872239

Apple gegen "falsche Freunde"

11.05.2000 | 00:00 Uhr |

Zwar stehen die Schäden noch nicht fest, die der Computervirus Loveletter letzte Woche in der ganzen Welt angerichtet hat - doch einen Gewinner scheint es schon zu geben. So erschien in der Tageszeitung Die Welt eine großformatige Anzeige mit dem Text: "Liebe Windows-User: We love you!" Darunter das Apple-Logo mit dem Werbespruch "Think different". Was aussah wie das höhnische Siegesgrinsen des vom Loveletter nicht betroffenen Mac-Herstellers, entpuppte sich als Virus der besonderen Art. Denn geschaltet hatte die Anzeige nicht Apple, sondern die Werbeagentur Springer & Jakoby, nach Aussagen gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel ein Hort "überzeugter Mac-User". Aus Dankbarkeit dafür, dass der Virus keine Macs befällt, habe man die Anzeige Apple zum Geschenk gemacht, so die Agentur gegenüber dem Spiegel.

Der Beschenkte zeigt sich allerdings weniger glücklich. Vielmehr trifft die selbstlose Aktion bei Apple auf wenig Gegenliebe. Während man offiziell erklärt, die Anzeige unter Verwendung des Apple-Logos sei nicht autorisiert und man sehe sich leider gezwungen, Springer & Jakoby deshalb abzumahnen, war aus Apple-Kreisen zu hören, dass man selbst nie solche Anzeigen geschaltet hätte. Denn entgegen der Aussage der Anzeige sei der Mac keineswegs immun gegen Viren und Schadenfreude deshalb fehl am Platz. Ein Mitarbeiter. "Im Falle des Loveletter-Virus hatten wir schlicht Glück. Was aber, wenn jemand ein vergleichbares Mail für den Mac verschickt?" Technisch wäre dies kein Problem. "Dass nur drei Tageszeitungen in Deutschland Produktionsprobleme aufgrund des Virus hatten, liegt schlicht daran, dass ein Großteil auf Mac hergestellt wird. Die Vorstellung, was passiert wäre, wenn Loveletter auch auf dem Mac hätte Schaden anrichten können, ist nicht sehr schön."
Apple rät deshalb auch am Mac zu Vorsicht und möchte keinesfalls den Eindruck erwecken, die eigenen Rechner seien gegen böswillige Angriffe gefeit. "Generell muss man am Mac die gleichen Vorsichtsmaßnahmen treffen wie an einem Windows-PC. Keine Attachements öffnen, über deren Inhalt man sich nicht sicher ist, einen Virenscanner einsetzen und die Virusdefinitionen regelmäßig aktualisieren." Die Tatsache, dass für den Mac gerade mal rund 40, für Windows aber viele Tausend Viren existieren, erklärt sich der Apple-Mitarbeiter nicht etwa mit dem geringeren Marktanteil. Die - nicht offizielle - Erklärung lautet: "Wir sind halt alle so nett". Wohl auch aus diesem Grund will man, abgesehen von einer Abmahnung, nicht weiter gegen Springer & Jakoby vorgehen. sh

0 Kommentare zu diesem Artikel
872239