruhe Apple-Produkte anzusehen.

Ganz neu sind solche Gerüchte nicht. Schon im September hatte das Wall Street Journal einen Artikel veröffentlicht, in dem es über Apples Absichten, eine eigene Ladenkette zu eröffnen, spekuliert hatte. Sicherlich haben die enttäuschenden Absätze der vergangenen Monate dazu geführt, dass diese Pläne schneller als von Insidern erwartet konkrete Form angenommen haben.

Auch das erfolgreiche Beispiel Gateway dürfte Steve Jobs und die anderen Vorstandsmitglieder inspiriert haben. Der Computerhersteller hat 1996 einen ersten eigenen Computershop geöffnet - mittlerweile besitzt er rund 360 eigene Läden in den USA, mit denen einen Großteil seines Umsatzes erzielt. Tatsächlich hatte Gateways CEO Jeffrey Weitzen im September dem Wallstreet Journal erzählt, Apple versuche massiv bei Gateway Verkäufer abzuwerben. Die Einstellung der Retail-Spezialisten George Blankenship (GAP), Allen Moyer (Sony) und Ron Johnson (Target Retail Chain), die mittlerweile alle bei Apple arbeiten, war ebenfalls in deutliches Zeichen, dass Apple sehr konkrete Pläne für eine eigene Kette hatte.

Tatsächlich ist eine eigene Apple-Verkaufskette für die US-amerikanischen Computerhändler ein echtes Problem. Die Margen sind in den USA zum Teil wesentlich niedriger als etwa in Deutschland und der Wettbewerb wesentlich härter. Die Apple-eigenen Shops würden nicht nur Ketten wie Computerware, die beispielsweise in Californien zehn exklusive Apple-Läden führen, das Leben schwer machen, sondern auch großen Ketten wie CompUSA und Frös, die mit Apple in einem Store-inStore-Konzept arbeiten. Diese Stores sind sehr unterschiedlich geführt, und der mitunter sehr schlechte Kundenservice dort hat Apple-Kunden in den USA immer wieder zum Klagen gebracht.

Stellt sich die Frage, ob Apple dieses Konzept mittelfristig auch in anderen Ländern einführen könnte. In Deutschland wird es in näherer Zukunft aufgrund der hiesigen Händlerstruktur mit exklusiven Apple-Centern wohl kaum einen eigenen Apple-Shop geben. Hier wären die Überschneidungen viel zu groß und Apple wäre hierzulande viel weniger flexibel als in den USA, wo sich bei einem eventuellen Misserfolg die Läden auch recht schnell wieder auflösen ließen. Doch das ist erstmal nicht zu befürchten. Im Gegensatz zur Händlerschaft haben Mac-Anwender in den USA die News begeistert aufgenommen.

Marlene Buschbeck-Idlachemi

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