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Apple und Samsung lassen Patentklagen außerhalb der USA fallen

06.08.2014 | 09:40 Uhr |

Apple und Samsung sind von gegenseitiger Lizenzierung noch weit entfernt, der Patentstreit nimmt aber eine Wende.

Ein erster Schritt, mehr nicht: Apple und Samsung lassen alle Patentklagen in Australien, Japan, Südkorea, Deutschland, Niederlanden, UK, Frankreich und Italien fallen und streiten sich sich fortan nur noch in den USA. Insbesondere führen beide Unternehmen die in Nordkalifornien anhängigen Prozesse fort, in denen Samsung der Patentverletzung schuldig gesprochen und zu einer Zahlung in Milliardenhöhe verurteilt worden war. "Samsung und Apple haben gemeinsam beschlossen, alle Patentklagen außerhalb der USA fallen zu lassen," heißt es in einer heute Früh von Samsung veröffentlichten Mitteilung. Die Vereinbarung bedeute aber keine gegenseitige Lizenzierung und die Prozesse in den USA würden weiter verfolgt, heißt es zudem. Eine Bestätigung Apples steht noch aus, die dürfte aber erfolgen, sobald in Cupertino der Tag anbricht.

Samsung ist weltweit der größte Smartphone-Hersteller mit einem Anteil von rund 25 Prozent. Im zweiten Quartal des Kalenderjahres hat der koreanische Konzern rund 74,5 Millionen Smartphones in allen Preisklassen weltweit verkauft, besagt eine Marktuntersuchung von Strategy Analytics. Apple, das nur im höheren Preisbereich unterwegs ist, verkaufte als weltweite Nummer zwei 35,2 Millionen iPhones. Beim Gewinn liegt Apple aber weit vorne, rund 70 Prozent aller im Markt erzielten Gewinne gehen laut einer Canalys-Studie nach Cupertino , Samsung fährt etwa 40 Prozent ein, alle anderen Hersteller machen keine Gewinne oder gar Verluste.

Der Patentstreit gegen Samsung ist der letzte, in den Apple noch verwickelt ist. Im Jahr 2012 konnte sich Cupertino etwa mit dem chinesischen Hersteller HTC auf gegenseitige Lizenzvereinbarung und Ende der Klagen einigen, auch mit Motorola/Google ist seit diesem Frühjahr der Streit beendet. Gegen die in Kalifornien ergangenen Urteile hat Samsung Berufung eingelegt, ein Vergleich auch in diesen Fällen scheint aber nur noch eine Frage der Zeit.

Kommentar: Krieg und Frieden

Es fehlt nur noch ein letzter Schritt, dann ist der von Steve Jobs seinem Biographen Walter Isaacson gegenüber angekündigte "thermonukleare Krieg" wegen der Patente rund um das iPhone beendet. Das ist eine gute Nachricht, gerade an diesem 6. August, an dem sich der erste Einsatz einer thermonuklearen Bombe zum 69sten Mal jährt. Damit könnte man endlich auch die martialische Rhetorik rund um die Prozesse zwischen Apple, Samsung, Google und anderen endlich beilegen: Bei aller Härte und möglich fataler Konsequenzen für den Unterlegenen sind Auseinandersetzungen zwischen Firmen auf Märkten und in Gerichtssälen mit dem Wort "Krieg" saumäßig schlecht umschrieben. Das sollte gerade heute jedem klar sein. pm

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