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Apple tierisch innovativ: Hase oder Igel

08.08.2006 | 17:53 Uhr |

Apple hatte Microsoft schon 2004 kräftig durch den Kakao gezogen: "Redmond, Start your Photocopiers" stand auf einem Plakat bei der damaligen Entwicklerkonferenz WWDC. Heißt frei übersetzt: "Hallo Microsoft, ihr könnt jetzt anfangen, abzukupfern."

Auf der WWDC 2006 war es die vornehme Aufgabe von Bertrand Serlet, Vice President Software Engineering von Apple, weiter Salz in dieselbe Wunde zu streuen: "Das war eigentlich nur ein Witz, doch Microsoft hat es ernst genommen. Und dann nannte er einige der Funktionen, die Teil der nächsten Version von Windows (Windows Vista, eigentlich: "Windows, Version 6") sein sollen und die Apple schon mit der seit April 2004 erhältlichen Version 10.4 von Mac-OS X hat, wenn man Serlet Glauben schenkt: Widgets heißen bei Microsoft Gadgets, die Suche mit Spotlight funktioniert bei Vista mit einem ähnlichem Mechanismus steht allerdings links unten und nicht wie Spotlight rechts oben auf dem Bildschirm. Außerdem heißt der Terminplaner jetzt Windows Calendar und das Email-Programm Windows Mail - und die Ähnlichkeit gehe bei Windows Vista soweit, dass sogar das Farbschema der Kalender in iCal sich ganz ähnlich unter Vista wieder findet.

Parallel zu Serlets Scherzen hat Apple deshalb auch in diesem Jahr kräftige Seitenhiebe auf Windows Vista ausgeteilt: Microsoft got a cat, too. A copycat (frei übersetzt: "Microsoft wird weiter abkupfern."), oder "Hasta la vista, Vista" - auf Deutsch: "Wir sehen uns später, Vista" und "Leopard, Vista 2.0", lies: erst die Weiterentwicklung von Vista wird so gut sein, wie Mac-OS X Leopard.

Was Apple weniger deutlich sagt

Doch Microsoft hinkt nicht auf allen Gebieten hinterher: Jene Funktion, mit der man Software unter Windows wieder deinstalliert, vermissen manche unter Mac-OS X. Und Microsoft hat versprochen, Windows Vista mit einer stark verbesserten Ausgabe dieser Version auszuliefern, so dass es dann zum Beispiel möglich sein soll, Windows auf einen Stand vor der Installation eines Updates zu bringen. Angesichts der Schwierigkeiten, die nach manchen Betriebssystem-Updates bei Mac-OS X auftreten, ist eine solche Funktion sicher auch für Mac-Besitzer interessant.

Deshalb hat "Time Machine" der neue Mechanismus, mit dem unter der nächsten Version von Mac-OS X zu einem beliebigen Stand eines Ordners oder einer beliebigen Version einer Datei, so einen leichten Beigeschmack. Apples Konstruktion wirkt auf den ersten Blick übersichtlich und leicht verständlich, doch von der vergleichbaren Funktion von Vista, trennt sie nur ein Punkt: Die Vollautomatik. Soll heißen: Bei Vista entscheidet der Benutzer, wann er einen Zustand des Betriebssystems speichert, auf den er dann im Notfall zurückgreifen kann. Mac-OS X Leopard dagegen erzeugt die Versionen automatisch; der Benutzer muss sich nicht darum kümmern, wann sich der Stand des Betriebssystems und wann sich der Stand einer Datei auf der Festplatte ändert. Jede Änderung wird automatisch in der Time Machine, der Zeitmaschine, gespeichert, so dass man im Notfall einfach, durch alle Änderungen blättern kann, bis der gewünschte Zustand wieder erreicht ist.

Apples Informationen über Leopard (mit Demo-Videos)

Steve Jobs Keynote zur WWDC 06

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