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Apple verdient 66 Millionen US-Dollar im Schlussquartal

18.10.2001 | 00:00 Uhr |

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat Apple trotz sinkender Umsätze ein Plus in der Bilanz des vierten Quartals stehen. Mit einem neuen "Device" will Apple ab Dienstag das Geschäft ankurbeln.

München/Macwelt - In der vergangenen Nacht hat Apple einen Gewinn von 66 Millionen US-Dollar im vierten Quartal seines Geschäftsjahres gemeldet. Damit hat der Mac-Hersteller trotz der schlechten Konjunktur und deutlich rückläufiger Umsätze es geschafft, die Erwartungen der Wall Street zu erfüllen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte Apple zwar 170 Millionen US-Dollar verdient, musste jedoch Ende September eine Gewinnwarnung aussprechen, die zu einem drastischen Kursverfall der Aktie führte.
Der Umsatz schrumpfte um 22 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar, das Ausland steuerte 41 Prozent der Verkäufe bei. Dabei zeigte sich die Region Europa/Mittlerer Osten/Afrika als Wachstumsmarkt mit einem Plus von 14 Prozent, während Apple in Japan unter einem 23prozentigen Rückgang zu leiden hatte.

Apple lieferte im Schlussquartal 850.000 Macs aus. Dabei sanken jedoch die iMac-Verkäufe von 306.000 Einheiten auf 294.000 Stück. Im Vorjahrsquartal hatte Apple noch 571.000 Einsteigerrechner absetzen können. Der iMac trug im am 29. September abgelaufenen Quartal mit einem Umsatz von 276 Millionen US-Dollar zum Gesamtergebnis bei. Noch deutlicher ließ im Schlussquartal die Nachfrage nach dem Powerbook G4 nach, nur noch 86.000 "TiBooks" wechselten den Besitzer, gegenüber dem Vorquartal bedeutet dies ein Minus von 46 Prozent. Das TiBook war jedoch seit Januar unverändert im Handel gewesen, von seinem Nachfolgemodell verspricht sich Apple wieder zunehmenden Umsatz. Zugelegt hat der Umsatz bei Power Macs G4, mit 225.000 Einheiten, die 465 Millionen US-Dollar in die Kassen spülten, konnte Apple gegenüber dem Vorquartal zehn Prozent mehr absetzten. Der Star im Portfolio war jedoch das iBook, das sich laut Fred Anderson allein im Bildungsbereich dreimal öfter verkaufte als im Zeitraum von April bis Juni. Einzig "Your life. To go." verbesserte den Umsatz sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum Vorquartal. Mit 251.000 verkauften Exemplaren nahm Apple 334 Millionen US-Dollar ein.

Das miserable erste Quartal führt in der Gesamtbilanz des Geschäftsjahres 2000/2001 zu einem Verlust von 25 Millionen US-Dollar, im Vorjahr hatte der Mac-Hersteller noch einen Gewinn von 786 Millionen Dollar erwirtschaftet. Der Umsatz fiel auf nur noch 5,4 Milliarden Dollar gegenüber acht Milliarden Dollar im Vorjahr.

Apple-Chef Steve Jobs sprach von einem Jahr der Herausforderung für das Unternehmen und die Gesamtbranche. Apple habe im Schulbereich Marktanteile gewonnen und das neue Betriebssystem Mac-OS X eingeführt. Einen weiteren Grund zum Optimismus sieht Jobs in der eigenen Ladenkette, deren erste von in diesem Jahr geplanten 25 Filialen im Juli eröffnet hatte, mittlerweile haben elf Geschäfte ihren Betrieb aufgenommen.

Apple hatte nach Angaben von Finanzchef Fred Anderson liquide Mittel von 4,3 Milliarden Dollar in der Kasse. Er prognostizierte angesichts des "unsicheren globalpolitischen Umfelds" für das Dezemberquartal einen Umsatz von mindestens 1,4 Milliarden Dollar und einen Gewinn pro Aktie von mindestens zehn Cents. Gerade die eigene Ladenkette werde aufgrund der nach dem 11. September unsicher gewordenen Situation im kommenden Quartal einen leichten Verlust einfahren, wobei man zuvor von Gewinnen ausgegangen war.

Mit neuen Produkten will der Mac-Hersteller jedoch dagegen halten. In den nächsten 12 Monaten will Apple laut Anderson weitere "großartige" Soft- und Hardware, die den digitalen Lifestyle unterstützen wird, auf den Markt bringen. Bereits für den kommenden Dienstag hat der Finanzchef einen "wegweisenden Schritt in die digitale Arena" angekündigt. Der Mac-Hersteller lädt am 23. Oktober um 10 Uhr Ortszeit die Presse nach Cupertino, um ein "bahnbrechendes" digitales Gerät vorzustellen, das jedoch kein Mac sei. Nähere Angaben machte Anderson nicht, wie die Cnet-Website news.com von der Firma nahe stehenden Quellen erfahren haben will, soll es sich jedoch um ein Musik-Gerät handeln, das "mehr als ein portabler MP3-Player" sein und bestens in das Bild des "digital lifestyle" passen soll.

Apple ist auch in Deutschland für die nächsten Monate nur verhalten optimistisch. Die kurzfristigen Auswirkungen der Terroranschläge in den USA seien nur schwer vorherzusagen, sagte Deutschland-Geschäftsführer Frank Steinhoff am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in München. Niemand könne genau vorhersagen, wie das wichtige Weihnachtsgeschäft laufe. Zudem hielten sich derzeit gerade Verlage und Agenturen - klassische Apple-Kunden - wegen der schwachen Konjunktur mit Investitionen zurück.
Apple sei aber mit seiner Produktpalette gut aufgestellt, sagte Steinhoff. So habe man frühzeitig den verstärkten Trend zu tragbaren Geräten erkannt. "Auch beim Preis sind wir konkurrenzfähiger geworden." Großes Wachstumspotenzial gebe es in Deutschland insbesondere in Schulen und in der Ausbildung, wo die Ausstattung mit neuen Technologien noch längst nicht so weit fortgeschritten sei wie in den USA. Absatz- und Umsatzzahlen für Deutschland nennt Apple traditionell nicht. Der Marktanteil liegt bei etwa 2,5 bis 3 Prozent. Vor dem Start des neuen Microsoft-Betriebssystem Windows XP in Deutschland am 25. Oktober ist Steinhoff nicht bange. Zwar könne Apple nicht mit dem Werbeaufwand mithalten. Technisch sei XP für die Apple-Betriebssysteme aber keine Bedrohung.

Vor Bekanntgabe der Geschäftszahlen war die Apple-Aktie während des gestrigen Handelstages an der Nasdaq um 5,66 Prozent gefallen, nach einem Minus von 1,02 US-Dollar ging sie mit 16,99 US-Dollar aus dem Handel. Auf exakt 19 Euro fiel der Kurs in Frankfurt, wo das Papier am Vortag noch 70 Cent mehr wert gewesen war. pm

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