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Apple legt die Saat für neues Wachstum

18.01.2008 | 13:50 Uhr |

Hoch geflogen - tief gestürzt. Wer dieser Tage auf die Kurskurve der Apple-Aktie schaut, kommt sich vor wie in der Achterbahn: Ende Dezember notiert AAPL bei über 200, gestern bei 160 US-Dollar.

Alte Hasen entdecken da einen saisonalen Trend und wissen: Wer mit Apple spekuliert, tut dies mit hohem Risiko. Trotz einer ins Trudeln geratenen US-Wirtschaft empfehlen Analysten weiterhin, das Papier zu kaufen: Apple wird mit dem Videoverleih den großen Erfolg des ersten iPod-iTunes-Ecosystems wiederholen. Ein Kommentar.

Ja, es gab "Ahs" und "Ohs" am Dienstag auf der Jobs-Keynote - aber das "Boom!" fiel diesmal deutlich magerer aus: Apple kann nicht jedes Jahr ein iPhone aus dem Ärmel zaubern und auch nicht alle zwei Jahre einen Umstieg in der Prozessorarchitektur verkünden. Das ist vielleicht auch ganz gut so, schließlich ist Apple keine Kirmesattraktion, sondern ein weltweit tätiger Technologiekonzern. Ein Konzern mit frischen Ideen. Die frischeste Idee ist dabei sicher nicht MacBook Air, das neue flache Notebook, bei dem Apple nicht nur Gewicht und zahlreiche Schnittstellen, sondern in der offiziellen Sprachregelung sich auch gleich den Artikel spart, sondern der Spielfilmverleih via iTunes. Diese Idee macht nicht sofort "Boom", denn seit Monaten warten Anwender auf die digitale Videothek, Analysten forderten sie nahezu ein - und die Mitbewerber machen es vor. Rauchzeichen, dass da etwas im Busch ist, waren in den vergangenen Wochen auch nicht zu übersehen. Sprichwörtlich hoch gehandelt wurde dieses Gerücht - bis auf einen Aktienkurs jenseits der 200-Dollar-Marke. Und nun? Die Aktie ist abgestürzt, möchte man glauben. Seit ihrem Höchststand Ende Dezember hat das Papier um ein Fünftel an Wert verloren und gestern einen Vierteldollar unter der 160-Dollar-Marke geschlossen. Auf ein ganzes Jahr gesehen aber ist der Verlust kein Verlust - Apple hat seinen Wert fast verdoppelt. Und die Analysten in den Vereinigten Staaten zeigen weiter mit dem Daumen nach oben: Die Kursziel-Erwartung für die nächsten sechs bis zwölf Monate liegen zwischen konservativen 210 (American Technology Research und JMP Securities) und optimistischen 250 Dollar (Piper Jaffray). Der Start des Verleihgeschäfts, eine dank kostenlosem Software-Update überarbeitete Set-Top-Box Apple TV und die in das digitale Rechtemanagement eingebundenen, weitverbreiteten iPods und iPhones sind - so sehen das die Analysten - der Beginn des zweiten "digitalen Kreislaufs". Apple hat vor knapp fünf Jahren mit dem Start des iTunes Music Stores das erste Eco-System der digitalen Medienwelt geschaffen und wird es jetzt ein zweites Mal tun. Sehr überzeugende Argumente muss Apple bei den Verhandlungen vorgetragen haben, denn sogar Universal, mit denen Apple im Dauerclinch liegt, hat seine Mitwirkung zugesagt. Die Großen der Filmbranche machen alle mit - Happy End in Cupertino. Apple begibt sich mit dem Videoverleihgeschäft auf neues Terrain. Doch die Beobachter sind sich einig: Apple wird es schaffen, das DVD-Prinzip im Internetzeitalter virtuell abzubilden, und dabei nicht einmal vor der klassischen, kopiergeschützten Kauf-DVD kapitulieren. Der Deal mit dem Medienkonzern Fox hat Vorbildcharakter für die gesamte Branche: Kaufe eine Spielfilm-DVD und lade dir deine persönliche digitale Kopie auf deine digitalen Endgeräte - für dich und den engsten Kreis deiner Familie, sobald sie im Online-Store erhältlich ist. iTunes Digital Copy heiß das dann - und das ist die eigentliche Revolution der Woche. Es braucht ein wenig Mut, um in den hoch spekulativen Wert AAPL einzusteigen, die Immobilien- und Kreditkrise belastet die US-Wirtschaft und macht auch vor den anderen Wirtschaftsräumen nicht Halt - der starke Euro wiederum verbilligt das Papier für Anleger aus der alten Welt. Kontinuität beweist die Kurskurve jedenfalls in jedem Winter: Erst sind die Erwartungen groß, mit den Produktvorstellungen auf der Keynote geht der Kurs runter, um sich dann, nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen aus dem Weihnachtsgeschäft, wieder emporzuarbeiten. Ob es dieses Jahr wieder klappt, können Sie ab Dienstagabend selbst erleben: Nach Börsenschluss an der Wall Street veröffentlicht Apple seinen Geschäftsbericht, macnews.de wird Sie zeitnah informieren. Ole Meiners Foto: (c) The Nasdaq Stock Market, Inc.

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