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Apple pflegt Darwin

07.04.2000 | 00:00 Uhr |

Rechtzeitig zur Spring Internet World stellte Apple
die Betriebssystem-Grundlage (Darwin) von Mac-OS X
fertig, das im Sommer 2000 auf den Markt kommen soll.
Nach Angaben von Ken Bereskin, Apples Director of OS
Technologies, enthält Darwin 1.0 nicht nur den
Systemkern Mach 3, sondern auch BSD und die
I/O-Komponenten.

Mit Darwin, so Bereskin gegenüber Macwelt, will Apple
dem neün Betriebssystem eine stabile Grundlage
schaffen. Mehrere tausend Darwin-Enwickler hätten
bereits den Source-Code heruntergeladen und
weiterentwickelt. Universitäten, darunter die
Michigan University, arbeiten sehr eng mit Apple
zusammen und arbeiten vor allem an Erweiterungen im
Bereich Datensicherheit und Dateisystemen.

Dabei bleibt es Apple überlassen, ob es die
Erganzungen aus dem Open-Source-Projekt in die
parallel laufende Mac-OS-Entwicklung einfließen
lässt. Laut Bereskin ist der Informationsaustausch
unter den unterschiedlichen BSD-Communities ein
enormes Plus für die Mac-OS-Entwicklung: "Wir
bekommen mit Darwin fantastische Kritiken und
Anregungen, die die Entwicklung kontinuierlich
vorantreiben. Es ist jedoch klar, dass wir nicht jede
Darwin-Erweiterung auch für Mac-OS X anbieten
werden."

Mit Darwin stellt Apple nicht nur einen wesentlichen
Teil seines neün Betriebssystem unabhängigen
Entwicklern zur Verfügung, Apple gibt auch eigene
Technologien wie Appletalk oder HFS+ frei. Nach
Ansicht von Bereskin verwenden zahlreiche
Software-Firmen diesen Teil des Codes, um ihre
zukünftigen Mac-OS-X-Anwendungen an das Dateisystem
anzupassen.

Apple bestätigt: Darwin auch auf Intel

Nachdem letzte Woche eine Meldung von der Portierung
des Systems auf die Intel-Plattform in den Medien
erschien, gab es zunächst keine offiziellen
Reaktionen von Apple. Gegenüber Macwelt sagte Ken
Bereskin, dass die Portierung des Systems auf die
Intel-Plattform ein wichtiger Schritt für das
Darwin-Projekt sei. So könne man sicherstellen, das
auch x86-Entwickler auf den Code zugreifen und mit
Erweiterungen zum Darwin-Fortschritt beitragen
können.

Viele Analysten sehen in Apples Darwin-Projekt jedoch
mehr, als nur ein offene Entwicklungsplattform, die
Mac-OS X stärken soll. Darwin stellt Apples Ausweg
aus dem aktuellen Prozessoren-Dillema dar. Während
die Konkurrenz immer schnellere und leistungsfähigere
Chips entwickelt, kann Apples Hauslieferant Motorola
momentan nicht Schritt halten. Auch wenn Bereskin
gegenüber Macwelt bestätigt, dass das Mac-OS X nur
auf PowerPC-Prozessoren (ab G3) laufen wird, bleiben
Zweifel.

Mit der Portierung auf die Intel-Architektur
verschafft sich Apple zwar keinen Zugang zu einer
überlegenen Prozessorenarchitektur, dennoch
demonstriert Apple damit seine Möglichkeiten und übt
möglicherweise für eine weitere Portierung. Mit
Intels 64-Bit-Chip Itanium brechen auch neue Zeiten
für x86-Entwickler an. Apple könnte diesen Wechsel
gezielt nutzen und mit einem entsprechenden System
sich gegenüber der Windows-Fraktion Vorteile
erarbeiten.

Mac-OS X: Finale Entwicklerversion

Bevor Mac-OS X im Sommer auf den Markt kommen soll,
will Apple zur World Wide Developer Conference im Mai
mit einer finalen Entwicklerversion für neue
Überraschungen sorgen.

Mac-OS X ist nach Ansicht von Bereskin noch nicht
fertig: "Das Betriebssystem und die
Benutzeroberfläche Aqua werden sich noch ändern. Ich
würde von einer ständigen Evolution sprechen."

Welche Teile sich noch ändern sollen, erwähnte
Bereskin jedoch nicht. Um etwa die Entwicklerversion 3
von Mac-OS X zu installieren, muss man seine
Festplatte komplett löschen und neu einrichten.
Gegenüber Macwelt deutet Bereskin jedoch eine
mögliche Änderung für die finale Version an: "Sie
wird die Anwender nicht enttäuschen, sondern so sein,
wie man es von einem Mac-OS erwartet."

Martin Stein

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