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Greenpeace kritisiert Apple

18.11.2008 | 14:55 Uhr |

In einem Interview begründet der Greenpeace-Chef, warum man gerade Apple so sehr für dessen Umweltfreundlichkeit kritisiert hat.

"Wir haben Apple bloß beim Wort genommen. Sie wollen die Besten sein, nicht irgendjemand. Aber beim Umweltschutz ist Apple bestenfalls durchschnittlich", sagt Gerd Leipold. In einem Interview mit dem Spiegel erklärt der Geschäftsführer von Greenpeace International, warum ausgerechnet Apple im Zentrum der Aktion für "saubere" Elektronik steht. Am Anfang der Kampagne hätten alle Elektronikhersteller gleichermaßen im Fokus gestanden. Nachdem Firmen wie Dell begonnen hatten, auf die Forderungen von Greenpeace einzugehen und schädliche Stoffe aus ihren Geräten zu verbannen, sei Apple stur geblieben und habe die Forderungen der Umweltaktivisten nicht beachtet.

"So arrogant wie Apple manchmal ist, ignorierte man unsere Forderungen", so Leipold in dem Interview. Erst später habe sich auch Apple dem Trend zu weniger schädlichen Stoffen in elektronischen Geräten angeschlossen. "Dahinter steckt ein Lernprozess". Leipold erinnert sich an ein "denkwürdiges" Zusammentreffen mit Apple-CEO Steve Jobs. Dieser habe sich unglaublich geärgert, dass man Apple härter anfassen würde als andere Unternehmen.

Steve Jobs verträgt keine Kritik

Apple liegt im Greenpeace-Ranking immer noch im Mittelfeld
Vergrößern Apple liegt im Greenpeace-Ranking immer noch im Mittelfeld
© Greenpeace

"Er wurde laut, sehr laut", berichtet Gerd Leipold. "So wie ich es lange nicht mehr erlebt habe. Offensichtlich mag er nicht gerne Kritik hören." Auf Leipolds Eingeständnis, dass Apple auf dem Weg der Besserung sei, soll Jobs ebenfalls wütend reagiert haben. "Mittelmäßig zu sein, das ist für Apple scheinbar das Schlimmste." Die Käufer haben sich an Apples anfänglicher Zurückhaltung beim Umweltschutz nie gestört, seit Jahren hat Apple große Zuwächse bei den Verkaufszahlen.

"Wahrscheinlich verdrängte die Begeisterung für Ästhetik und Funktionalität die Umweltproblematik ein wenig", vermutet Leipold. Dennoch lobt der Greenpeace-Chef im Gespräch den Fortschritt Apples in den letzten 18 Monaten. Es habe sich "sehr viel getan". Apple sei auf der Zielgeraden, das selbst erklärte Ziel zu schaffen, bis Ende 2008 alle Produkte frei von PVC und giftigen Flammschutzmitteln anzubieten.

Gefährliche Entsorgung

Diese Stoffe sind nicht für die Benutzer der Geräte gefährlich, sind jedoch eine Gefahr für die Menschen, die den Elektroschrott später verwerten. Ein großer Teil des weltweiten Elektromülls würde in Afrika oder China verarbeitet, mit "primitivsten Methoden", wie Leipold sagt. Vieles werde einfach verbrannt, dieser Rauch sei besonders schädlich, so der Experte.

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