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"Apple geht den Weg der Integration"

05.06.2014 | 10:34 Uhr |

"Beste Lagen für Entwickler und ein Zugang, der unter Steve Jobs nicht möglich gewesen wäre." Der Chefentwickler von Elgato im WWDC-Gespräch

Macwelt hat mit Florian Dejako, dem CTO von Elgato am Rander WWDC über die Neuerungen in OS X und iOS 8 gesprochen - und was sie für Anwender und Entwickler bedeuten.

Macwelt: Was war für Sie als Entwickler und Hersteller das größte Aha-Erlebnis bei der WWDC?

Dejako: Ich glaube, man muss viel zwischen den Zeilen lesen und die Sachen sehen, die noch nicht kamen, die aber deutlich gezeigt wurden. Ich glaube, Apples Fokus dieses Jahr ist ganz deutlich auf Integration. Integration von Apples eigenen Diensten untereinander, aber neu auch die Einladung an Entwickler, aktiv bei dieser Integration mitzuwirken. Das heißt: Plug-ins für Custom Keyboards, Custom Widgets oder Share-Optionen. Das sind alles Dinge, die zu Steve Jobs’ Zeiten vielleicht nicht so zugänglich gewesen wären. Ich denke, da ist eine neue Richtung erkennbar. Viele von den Dingen, die jetzt herauskommen sind natürlich noch Nachläufer aus der Jobs-Entwicklungszeit. Ich glaube, die große Welle neuer Hardware und dann auch neuer Software wie OS 11 statt OS X steht uns noch bevor.

Florian Dejako

© 2015

Florian Dejako ist Technikvorstand und einer der Gründer von Elgato. Er hat sein Büro in San Francisco. Florian Dejako auf Twitter folgen

Wir sind froh, dass die Möglichkeiten jetzt gegeben sind. Für uns als Softwarehersteller ist es natürlich schön, an mehreren Stellen im Betriebssystem sichtbar und bemerkbar zu sein. Custom Widgets zum Beispiel sind „prime real estate“ (Anm. „beste Lage“), der jetzt plötzlich Drittherstellern zur Verfügung steht, das ist super!

Macwelt: Gab es denn etwas, wo sie sagen „Genau dafür haben wir Ideen, wo wir etwas machen könnten“

Dejako: Wir arbeiten an einigen neuen Produkten, über die ich noch nicht im Detail reden kann, aber einige davon bieten sich wunderbar an, um aktuelle Informationen dem Benutzer voll gegenwärtig darzubieten. Und als Erweiterung des bestehenden Notification-Systems detailliertere Informationen anzubieten, ist für uns eine wichtige Sache, für alle Produkte, an denen wir arbeiten.

Macwelt: War es überraschend, dass iOS und OS X optisch und funktional zusammenrücken?

Dejako: Überraschend nicht wirklich. Wie weit diese Integration geht, ist vielleicht überraschend - zu sehen, dass die Zusammenarbeit von iOS und OS X jetzt tatsächlich im Vordergrund steht. Die Vermutung war ja bisher eher, dass OS X irgendwann auch so aussehen wird wie iOS. Dass man seine Arbeit tatsächlich per Handstreich von iOS auf dem Mac fortsetzen kann, find' ich spannend, find' ich schön. Die iCloud-Integration, über die das alles zusammengeführt wird, sieht mir sehr gelungen aus. Das hatte seine Kinderkrankheiten, aber ich glaube, wir sind mittlerweile auf einem Level angelangt, wo das sinnvoll ist. Wenn das so funktioniert, wie es in der Demo aussah, können wir uns nur freuen, was da sonst noch passieren wird.

Macwelt: Waren Sie überrascht, dass Apple ein eigenes Grafik-Framework und auch gleich eine eigene Programmiersprache vorgestellt hat?

Dejako: Ja, die Programmiersprache ist durchaus eine Überraschung gewesen. Ich hab mir überflugsweise angeschaut, wie das funktioniert. Da sind durchaus Elemente aus anderen Sprachen übernommen worden und auch Probleme, die C++ und Objektive C hatten, entfernt. Wir sind guter Dinge, dass sich die Entwicklung in Zukunft in Richtung Swift bewegen wird. Ich glaube, wir sind Zeuge der historisch schnellsten Adaption einer Programmiersprache, die es je gab.

Macwelt: Also ist das nicht nur theoretisch interessant, sondern auch tatsächlich etwas, das man sich anschaut?

Dejako: Es ist natürlich so, dass Firmen, die schon länger auf dem Markt sind, eine Codebasis haben, die historisch gewachsen ist, wo viele Codedateien in C++ oder Objective C entwickelt wurden. Aber die Gelegenheit für Aufräumarbeiten oder einen Neuanfang ist auch hier willkommen.

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