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Apple setzt auf Intel: Pro und Kontra

06.06.2005 | 22:30 Uhr |

Die überraschende Ankündigung Apples, die Prozessorplattform zu wechseln, führt zu kontroversen Diskussionen. Die Macwelt gibt Pro und Kontra.

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„Mintel“ – Apple macht genau das Richtige!

Kommentar von Christian Möller

Auf den ersten Blick erscheint es für die Mac-Gemeinde wie ein Super-Gau: Apple steigt um auf Intel-Chips! Wieder einmal müssen alle Entwickler von vorn anfangen. Jahrelange Portierungsarbeit – erst auf die Power-PC-Plattform, dann auf Mac-OS X wird hinfällig. Doch ist das wirklich so?

Blick man genauer hin, erkennt man schnell, dass Steve Jobs gar keine andere Möglichkeit hatte. Apples Hof-CPU-Lieferant – IBM – hat kein großes Interesse, Abermillionen Dollar an Entwicklungskosten in schnellere Power-PC-Chips zu investieren, nur um hinterher drei Prozent Marktanteil weltweit zu bedienen. Aus dieser Sicht ist es nur natürlich, dass Apple nun auf Intel setzt. Hier bekommt der Mac-Hersteller automatisch die schnellsten Chips geliefert, dafür sorgt allein schon der Konkurrenzdruck zwischen Intel und AMD. Steve Jobs muss dafür nicht einmal Klinken putzen gehen, sondern ist stets der lachende Dritte. Und einige andere Vorteile hat es auch:

Schafft es Apple, die Hardware-Unterschiede zwischen einem Intel-Mac und einem Intel-PC im günstigsten Fall auf einen einzigen Custom-Chip zu reduzieren, könnte der Mac-Hersteller problemlos preiswerte Hauptplatinen in Taiwan oder China fertigen lassen, die nur Tage oder Wochen der aktuellen PC-Technologie hinterherhinken. Sollte es also beispielsweise schnellere RAM-Speicheranbindung oder bessere Bussysteme für Steckkarten geben, muss Apple selbst kaum noch Entwicklungszeit investieren. Man nimmt einfach die PC-Boards, strickt einen wie auch immer gearteten Apple-Custom-Chip darauf (der ist notwendig, um zu verhindern, dass Mac-OS X auf jedem x-beliebigen PC läuft) und stellt eine neue Mac-Generation vor! Die Produktzyklen ließen sich dadurch derart verkürzen, dass wir im Extremfall etwa alle acht Wochen mit neuen schnelleren Macs rechnen könnten – Dell lässt grüßen!

Das gilt nicht nur für Desktop-Macs, auch die Powerbooks und nicht zuletzt der Mac Mini wäre davon betroffen. Dadurch reduziert sich automatisch auch der Preis für die Apple-Hardware. Wengleich nicht zu erwarten steht, dass man Macs dann im Aldi zu Kampfpreisen wird kaufen können, so zeigt doch gerade der Mac Mini, dass der Kaufpreis eine entscheidende Rolle spielt. Hier zählt jeder einzelne Euro. Wäre es nicht ein Traum, wenn die Kaufentscheidung nicht mehr vom Preis oder von der Hardwareausstattung, sprich: der Taktfrequenz abhinge, sondern nur noch vom Betriebssystem? Das könnte einen immensen Schub für Mac-OS X bedeuten, das jetzt schon einen guten Namen hat.

Außerdem: eine Windows-Emulation a la Virtual PC wäre auf einem Intel-Mac genauso schnell, wie auf einem echten PC. Damit hätte man eine Maschine, die alle drei nennenswerten Betriebssysteme (Mac-OS X, Windows und auch Linux) mit voller Performance fahren kann.

Ich jedenfalls freue mich auf das kommende Jahr und erwarte mit Spannung den ersten „Mintel-PC“

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