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Apple stellt OS X Mavericks vor

10.06.2013 | 22:17 Uhr |

Dieser Rundumschlag hat gesessen: Apple zeigt mit vielen neuen Features gerade den Pro-Usern, dass man diese Zielgruppe noch ernst nimmt.

Die Eröffnungskeynote der WWDC ist vorüber und es bleibt das Gefühl der Erleichterung: Apple gelingt nämlich mit OS X Mavericks der Spagat zwischen anspruchsvollen neuen Features für professionelle Anwender und einer konsequenten, nicht zu abenteuerlichen Design-Philosophie.

Neuer Kalender, neuer Finder, mehrere Displays

Auch wenn mit Mavericks, das nach einem bekannten kalifornischen Surfspot südlich von San Francisco benannt ist, das Zeitalter der Raubkatzen endet, zeigt sich OS X 10.9 ohne ein grundlegend neues Design, wenngleich schon auf den ersten Blick auffällt, dass viele der skeumorphistischen Elemente passé sind.

Schlichte Linien: So sieht die neue Kalender-App von OS X Mavericks aus.
Vergrößern Schlichte Linien: So sieht die neue Kalender-App von OS X Mavericks aus.

Vor allem die neue Kalender-App zeigt das sehr gut: Statt auffälligen, echtem Leder nachempfundenen Oberflächen zeigt sich die App nun perfekt an ihr iOS-Pendant angepasst. Und auch die zugehörigen App-Icons präsentieren sich im neuen "Flat-Design".

Dank Tabs kehrt endlich Ordnung im Finder ein: schnell, einfach und frei konfigurierbar.
Vergrößern Dank Tabs kehrt endlich Ordnung im Finder ein: schnell, einfach und frei konfigurierbar.

Die westlichste Neuerung betrifft aber den guten, alten Finder. Apples Dateien-Zentrale bekommt nämlich in OS X 10.9 mit Tabs und Tags zwei wesentliche Verbesserungen für den produktiven Einsatz spendiert: Dank Finder-Tabs ist beispielsweise Schluss mit unübersichtlich nebeneinander liegenden Finder-Fenstern, denn diese lassen sich künftig schnell und einfach in ein einziges Fenster zusammenziehen und individuell anpassen – so kann ein AirDrop-Tab problemlos neben einem "normalen" Finder-Tab in Listenansicht liegen, alle Tabs können völlig frei konfiguriert und positioniert werden.

Die ebenfalls neu eingeführten Tags sorgen für mehr Übersichtlichkeit im Finder. Anstatt wie bisher beim Speichern einer Datei nur den Dateinamen und den Speicherort festzulegen, lassen sich in Mavericks nun auch Tags wie beispielsweise "Sport" oder "Arbeit" vergeben – so haben Sie nach einem Klick alle entsprechend getagten Dokumente und Dateien beieinander.

Dank Tags haben Sie künftig deutlich mehr Übersicht im Finder.
Vergrößern Dank Tags haben Sie künftig deutlich mehr Übersicht im Finder.

Außerdem hat Apple massiv bei der Unterstützung für mehrere Displays nachgebessert: neben der besseren Unterstützung für TV-Geräte über AppleTV und Airplay hat man vor allem für Nutzer mehrerer Displays am Arbeitsplatz eine neue Lösung parat: Multiple Displays. Jeder Screen kann künftig separat angesteuert werden, individuelle Spaces anzeigen und diese auch unabhängig von den anderen Bildschirmen wechseln – zudem wird auf jedem Screen eine eigene Menüleiste angezeigt.

Schüssel-Wolke und mehr iOS

Safari bekommt eine neue Seitenleiste spendiert.
Vergrößern Safari bekommt eine neue Seitenleiste spendiert.

Neben den Verbesserungen am Finder hat Apple auch ein paar komplett neue Apps und weitere Updates im Köcher: Safari beispielsweise erhält eine Überarbeitung seiner Top Sites und die komplett neue Sidebar (die Lesezeichen, Leseliste und geteilte Links enthält). Daneben packt Apple auch die aus iOS bekannte iBooks-App in OS X Mavericks hinein. Ein weiteres cooles Feature ist die neue Mitteilungszentrale, denn diese erhält künftig interaktive Benachrichtigungen – so lassen sich beispielsweise iMessages direkt in der Benachrichtigung beantworten.

Apples Karten-App für OS X Mavericks komplettiert dann das iOS-Paket. Wie wir bereits im Vorfeld der WWDC mutmaßt haben, findet der viel gescholtene Karten-Dienst aus Cupertino seinen Weg auch auf den Mac. Neben den bereits aus der iOS-Version bekannten Features wie 3D-Flyover oder Favoriten hat Apple auch an eine Schnittstelle zu iOS gedacht: Mit "Send to iOS" lässt sich am Mac eine Route planen und am Ende per Push aufs iPhone schieben.

"Send to iOS" dürfte die interessanteste Funktion der OS X Karten-App sein.
Vergrößern "Send to iOS" dürfte die interessanteste Funktion der OS X Karten-App sein.
© Apple

Schließlich bietet Apple mit der iCloud Keychain in OS X Mavericks eine werksseitige Alternative zu Passwort-Apps wie 1Password. Die Keycahin speichert und verschlüsselt vom User angegebene Passwörter und setzt diese beim Login auf den entsprechenden Websites automatisch ein – bei Bedarf kann die iCloud Keychain sogar neue Passwörter generieren.

Dank AES 256-bit-Verschlüsselung sind die Nutzerdaten gut geschützt.
Vergrößern Dank AES 256-bit-Verschlüsselung sind die Nutzerdaten gut geschützt.

Außerdem kann sich der neue Dienst auch Kreditkarteninformationen merken und einsetzten. Verschlüsselt werden die Information via AES 256-bit und sind so vor fremdem Zugriff gut geschützt. Und das beste ist, dass alle Passwörter, Logins und Kreditkartendaten verschlüsselt über alle Geräte hinweg synchronisiert werden können.

Mehr Power unter der Haube

Mavericks bekommt auch unter der neuen Oberfläche Verbesserungen, die auf eine höhere Effizienz des Systems zielen. Federighi nennt komprimierten Speicher, App Nap und Timer Coalescing. Apps setzt OS X nun ähnlich wie in iOS in eine Art Ruhezustand, Speicher komprimiert das System, anstatt ihn auf die Festplatte auszulagern. Damit will Apple die Last der CPU um bis zu 72 Prozent reduzieren. Der Mac wird dadurch schneller und die Batterie soll länger halten. App Nap stellt fest, welche Programme im Vordergrund laufen und welche im Hintergrund und schickt letztere quasi schlafen. Die CPU-Last sinkt sofort, wie Federighi demonstriert.

Einschätzung

Apple ist mit OS X Mavericks eine konsequente Weiterentwicklung gelungen, soviel scheint man bereits jetzt sagen zu können. Man hat zum einen das bestehende Design und die Benutzerführung nicht komplett umgeworfen, zum anderen aber mit vielen neuen Features gerade für Pro-User (verbesserter Finder) neue Reize gesetzt. Wie die Integration der neu vorgestellten Dienste dann in der Realität verhalten wird, muss man aber noch abwarten. Die Beta-Version von OS X Mavericks können sich registrierte Apple-Entwickler bereits über das Dev-Center laden, alle anderen müssen sich noch bis zum Release der finalen Version im Herbst gedulden. In den nächsten Tagen werden wir Sie mit weiteren, tieferen Einblicken zu Apples neuestem Desktop-OS auf dem Laufenden halten.

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