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Apple setzt auf Quicktime

18.05.2000 | 00:00 Uhr |

Während auf Apples Entwicklerkonferenz in San Jose der Hauptaugenmerk
auf Mac-OS X liegt, gibt es dennoch den ein oder anderen
Nebenschauplatz. Multiprocessing ist ein Thema, Webobjects und auch
Quicktime, Apples Umgebung für Multimediaformate. Quicktime hat für
Apple eine weit größere Bedeutung, als es die reine Abspielumgebung
für Filme auf dem Rechner (Mac und PC) oder im Internet vermuten
lässt. Quicktime ist ein Hauptbestandteil des Grafik-Layers von
Mac-OS X, und fast alle Bild-, Ton- und Filmformate, die Mac-OS X
einmal verstehen wird, versteht es über Quicktime.

Der Quicktime
Media Layer, wie Apple ihn offiziell nennt, sorgt zudem dafür, dass
Mac-OS-X-Programme mit allen möglichen Formaten zurechtkommen. Die
Entwickler müssen lediglich Quicktime-Unterstützung in ihre Programme
einbauen, um ein großes Repertoire an Formaten lesen und schreiben zu
können. So ist es beispielsweise dank Quicktime möglich, dass ein
einfaches Textprogramm wie Text Edit, der Nachfolger von Simple Text,
mit Filmen, Tönen und Bildern in allen möglichen Formaten umgehen
kann.

Im Zuge der Mac-OS-X-Entwicklung ist Apple derzeit bemüht, immer
mehr Formate in Quicktime zu integrieren und auch die Fähigkeiten von
Quicktime weiter zu entwickeln. So gab es auf der Entwicklerkonferenz
eine eindrucksvolle Vorstellung einer neuen Version von Quicktime VR.
Mit Quicktime VR ist es möglich, Bilder in einem Winkel von 360 Grad
zu einem Panorama zusammen zu setzen, das sich anschließend in einem
Rundumblick betrachten lässt. Eine Einschränkung von Quicktime VR ist
bislang, dass man sich zwar vertikal um die eigene Achse "drehen"
kann, nicht aber wie im richtigen Leben nach oben oder unten blickt.
Der Effekt ist wie in einem 360-Grad-Kino, wo oben die Kino-Decke und
unten der Fußboden ist. Bislang funktionieren Quicktime-VR-Panoramen
auch genau so. Das Rundumbild ist wie ein Zylinder, auf dessen
Innenseite ein Bild projeziert ist. Der Betrachter steht in der Mitte
und kann sich umschauen. Oben und unten sieht er aber nichts.
Mit dem neuen Quicktime VR ist das anders. In einer
Technologie-Demonstration zeigten die Entwickler, was nun möglich
ist: der komplette Rundumblick horizontal und vertikal. Zur
Anschauung diente eine Aufnahme des Inenraumes der St-Paul-Kathedrale
in Paris. Zuerst gab es den gewohnten Blick um die eigene Achse,
anschließend schwenkten die Vorführer den Blick noch oben an die
Kuppeldecke, rotierten, dass man schwindlig werden konnte, und
senkten dann den Blick immer weiter nach unten, bis man auf dem
Fußboden die lateinische Inschrift lesen konnte.
Während diese Demonstration schon ausgesprochen eindrucksvoll ist,
sind die Entwickler aber noch einen Schritt weiter gegangen. So kann
man in einem Quicktime-VR-Panorama dn Kopf noch weiter nach hinten
biegen und ihn quasi rückwärts von der Decke wieder herunter wandern
lassen - was dem Betrachter sofortige Nackenschmerzen bereitet.
Möglich wird diese Form des kompletten Rundblicks dadurch, dass sich
die Apple-Entwickler von der Zylinderform eines
Quicktime-VR-Panoramas verabschiedet haben. Ein Zylinder hat nämlich
den Nachteil, dass er oben und unten offen ist. Stattdessen erhält
ein Panorama nun die Form eines Würfels. Rundum hat er die vier
Seiten und zusätzlich einen Boden und einen Deckel. Die Software
sorgt dafür, dass die Ecken und Kanten eines Würfels optisch
ausgeglichen werden. Im Gegensatz zu einer Kugel - die die
naheliegendere Lösung gewesen wäre - bietet ein Würfel zudem mehr
räumliche Tiefe und kommt so unseren Sehgewohnheiten näher. In den
Demonstrationen war von den Würfelkanten jedenfalls nichts zu sehen
und die räumliche Tiefe erstaunlich.

Das einzige Problem, dass es bei solchen Panoramen zu lösen gilt, ist
die direkte Aufnahme in die Tiefe. Dort befindet sich nämlich bei
Panoramaaufnahmen das Stativ, das, um einen realistischen Eindruck zu
bekommen, möglichst nicht mit ins Bild sollte. Bis hierfür Lösungen
auf den Markt kommen, haben die Entwickler eine einfache, aber
einleuchtende Empfehlung: Bildretusche in Photoshop. sh

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