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Apple spioniert ohne Absicht

20.01.2006 | 13:18 Uhr |

Mit iTunes 6.0.2 hat sich Apple kräftig daneben benommen. Denn die Software, die eigentlich in erster Linie dazu gedacht ist, Musik abzuspielen, überträgt unter bestimmten Umständen Informationen über die gerade gewählte Musik zu Apple beziehungsweise zu einer Statistikfirma, die damit einen ziemlich guten Eindruck davon bekommt, welchen Musikgeschmack ein bestimmter iTunes-Nutzer hat.

Solange der Ministore sichtbar ist, sendet iTunes 6.0.2 über Internet Genre, Album- und Interpretenname an Apple und an eine Statistikfirma (hier: Jazz, Soul Vaccination, Tower of Power)
Vergrößern Solange der Ministore sichtbar ist, sendet iTunes 6.0.2 über Internet Genre, Album- und Interpretenname an Apple und an eine Statistikfirma (hier: Jazz, Soul Vaccination, Tower of Power)

Zwar lässt sich das leicht abschalten, doch da Apple die Funktion direkt nach der Installation von iTunes 6.0.2 aktiviert, werden sicher einige Benutzer unwissentlich Daten über sich preis geben, die besser privat bleiben sollten.

Hintergrund des Ganzen ist der Ministore, ein neuer Teil von iTunes, der unten im Hauptfenster über der Musikbibliothek eingeblendet wird. Startet man iTunes 6.0.2, zeigt die Software dort allgemeine Werbung für neue Musik in Apples Online-Musikhandel an – vorausgesetzt der Mac ist mit dem Internet verbunden. Die Datenübertragung zu den Statistikern beginnt, wenn man (bei weiter aktiver Internetverbindung) ein Musikstück, ein Hörbuch oder einen Film in der Musikbibliothek auswählt (ein Klick) oder abspielt (Doppelklick). Dann sendet iTunes im Hintergrund eine Suchanfrage an Apples Online-Handel und überträgt dabei den Interpreten, den Albumnamen und das Genre des ausgewählten Stücks. Findet sich bei Apple etwas dazu Passendes, wird die allgemeine Werbung aus- und die massgeschneiderte Werbung eingeblendet.

Diese Datenübermittlung ist schon bedenklich, doch es kommt noch dicker: Anschließend werden die selben Information noch einmal von iTunes verschickt und zwar an die US-Firma Omniture, ein Unternehmen, das sich auf die Auswertung von Internetdaten spezialisiert hat. Omniture sollte in der Lage sein, beispielsweise den Musikgeschmack aller Hörer aus Deutschland (die anhand ihrer deutschen IP-Adressen gut identifizierbar sind) zu ermitteln.

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