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Apple wählt Al Gore in den Aufsichtsrat

20.03.2003 | 11:45 Uhr |

Nicht nur Steve Jobs erhofft sich mit der Wahl des ehemaligen Vizepräsidenten Publicity und Unterstützung im Bildungsbereich. Vor dem Hintergrund des Irak-Krieges löst die Berufung jedoch einen unerwartet politische und emotionale Debatten aus.

Macwelt/München - Eines hat Apple mit seiner jüngsten Wahl zum Aufsichtsrat in jedem Fall erreicht: Öffentlichkeit - und ist damit wieder mal seinem Ruf, mediengerechte Entscheidungen treffen zu können, gerecht geworden. Ob und wie weit Apple von seinem jüngsten Aufsichtsratmitglied profitieren wird, darüber gehen die Meinungen in Presse und Mac-Anwenderschaft allerdings weit auseinander.
Al Gore, 45. Vizepräsident der Vereinigten Staaten, gilt in den USA als einer der versiertesten Staatsmänner in Sachen neuer Technologien. Sein Engagement für das Internet und für eine moderne Ausstattung von Schulen und Bibliotheken mit Internetanschlüssen trugen ihm eine Menge Lob ein - seit einem unglücklichen Interview mit CNN im Jahre 2000 auch Spott und Hohn, da er sich als "Erfinder des Internet" dargestellt hatte. Immerhin etablierte er den Begriff des "Superinformation Highway" und machte erhebliche Summen für die Förderung des Internet locker. Seit seinem Rückzug aus der Politik - erst im vergangen Jahr hatte er bestätigt auch 2004 keine Ambitionen auf das Präsidentenamt zu haben - nimmt Gore Gastprofessuren an einigen US-Universitäten wahr, unter anderem an der von Los Angeles, Californien, und ist als Berater für Google Inc. tätig. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern ist es für Gore der erste Job als Aufsichtsratmitglied, er ersetzt den im September 2002 ausgeschiedenen Larry Ellison (Oracle).
Zusätzlich zu dem üblichen Austausch von Komplimenten ("Al is going to be a terrific Director", Steve Jobs und "Steve and his team have done an incredible job in making Apple once again the very best in the world,", Al Gore) ist den bislang verfügbaren öffentlichen Stellungnahmen wenig Richtungweisendes zu entnehmen. Es ist jedoch offensichtlich, dass Apple sich von Al Gore Schützenhilfe auf dem Bildungssektor erhofft, in dem das Unternehmen immer wieder heftig um großvolumige Aufträge werben muss.
In den Nachrichtenforen der US-Website MacCentral und MacNN hat die Nachricht von der Wahl Al Gores vor dem Hintergrund des Krieges mit dem Irak zu einem erstaunlich hitzigen und emotionalen Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern der Wahl geführt. Wenn dies ein Indiz für die allgemeine Stimmung der Apple-Gemeinde in den USA ist, muss Apple aufpassen, dass das Unternehmen mit seinem jüngsten Schachzug nicht in eine politische Debatte gerät, die ihm mehr schadet als nützt.
Marlene Buschbeck-Idlachemi

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