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Apple macht mobil

06.05.2004 | 13:03 Uhr |

Neue G5-Modelle stehen vor der Tür aber die Macianer kaufen lieber Powerbooks - Versuch einer Erklärung.

Manches Mitglied der Mac-Gemeinde dachte vor einem Jahr, durch den neuen Partner IBM sei Apple endlich alle Sorgen losgeworden. Ein neuer Dual-CPU-Rechner kam auf den Markt, damals noch "schnellster Personal-Computer der Welt" genannt, Apples Markanteil würde deshalb ganz sicher rapide steigen. Endlich Schluss mit Motorola und den lahmen G4s!

Ein Jahr später geht man zu Vobis und Power Macs G5 stehen in abgeschrammten Kartons als Sonderangebot herum. Offensichtlich verkaufen sich die aufwendigen 64bit-Rechner doch nicht so gut wie erwartet. Besonders die Einstiegsmodelle mit 1,6 GHz sind jetzt seit einem Jahr auf dem Markt und laufen eher schlecht. Wie ein Vergleich der Verkaufszahlen der letzten Quartale zeigt, hat die Markteinführung der Power-Mac-G5-Modelle die Zahl der verkauften Power Macs nur wenig erhöht. Laut den Markbeobachtern von IDC standen im vierten Quartal 2003 in Deutschland 18 000 verkauften iBooks und Powerbooks 19 000 Desktops gegenüber - auf jeden G5 kam also ein Powerbook oder iBook. Bei früheren Produkteinführungen von Apple gab es klare Verkaufssteigerungen, nicht so beim G5. Trotz deutlich höherer Leistung des G5 ist die Verkaufssteigerung im Profisegment eher marginal. Auch der Verfasser kennt viele Mac-Anwender, die sich vor kurzem ein Powerbook oder iBook gekauft haben, aber keinen einzigen, der sich für Heim oder Heimbüro einen G5 anschaffte. Der durchschnittliche Macanwender nahm anscheinend beruhigt die Existenz des Nimm2-Macs zur Kenntnis und kaufte sich dann ein Powerbook oder iBook. Mit Motorola-Prozessoren. Mit 800 oder 1000 MHz.
Für viele Anwender ist ein zuverlässiger und schicker Mobilrechner mit akzeptabler Performance wichtiger als ein Desktop, der deutlich schneller ist, aber auch den Benutzer an einen Schreibtisch fesselt. Bis zu acht Gigabyte RAM und ein 64-Bit-Prozessor sind großartig, aber für den Normalanwender offenbar uninteressant. Mit 1,5 GHz und Firewire 800 gibt es jetzt schließlich auch ein Powerbook für anspruchsvollere Video-Projekte.

Schicke Mobile für das Wohnzimmer

Für den Privatanwender ist die Entscheidung leicht nachvollziehbar: Im Jahre 2004 sieht man im PC-Tower nicht mehr ein magisches Gerät, das Modernität ausstrahlt, sondern eine hässliche graue Kiste. Einen Desktop inklusive Röhrenmonitor hat man schon an der Arbeitsstelle stehen, zu Hause will man diesen Anblick nicht auch noch haben. Ein drahtlos mit dem Internet verbundenes schickes Powerbook ist da ideal. Endlich vom Sofa aus im Internet surfen! Dank gutem Design und sparsamer Motorola-Prozessoren hat hier AppleWettbewerbsvorteile. Beim Aldi-Desktop-PC war noch der günstige Preis entscheidend, beim Sofa-Accessoire sind dagegen das Design und das "Handling" immer wichtiger. Medion-Notebooks waren bei Aldi nie ein Verkaufsschlager, weder Privatleute noch bei Geschäftskunden sprangen sonderlich darauf an. Heißt das aber nun, dass sich Apple zum typischen Computerhersteller für Heimanwender entwickelt? Das wäre auf lange Sicht nicht ideal. Schließlich könnte sich dadurch das bunte Mac-OS X zu einer Art Micky-Maus-Betriebssystem entwickeln.

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