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Apple trennt iPod vom Mac

21.05.2004 | 11:22 Uhr |

Der erfolgreiche iPod bekommt in Cupertino eine eingene Business Unit unter Führung von Jon Rubinstein. Damit vergrößern sich auch Apples Chancen im Profisegment.

In Zukunft gehen in Apples Hardwareentwicklung iPod und Mac getrennte Wege. Während der bisherige Chefentwickler für Hardware, Jon Rubinstein, der neuen iPod-Division vorstehen wird, übernimmt der bisherige Vertriebschef Timothy Cook die Mac-Division in Cupertino. Die Hardwareentwicklung der Mac-Abteilung übernimmt Tim Bucher, der bislang der Systementwicklung vorstand.
Mit Hilfe der eigenen Business Unit für den iPod will Apple nach eigenen Angaben seine Ressourcen präziser auf Mac und iPod konzentrieren. Ob die iPod-Division eigene Bilanzen erstellen wird, ist derzeit nicht bekannt.
Analysten glauben jedoch, Apples Maßnahme würde zu weiteren digitalen Geräten führen. Joe Wolcox von Jupiter Research sieht durch die iPod Division die Bedeutung des Geräts für das Gesamtunternehmen betont, Apple betrachte den iPod als integralen Teil seines Angebots und nicht mehr nur als bloßen Musikplayer, den man nebenher entwickle. Nachdem mit dem iPod mini ein zweites Gerät auf den Markt gekommen ist, sei es laut Wilcox "vernünftig anzunehmen", die iPod Division werde weitere Hardware entwickeln. Nach Ansicht von Tim Deal von Business Research habe die Entscheidung keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des Mac, die Rechnerverkäufe haben im letzten Quartal erst wieder zugelegt. Der Mac-Hersteller trage jedoch der Tatsache Rechnung, dass der iPod mittlerweile 14 Prozent seines Umsatzes bestreite, es mache daher Sinn, eine eigene Abteilung für das Gerät aufzusetzen, dass sich leichter herstellen und vermarkten lasse als Computer.

Kommentar: iPod Inc. und das Profisegment

Was Anfang Mai noch als interessanter, aber etwas abstruser Vorschlag des Business-Kolumnisten Alex Salkever erschien, nimmt langsam konkrete Formen an: Apple zieht eine Trennungslinie zwischen iPod und Macintosh. Die Etablierung einer eigenen iPod-Abteilung ist der erste Schritt hin zur Abspaltung von der Muttercompany Apple. Einerseits sieht sich der iPod zunehmender, meist kostengünstigerer Konkurrenz ausgesetzt, andererseits drehten sich positive Schlagzeilen um Apple in jüngster Zeit stets um das digitale Wunder. Die iPod-Division könnte zu einer unabhängigen Tochterfirma mutieren und flexibler auf die Anforderungen des Marktes reagieren, ohne die Dachmarke Apple zu beschädigen. Denn jene steht in der Öffentlichkeit nicht mehr als Premium-Marke für Profis im Kreativbereich und Druckvorstufe da - die Szene wartet etwa immer noch vergeblich auf den vor fast einem Jahr versprochenen Power Mac G5 mit 3 GHz Taktrate. Zudem will sich Apple neue lukrative Märkte im professionellen Bereich erschließen, etwa in der Videobearbeitung und der Biotechnologie. Das Profil eines Anbieters verschwimmt zwangsläufig, wenn er sowohl gleichzeitig Xserve-G5-Cluster und Unterhaltungsgeräte verkaufen will. Der iPod ist ein qualitativ hochwertiges und ausgereiftes Produkt, aber letzten Endes doch ein Spielzeug. Ein Impuls für Apples Profi-Anspruch wäre ein iPd-Spin-off allemal, von dessen hervorragenden Aussichten im Entertainment-Bereich ganz zu schweigen.

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