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Apple verschiebt Leopard auf Oktober

13.04.2007 | 10:25 Uhr |

Das iPhone ist schuld: Weil sich Apple auf die Entwicklung seines Handys konzentrieren möchte und Ressourcen intern verschiebt, verzögert sich die Qualitätssicherung des neuen Mac-Betriebssystems Mac-OS X 10.5 Leopard, hat Apple gestern Abend nach Börsenschluss bekannt gegeben. Anwender sind zornig, Analysten eher gelassen und „Insider“ wollen andere Gründe für die Verspätung gefunden haben.

Apple hatte gestern Abend das Ende des Parketthandels an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq abgewartet und nach 16 Uhr Ostküstenzeit (22 Uhr MESZ) bestätigt, was zuletzt Digitimes als Gerücht vermeldet hatte: Mac-OS X 10.5 Leopard kommt später. Anstatt wie versprochen „in der ersten Jahreshälfte 2007“, also bis Ende Juni, bringt Apple den Tiger-Nachfolger erst im Oktober. Als Grund gibt der Mac-Hersteller die Entwicklung des iPhone an, die mehr Ressourcen koste, als erwartet. Um den Termin für das iPhone Mitte Juni halten zu können, habe Apple zahlreiche Entwickler von ihrer Arbeit an Mac-OS X abziehen müssen. Zwar sei man mit der Entwicklung von Mac-OS X 10.5 Leopard bis zum Start der weltweiten Entwicklerkonferenz WWDC am 11. Juni fertig, und eine zu diesem Zeitpunkt den Entwicklern vorgelegte Version mit allen Features ausgestattet, allerdings könne man diese nicht ausreichend testen, um den gewohnten Apple-Kritierien zu entsprechen. Die entsprechende Mitteilung beendet Apple mit den Worten: "Life often presents tradeoffs, and in this case we're sure we've made the right ones" (Etwa: „Das Leben ist voller Kompromisse, und im diesem Fall sind wir sicher, die richtigen geschlossen zu haben.“)

Analysten unbesorgt über Leopard-Verspätung

Anwender zeigen sich in ersten Reaktionen wenig begeistert auf die verzögerte Auslieferung von Mac-OS X 10.5 Leopard. Im Forum unserer US-Schwester Macworld schreibt etwa ein User: „Ich vermute, Spielzeug füpr den Mainstream-Consumer sind wichtiger als Werbeagenturen, Design-Firmen, Druckerien und andere, die Apple geholfen haben das zu werden, was sie sind.“

Hingegen sorgen sich Analysten kaum um die Verspätung des neuen Mac-Betriebssystems. Ein Jahr Verzögerung fände er bedenklich, meint der Analyst von Creative Strategies Tim Bajarin, aber nicht ein paar Monate: "Eine solche Verspätung beim Betriebssystem ist nichts, über das man sich Sorgen machen sollte." Es ist die Begründunge der Verschiebung des Leoparden auf den Oktober, die Beobachter zufrieden stellt: Das iPhone scheint auf Kurs zu sein für die Markteinführung im Juni. Ross Rubin, Chef-Analyst der NPD Group, hält Apples Vertragspartner AT&T für einen wesentlichen Grund, warum der Mac-Hersteller Ressourcen zur iPhone-Entwicklung abgezogen hat. Apple habe sich womöglich vertraglich gegenüber dem Provider AT&T verpflichtet, das iPhone zu einem bestimmten Zeitpunkt auszuliefern, anderenfalls drohten Vertragsstrafen. Roger Kay von Endpoint Technologies fürchtet jedoch einen leichten Imageschaden, den die erste signifikante Verspätung bei der Betriebssystemauslieferung seit dem Umstieg auf Mac-OS X unter Investoren auslösen könnte. Der Endverbraucher würde Apple Verzögerungen bei Produkten bald verzeihen, die Wall Street sich jedoch noch lange daran erinnern. "Investoren könnten sagen: 'Die sind nicht unfehlbar'", erklärt Kay. Dieser Effekt könnte zu einer Kursanpassung führen, sollte Apples Marktwert auf die Dauer jedoch nicht schädigen. Während die Apple-Aktie am gestrigen Handelstag an der Nasdaq nur leicht verloren hatte, reagierten die Märkte heute deutlich: Bis 10.30 hatten in Frankfurt Anteilsscheine des Mac-Herstellers 2,4 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Apples Verschwiegenheit über Produkte in der Pipeline, die den Hype bei Neuvorstellungen antreibt, zeitige bei der Leopard-Verschiebung einen negativen Effekt, meint Kay. "Die Leute wissen nicht genau, was Apple sonst noch heimlich treibt", und verstünden die Gründe der Verzögerung weniger.

Das iPhone sei ein anspruchsvolles Produkt, mit dem Apple sich von der tief im Markt verwurzelten Konkurrenz deutlich unterscheiden wolle, um erfolgreich zu sein, meint Ross Rubin. Insgesamt sei es klug von Apple, in neue Märkte wie der Unterhaltungselektronik (Apple TV) oder den Mobilfunk (iPhone) zu drängen, anstatt in der gewohnten Nische zu verharren. Wenn die Leopard-Verzögerung zu einem erfolgreichen iPhone-Start führe, sei die Entscheidung Apples die beste gewesen, stimmen die drei Marktexperten überein.

Jüngste Leopard-Builds weit von Bug-Freiheit entfernt

Apple mag auch andere Gründe zu haben, sich mit der Veröffentlichung von Mac OS X 10.5 Leopard noch etwas Zeit zu lassen, spekulieren die üblicehn Verdächtigen.

Laut AppleInsider plagt auch die jüngsten Vorab-Builds des neuen Betriebssystems eine lange Liste lästiger Bugs. Rund drei Dutzend Probleme seien bekannt, unter anderem in dem Installations-Vorgang, der neuen Quicktime-Version, der Kompatibilität zu bestimmter Grafik-Hardware, Photobooth, iChat und selbst der Zusammenarbeit mit Druckern. Dementsprechend zeigt der jüngste Build 9A410 aus dieser Woche kaum sichtbare Veränderungen, sondern eher Verbesserungen am Framework des Systems.

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