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Apple verägert über Windows Media

09.09.2002 | 12:53 Uhr |

Redmond habe nur eine schlechte Kopie von Quicktime 6 auf den Markt gebracht, die sich zudem nicht an Standards halte, lamentiert der Mac-Hersteller

Der kürzlich vorgestellte Windows Media Player 9 hat bei Apple Quicktime-Abteilung wenig Begeisterung ausgelöst. Laut Frank Casanova, Apples Leiter für Quicktime-Produktmarketing, ähnele der Microsoft Player sehr stark Apples Quicktime Player. So sei die von Microsoft angekündigte Technik Fast Stream, die schnelles Abspielen von Strems erlaubt, nichts anderes als das, was Apple mit ihrer Instant-On-Funktion in Quicktime 6 bereits implementiert hat. Auch die neuen Playlist-Funktionen würden sehr stark an iTunes 3 erinnern.

Enttäuschend sei aber vor allem, dass Microsoft weiterhin allein auf sein proprietäres Format Windows Media setzt. Apple setzt für seine Medieninhalte mit dem neuen Quicktime 6 auf das von der ISO standardisierte Format MPEG 4. Dieses von dem Konsortium MPEG zertifizierte Format spielen alle ISO-konforme Playern ab. Auch der neue Real-Player soll mit dem neuen Format umgehen können.

Jeder der drei Rivalen Apple, Real und Microsoft bietet für das Internetstreaming eine eigene Serverplattform an, die bisher nur proprietäre Formate unterstützten. Der Marktführer Real hatte jetzt unlängst eine neue Serverplattform namens Helix vorgestellt, die neben Reals eigenem Format auch Microsofts WMF, Apples Quicktime und MPEG4 weiter gibt. Apple als Mitbegründer der Internet Streaming Media Alliance (ISMA) sieht die MPEG-Formate als das an, "was Kunden wünschen", Microsoft wolle allein durch seine Größe und Marktmacht die Industrie wieder in eine Richtung drängen, in der proprietäre Formate zum Einsatz kämen. "Hollywood sehnt sich nach Flexibilität und Interoperabilität, deshalb sind Standards so wichtig", stellt Casanova den Wunsch der Filmindustrie heraus, DVDs in einem einheitlichen Format zu produzieren.

Auffallend beim neuen Media Player von Microsoft ist auch die hohe Rolle, die Digital Rights Management spielt und durchaus im Interesse Hollywoods sein wird. Der neue Media Player verfügt über ein integriertes Kopierschutzverfahren, den Windows Media Rights Manager, der das einfache Kopieren von geschütztem Material verhindern will. Jeder Player ist an einen einzelnen PC gebunden, vor jedem Abspielen einer Datei wird die Lizenz des Abspielgerätes überprüft.
Auch die neue Multimediaplattform Home PC, die HP im Weihnachtnsgeschäft anbieten wird, verfügt über dieses System. So kann man mit diesen PCs etwa TV-Filme aufnehmen und auf DVD brennen, jedoch kann man diese DVDs nur auf dem Rechner abspielen, mit dem man sie aufgenommen hat.

Auch Apple arbeite laut Casanova an einem Kopierschutzsystem für Quicktime, dieses solle jedoch auf Standards basieren. Das Abspielen soll nicht auf eine einzelne Plattform beschränkt sein. pm/sw

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