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Apple kehrt zu EPEAT zurück

16.07.2012 | 09:06 Uhr |

Der Ausstieg mit der jetzt erfolgten Kehrtwende könnte ein geschickter Schachzug sein, um Apples eigene Umweltschutzkriterien zur nächsten Generation von EPEATs Industriestandard hinzuzufügen.

Es kommt nicht oft vor, dass Apple direkte Stellungsnahmen veröffentlicht oder gar offizielle Entschuldigungen ausspricht, aber am letzten Freitag trat genau dies ein: Apples Hardware-Chef Bob Mansfield nutzte Apples Webseite , um den Rückzug von der EPEAT-Zertifizierung zu revidieren. In einem offenen Brief schreibt Mansfield: "Viele treue Apple-Kunden zeigten ihre Enttäuschung über Apples Ausstieg [..] Ich sehe ein, dass diese Entscheidung ein Fehler war. Mit sofortiger Wirkung setzt Apple alle geeigneten Apple-Produkte wieder auf die EPEAT-Prüfliste." Das iPhone zum Beispiel ist nicht auf der Liste, da EPEAT diese Geräte-Kategorie nicht prüft.

Mansfield nutzt seinen offenen Brief, um ein Paar Bemerkungen einzuflechten, die ursprünglich die Entscheidung zum Ausstieg motivierten. So betont er, dass Apple seit 2007 den Einbau von giftigen Stoffen wie bromhaltige Flammschutzmittel oder PVC vermeidet und die Energiespar-Richtlinien der US-Regierung bei konkurrenzlos übertrifft, während EPEAT diese Faktoren nicht bei der Zertifizierung berücksichtigt.

Im letzten Absatz gibt es Hinweise, was die echten Gründe für Apples Kehrtwende sind. Mansfield erwähnt, dass der IEEE 1680.1-Industriestandard , auf dem EPEAT basiert, durch Hinzufügen der oben genannten Zusatz-Kriterien gestärkt werden kann, und dass Apple "mit EPAT an der Weiterentwicklung des Bewertungssystems und IEEE 1680.1 arbeiten will". Der Industrie-Standard wird gegenwärtig von einer IEEE-Arbeitsgruppe überarbeitet und Apples Manöver scheint ein Schachzug zu sein, um der Arbeitsgruppe mehr "geeignete" Kriterien zu liefern. Das wäre natürlich ein weiterer Vorteil für Apple, wenn die Zertifizierung um Kriterien erweitert wird, die Apple ohnehin schon jetzt erfüllt. Auch wenn Zyniker diesen direkten Einfluss auf den Standard bestimmt nicht schätzen, würde auf der anderen Seite die Umwelt von diesen strengeren Kriterien nur profitieren.

Weder Apple noch EPEAT hätten von Apples Rückzug vom Zertifizierungs-Prozess Vorteile gezogen. Apple riskierte nicht nur die umgehende erneute Kritik von Umweltschutzorganisationen , sondern auch jede Menge Geschäfte mit der Regierung , von Applegeräten in Regierungsbehörden bis hin zu Schulen und Universitäten. EPEAT hingegen hätte mit Apple seinen größten Erfolgskunden verloren. So gesehen war es absehbar, dass die beiden Parteien nachverhandeln und Entscheidungen revidieren würden.

Als ursprünglicher Hauptgrund für Apples Ausstieg von EPEAT-Zertifikaten galt die Erwartung einer schlechten Bewertung des Macbook Pro Retina dank dem Verkleben von Komponenten, die das Recyceln erschweren. Apples neuer Umweltbericht hingegen zeigt, dass in den USA und Kanada dieses Macbook die höchste Bewertungsstufe (Gold) von EPEAT zugesprochen bekam und ist auch auf EPEATs Webseite entsprechend aufgelistet.

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