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Apple-Aktie über 500 US-Dollar

14.02.2012 | 11:18 Uhr |

Erstmals in ihrer Geschichte ist die Apple-Aktie an der Nasdaq mehr als 500 US-Dollar wert, Apple hat rund 90 Milliarden an Cash und Investments in der Bilanz stehen. Was wird Apple mit dem Geld anfangen?

Apple ist an der Börse das wertvollste Unternehmen der Welt, das Bankkonto ist brechend voll. Aktionäre hat Apple schon lange nicht mehr mit einer Dividende beglückt, also wird es sein Vermögen für den nächsten Umsatzbringer einsetzen.

Im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres 2011/2012 hat Apple einen Umsatz von 46,33 Milliarden US-Dollar bilanziert, 13,06 Milliarden US-Dollar sind an Gewinn geblieben. Die Barreserven sind auf 97,6 Milliarden US-Dollar angestiegen. Soweit die am 24. Januar, dem 28sten Geburtstag des Mac, veröffentlichten Fakten . Kaum jemand kann sich jedoch vorstellen, wie viel 46,33 Milliarden US-Dollar sind, es soll ja gar Finanzpolitiker geben, die erst nach mehreren Nachfragen die richte Anzahl von Nullen einer Milliarde nennen können. Da helfen nur Vergleiche: Den Quartalsumsatz Apples hat die Website applemademoremoneythan.com in Relation gestellt. Demnach hat Apple in einem Quartal mehr Geld eingenommen, als der Wert der von Kolumbien in einem Jahr exportieren Waren (wir nehmen an m die legalen Waren) oder dem Verteidigungshaushalt von Großbritannien entspricht. Von den 46,33 Milliarden US-Dollar könnte man 72.220 Goldbarren kaufen oder annähernd 30 Mars-Missionen finanzieren. Weniger witzig, aber deutlich aufschlussreicher sind die Vergleiche mit der Konkurrenz und Apples eigener Vergangenheit: Die 46,33 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz entsprechen demnach dem doppelten Jahresumsatz des Blackberry-Herstellers RIM oder dem Gesamtwert, den Apple im Jahr 2004 hatte. Was ist seither passiert und was wird Apple mit seinem mittlerweile gut 90 Milliarden US-Dollar anfangen. Wir haben uns die Bilanzen genauer angesehen.

Aktien 50mal so viel wert

Apples Aktienkurs von 2004 bis heute, den Aktiensplit vom März 2005 eingerechnet.
Vergrößern Apples Aktienkurs von 2004 bis heute, den Aktiensplit vom März 2005 eingerechnet.

Wer im Januar 2004 etwa 1.000 US-Dollar in Apple-Aktien investiert hätte, dessen Anteil am Mac-Hersteller wäre nun fast 50.000 US-Dollar wert. AAPL dümpelte seinerzeit bei Werten um 10 US-Dollar herum (Aktiensplit vom März 2005 mit eingerechnet), am 13. Februar 2012 überschritt der Kurs erstmals die 500-Dollar-Marke. Hat man den Kursverlauf vor Augen, kann man schon eine Antwort-Option auf die Frage nach Apples Verwendung der Barreserven streichen: Dividende wird Apple kaum zahlen. Während andere Unternehmen ihre Aktionäre mit regelmäßigen Ausschüttungen am Gewinn beteiligen und sie so bei Laune halten, hat Apple das nicht nötig, der Kursgewinn allein sorgt für zufriedene Aktionäre. Die letzte Dividende hatte Apple im November 1995 gezahlt, ein Jahr, bevor Steve Jobs zu dem angeschlagenen Unternehmen zurückkehrte.

Nicht von ungefähr vergleichen wir aktuelle Zahlen mit jenen aus dem Jahr 2004, das Apples Aufbruch aus der Nische markiert. Den iPod hatte Apple zu dieser Zeit bereits als den erfolgreichsten Musikplayer etabliert, die geschätzt 70 Prozent Marktanteil waren aber nur ein relativer Erfolg. Mit dem im Januar 2004 vorgestellten iPod Mini ist es Apple jedoch gelungen, den Markt derart zu expandieren, dass die Umsätze Apples mit dem iPod bald jene mit dem Mac übertrafen. Gleichzeitig wirkte sich die Verbreitung des iPod auf die Mac-Verkäufe aus. Wer mit dem Player von Apple zufrieden war, dachte beim nächsten Rechnerkauf gleich an Macbook oder iMac.

Die Gewinne, die Apple seit Ende der Neunziger mit Ausnahme zweier kurzer Schwächephasen wieder machte, investierte das Unternehmen unter anderem klug in Infrastruktur und legte mit dem iTunes Store die Grundlagen für den Erfolg des iPhone. Der Antwort auf die eingangs gestellte Frage kommen wir näher: Apple wird seine Barreserven wie in der Vergangenheit in das "nächste große Ding" investieren.

Was die Bilanz verrät

Wie aus Apples jüngster Bilanz hervorgeht , hat Apple Investitionen für seine Zukunft bereits getätigt. Denn Apple gibt nicht die meist genannten 90 Milliarden US-Dollar als Barreserven an, sondern lediglich 10,3 Milliarden US-Dollar Cash oder Cash-Äquivalent. Der mit 67,45 Milliarden US-Dollar weit größte Teil der rasch verfügbaren Vermögenswerte des Unternehmens findet sich im Posten "Long-term marketable securities" - also langfristige Investitionen. Worin diese im einzelnen bestehen, hat Apple nicht aufgelistet, doch hatte Finanzchef Peter Oppenheimer auf der Bilanzpressekonferenz im Januar verraten, das Apple jüngst 3,9 Milliarden US-Dollar in drei Zuliefererfirmen gesteckt habe - vermutlich handelte es sich dabei um Displayhersteller, die Komponenten für das kommende iPad beisteuern sollen.

Die richtigen Komponenten waren in jüngster Vergangenheit entscheidend für den Erfolg Apples. Während die Konkurrenz staunte und ein Telefon wie das iPhone für technisch unmöglich hielt , hatte Apple unter anderem mit Corning einen Hersteller gefunden, der die technischen Probleme lösen halt. Das extrem belastbare Glas, von Cornung "Gorilla Glass" genannt, war bereits seit den Sechzigern bekannt, Apple lieferte quasi das Problem für die Lösung. Corning hatte zunächst keine Produktionskapazitäten, um den von Apple angemeldeten Bedarf zu erfüllen, erst die rasche Umstellung mehrerer Produktionsanlagen führte zu ausreichendem Produktionsausstoß. Was Corning nicht verrät und auch Apple nicht offiziell bilanziert, dürfte aber in diesem Fall ein entscheidendes Hilfsmittel gewesen sein: Apple kann Vorkasse leisten.

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