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Apple und Microsoft rücken zusammen

13.03.1998 | 00:00 Uhr |

Während Microsoft sich derzeit mit einigen großen Unternehmen der US-Computer-Branche anlegt, schließt der Software-Riese aus Redmond mit seinem ehemaligen Erzfeind Apple ein weiteres Technologie-Abkommen: Beide Firmen planen, im Laufe des Jahres ihre Java-Technologien zu einem Produkt zu verschmelzen. Die gemeinsame Java-Implementation soll dann auf Apples Macintosh Runtime for Java (MRJ) basieren und Microsoft-Technologien wie J/Direct berücksichtigen. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen soll sein, Entwicklern mehr Freiraum zu geben, um Java- sowie Mac-OS-Funktionen gleichermaßen einbinden zu können. Derartige Java-Programme könnten dann Quick Draw, Apple Events, Kontext Menüs oder auch True Type Schriften unterstützen. mst

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Daß der Apple-Microsoft-Deal den Bestrebungen des Java-Erfinders Sun widerstreben dürfte, nehmen beide Unternehmen bewußt in Kauf. Während es für Microsoft vorwiegend darum geht, einen weiteren Kampfgenossen gegen Sun zu finden, scheint sich Apple auf schwierigem Terrain zu befinden. Larry Ellison, Board-Mitglied bei Apple, und CEO der Datenbank-Company Oracle, geht es wie Suns-CEO Scott McNeally um die reine Java-Lehre, die Microsofts Betriebssystem-Monopol ein Ende setzen soll. So soll etwa die Kampagne "100 Percent Pure Java" dazu beitragen, Java frei von proprietären Erweiterungen zu halten, die den größten Java-Vorteil, die Plattformunabhängigkeit, zunichtemachen könnten. Apple wird sich deshalb mit dieser Kooperation bei Sun, Netscape und Co keine Freunde machen.

Dennoch macht die Kooperation für Apple Sinn. Apples größtes Problem ist der Teufelskreis aus schrumpfendem Marktanteil und Entwicklerinteresse. Daß mit den Programmen eine Plattform steht und fällt, zeigen unter anderem die Mac-OS-Applikationen Quark Xpress und Adobe Photoshop, die ihre wahre Leistungskraft nur auf einem Mac zeigen. Deshalb braucht die Mac-Company derzeit zuerst neue Entwickler. Der Marktanteil kommt dann von selbst. Während Java zwar neue Entwickler und somit neue Programme bringt, verliert Apples Betriebssystem in diesem Szenario an Bedeutung.

Welchen Mehrwert bietet die Mac-Plattform für Java-Benutzer? Wenn sie Java-Programme im Sinne von Sun auf den Plattformen nicht mehr unterscheiden sollen, verliert Apple damit seinen letzten Trumpf: das Look-and-feel des Mac-OS. Corels Java-Suite etwa sah auf dem Mac alles andere als komfortabel aus. Die Mac-Plattform braucht deshalb Mac-Programme und -Entwickler, die Java mit dem Mac-OS kombinieren. Auch wenn dies derzeit im Gegensatz zur reinen Java-Lehre steht.

Martin Stein

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