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Apple vor Hauptversammlung und Quartalsergebnis

19.04.2000 | 00:00 Uhr |

Am späten Mittwochabend ist es soweit: Apple muss vor den unruhigen Finanzmärkten Farbe bekennen und die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres veröffentlichen. Der Computerhersteller, der das Nasdaq-Blutbad der vergangenen Woche einigermaßen überstanden hat (Aktie mit einem Minus von 25% seit 23. März), wird auf der Jahreshauptversammlung erneut schwarze Zahlen vorlegen und damit dem Beispiel von Intel, AOL und IBM folgen. Die drei Dow-Jones-Riesen zogen den New Yorker Aktienindex zu Wochenbeginn wieder nach oben.

Wall-Street-Vision: Wachstum

Zwar gilt das zweite Quartal nach dem vom Weihnachtsgeschäft begünstigten ersten Vierteljahreszeitraum als schwach. Aber Apple wird seine Anleger mit einem im Vergleich zum entsprechenden Quartal des Vorjahres deutlich verbesserten Ergebnis mehr als zufriedenstellen. Die eher vorsichtige Schätzung an der Wall Street beläuft sich auf 35 % Umsatz- und Gewinnwachstum, also 81 Cents Profit pro Aktie bei einem Umsatz von rund zwei Milliarden US-Dollar.

Profitable Politik

Mit Blick auf Apples Produktpolitik der vergangenen drei Monate sowie die weltweite Marktentwicklung dürfen die Aktionäre sogar auf einen noch höheren Gewinn hoffen: Apple hat Mitte Februar zum einen die iBook-Familie renoviert und um ein "Business-Modell" nach Art des überaus erfolgreichen iMac DV SE erweitert. Zum anderen hatte das Warten auf Firewire-Powerbooks ein Ende. Und schließlich dürfte der Mac-Hersteller seiner Profi-Klientel ein zusätzliches Kaufargument geliefert haben, indem er die Taktrate der Power Macs um 50 MHz anhob und der kompletten Linie DVI-Digital-Monitorschnittstellen spendierte.

Mac boomt allerorten

Neben dieser Jobs-Politik der regelmäßig verteilten kleinen Häppchen dürfte Apple auch von der weltweit positiven Marktentwicklung profitiert haben. In Japan boomen die PC-Verkäufe nach der Wirtschaftskrise wie selten zuvor. Hier ist Apple mit seiner Designerhardware und der starken Ausrichtung auf Digitalfoto- und Digitalvideoeinsteiger Branchenprimus. In Europa konnte das Unternehmen die Kunden ebenfalls überzeugen: Während der PC-Markt um ein Zehntel wuchs, explodierten die Mac-Verkäufe 1999 mit einem Anstieg von über 50 Prozent. Auch in 2000 brummt der Mac-Absatz weiter; unternehmensnahe Quellen berichten Macwelt von einer nach wie vor kaum zu deckenden Nachfrage in Deutschland.

Erfreuliche Altlasten

Und über die gleichbleibend hohe Beliebtheit der Rechner hinaus konnte Apple auch noch aufgestaute Bestellungen aus dem vorherigen Quartal versilbern, da die G4-Chips inzwischen in ausreichender Menge vom Band laufen.

Die Macwelt-Prognose: Apple wird zwei Milliarden US-Dollar Umsatz bekanntgeben und einen gegenüber dem Vergleichzeitraum um 40% gesteigerten Gewinn von 150 Millionen US-Dollar feiern.

Neue Aktien, altes Board

Auf der Tagesordnung der Aktionärsversammlung, die am Donnerstag beginnt, steht unter anderem die nach einem Jahr Amtszeit fällige Neuwahl des Verwaltungsrates, dem höchsten Aufsichtsgremium innerhalb der Firma. Nachdem Citigroup-Vorstand Edgar Woolard auf eigenen Wunsch ausscheidet, will sich das Board auf sechs Mitglieder verkleinern. Zur Wahl steht damit die bisherige Formation aus den Herren Jobs (Apple), Campbell (Intuit), Chang (Star TV), Drexler (Gap), Ellison (Oracle) und York (Harwinton).

Des Weiteren will Apple die Zahl der Stammaktien von 320 Millionen auf 900 Millionen erhöhen. Die 580 Millionen zusätzlichen Anteile sollen nach dem Willen des Verwaltungsrates jedoch nicht in den Handel kommen, sondern für einen möglichen Aktiensplit reserviert oder als Zahlungsmittel eingesetzt werden. So könnten Dividenden ausgeschüttet, die Leistungen der Führungskräfte vergütet oder Firmenübernahmen finanziert werden. Die Aktion bedarf der Zustimmung der Aktionäre.

Weitere Kooperationen

Schließlich gilt noch als sicher, dass Apple eine Kooperation mit dem Multimediachip-Hersteller C-Cube eingehen und dies heute abend ankündigen wird. Damit wären DVD-Authoring-Bundles aus mit C-Cube-Chips aufgerüsteten Power Macs, Astarte-Technologien und Final Cut Pro Apples möglicher nächster Schachzug im Kampf um die Gunst der "Content Creators".

Ihre eigene Analyse des zurück liegenden Quartals und eine Gewinnprognose können Sie über das nebenstehende Formular abgeben. Die Macwelt-Redaktion ist gespannt auf Ihre Einschätzung! lf

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