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Apples Ingenieure besuchen Nutzer auf der Suche nach iTunes-Fehler

18.05.2016 | 13:56 Uhr |

Das Problem eines Musikers, der 122 GB an Musikdaten verloren hat, macht derzeit die Runde. Aber Apple steht nur teils in der Verantwortung. Mittlerweile hat der Hersteller zwei Ingenieure für ausgiebige Tests abgestellt, steht aber weiter vor einem Rätsel.

Update vom 18. Mai: James Pinkstone beharrt darauf, nicht Opfer eines Bedienerfehlers geworden zu sein, der das Löschen einer Unmenge von Musikdateien auf seinen Rechnern zur Folge hatte. Vor allem Eigenproduktionen in Formaten wie WAV oder AIFF habe ihm iTunes gelöscht und durch minderwertigere Kopien im MP3-Format ersetzt, seitdem er Apple Music und dessen iCloud-Mediathek nutzt, beschwerte sich der Musiker (siehe Originalmeldung vom 6. Mai). Der Zweifel war groß, da Apple Music auch zu Anwenderfehlern geradezu einlädt, doch Pinkstone will die Erklärungen der iTunes-Experten und -Programmierer nicht gelten lassen.

Mittlerweile glaubt ihm auch Apple und hat zwei Ingenieure zu Pinkstone nach Atlanta, Georgia, geschickt, um ein Wochenende lang zu versuchen, das Problem nachzustellen. Wie der  Versuch verlief, erklärt Pinkstone wortreich und durchaus charmant in einem weiteren Eintrag auf seinem Blog Vellum . Allein das Ergebnis ist wenig befriedigend: Warum bei Pinkstone und bei einigen anderen Nutzern Dateien verschwanden, haben die Softwareentwickler von Apple nicht herausgefunden. In einer Erklärung gegenüber Jim Dalrymples "The Loop" verweist Apple auf die "sehr geringe Anzahl von Berichten" über Datenverluste, die man "sehr ernst nehme", aber "nicht reproduzieren" könne. Einen eindeutigen Fehler habe man nicht gefunden, werde aber in dem iTunes-Update, an dem man arbeite, weitere Sicherheitsvorkehrungen einbauen, die Datenverluste vorbeugen. Das Update auf iTunes 12.4 ist mittlerweile erschienen und versucht mit einer aufgeräumteren Oberfläche zuletzt verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Ersten Erfahrungsberichten zufolge ist iTunes 12.4 auch deutlich schneller geworden, neue Berichte über Datenverluste sind bisher ausgeblieben.

Original vom 6. Mai: " Apple hat meine Musik gestohlen. Echt jetzt. " ist der Titel des Beitrags, den der Musiker James Pinkstone am Mittwoch auf dem Blog Vellum veröffentlicht hat. Sein Vorwurf: Apple Music lösche ungefragt Musik auf dem Rechner des Kunden und ersetze sie durch teils krude Versionen - Studioversionen statt Live-Aufnahmen, spätere Varianten anstatt frühere Aufnahmen. Ganz besonders ärgert aber Pinkerton, dass Apple Music seine selbst produzierte Musik auf seinem Rechner gelöscht habe und sie durch eine Version auf seinen Servern ersetzt hat, die beim Einschalten der iCloud-Musikbibliothek dort abgelegt worden war. Das Problem für Pinkerton: Statt der hochauflösenden WAV-Dateien habe er nur noch minderwertigere Versionen seiner Musik in MP3- oder AAC-Kodierung erhalten. Wenigstens konnte Pinkerton seine Musik aus einem Backup wiederherstellen.

Architektur erleichtert Bedienerfehler

Wie Serenity Caldwell von iMore aber darlegt, war die besondere Architektur der iCloud-Musikbibliothek nicht allein an Pinkstones Dilemma schuld, sondern auch seine Unachtsamkeit. Denn so funktioniert Apple Music : Hat man sich - etwa auf seinem Hauptrechner, auf dem man eine umfangreiche Musiksammlung gespeichert hat (und sie regelmäßig in ein Backup sichert...) – bei Apples Streamingservice angemeldet, scant iTunes die vorhandene Musik und gleicht sie mit dem eigenen Streamingangebot ab. Anstatt des vor fast 30 Jahren auf CD erworbenen Albums " Clutching at Straws " hält Apple Music in der iCloud seine für iTunes optimierte Version (im Format AAC) vor und streamt diese bei Bedarf auf weitere Rechner inklusive iPad und iPhone. Hat man aber Musik gespeichert, die Apple Music nicht kennt, etwa seltene Bootlegs oder eben selbst produzierte Musik, lädt iTunes die aufgefundenen Dateien zwar in die iCloud-Mediathek des Nutzers hoch, aber nicht im vorhandenen Format wie AIF oder WAV, sondern eben als AAC (256 kbps). Streamt man nun einen solchen Song auf den Zweitrechner oder das iPhone, erhält man eben nur die komprimierte Version und nicht das Original. Und auch nur dann, wenn man seine Rechner in ein WLAN eingebucht hat und solange man das Abo für Apple Music bezahlt.

Auf dem Hauptrechner bleiben aber alle Originale erhalten, man hat also auf zwei unterschiedliche Bibliotheken Zugriff: Die eigene Musiksammlung und die iCloud-Mediathek.

Zweierlei Arten des Löschens

Und nun unterlief Pinkstone vermutlich ein Fehler, den er Apple in die Schuhe schiebt. Nutzer von Apple Music kennen die Dialogbox, die auftaucht, will man einen Song von Festplatte löschen. iTunes fragt nach, ob man den "Donwload entfernen" will oder den "Titel löschen". Ersteres legt die auf einem Zweitrechner aus der iCloud herunter geladene Datei in dessen Papierkorb - v on Zeit zu Zeit sollte man ja seinen Mac aufräumen . Die Referenz bleibt erhalten, sprich: Apple Music weiß, dass der Titel oder das Album zur Bibliothek des Kunden gehören und bietet die Streamingoption weiter an. Nur die zweite Option in der Dialogbox entfernt die Datei vom Rechner und die Referenz zu Apple Music. Wenn es sich um ein im Streamingangebot enthaltenes Album handelt, kann man es sich ja jederzeit wieder holen.

Pinkstone hat aber vermutlich versehentlich oder aus Gründen der Platzersparnis die "Downloads" von seinem Hauptrechner gelöscht - schlechte Idee. Apple Music weiß nicht, dass es sich hierbei nicht um die Originale des Künstlers gehandelt hatte, sondern ging einfach davon aus, es seien nur Kopien aus der iCloud-Mediathek. Das ist gewiss ärgerlich und wäre mit einem einfachen Algorithmus aufzulösen, der ja nur nach dem Dateiformat schauen müsste. Doch löscht Apple Music nicht einfach Daten aus der (originalen) Musikbibliothek ohne Zutun des Anwenders. Dieser Vorwurf Pinkertons geht also ins Leere.

Wo er aber Recht hat: Die Matching-Algoritmen von Apple Music sind stark verbesserungsbedürftig, es geht nicht an, dass man eine rare Studioaufnahme von seinem Hauptrechner in die iCloud lädt und auf dem Zweitrechner nur eine uninspirierte Live-Fassung des Stücks zu hören bekommt.

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