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Apple will Online-Musikdienste revolutionieren

28.03.2003 | 12:15 Uhr |

Apples Kauf- und Downloadservice für Musikdateien soll laut sich verdichtender Spekulationen schon im nächsten Monat starten.

München/Macwelt - It's hip. It's quick. It's easy." So soll ein Eingeweihter aus der Musikindustrie den Online-Musikdienst beschrieben haben, den Apple derzeit offenbar entwickelt. Die Los Angeles Times ist die erste Zeitung, die die Nachricht veröffentlicht und damit zahlreiche Kommentatoren und Kolumnisten auf den Plan ruft. Endlich, sagen die einen, gibt es einen legalen Weg, Musik nicht mehr nur in gebrannter Form zu erwerben - lächerlich finden die anderen, die auf den kleinen Marktanteil des Macintosh verweisen und damit zumindest die Euphorie der Musikindustrie dämpfen.

Copy kills Music


Dabei ist es längst an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie die digitale Zukunft aussieht. Bisher warfen Plattenfirmen in absehbarer Regelmäßigkeit Studien auf den Tisch, die aufzeigten, wie viel finanziellen Schaden illegale Musik-Downloads im Internet anrichten. Mit dem Slogan "Copy kills Music" appelliert die Industrie an das Gewissen der Musiktausch-Gemeinde. Schließlich seien es die Künstler, die unter dem unautorisierten Verbreiten ihrer Werke leiden müssen. Doch die Kritik der angeblich Betroffenen richtet sich vor allem gegen die Vertragspraxis der Musikindustrie, wie es etwa Courtney Love öffentlich gesagt hat. Es wehren sich aber auch Künstler gegen Tauschbörsen. Mehr als 320 000 Napster-Nutzer wurden auf die Initiative der Heavy-Metal-Band Metallica von dem Service ausgeschlossen. Und auch Ex-NWA-Rapper Dr. Dre veranlasste das Löschen seiner Songs auf den Seiten der deutschen Betreiber von MP3hitz.com.

Rip. Mix. Burn.


Apple forcierte anfangs selbst das freie Kopieren von Musik. Der MP3-Player iPod enthält zwar einen hauchdünnen Kopierschutz, der es verhindern soll, Musikdateien auf einen anderen als den eigenen Computer zu kopieren, doch gibt es mittlerweile genug Werkzeuge auf dem Markt, die diesen Schutz umgehen. Die Musikindustrie würdigt das Bemühen der Jobs-Company, dem freien Kopieren einen Riegel vorzuschieben. Auf anderen MP3-Playern sind derartige Beschränkungen überhaupt nicht vorhanden. Immerhin vermittelt Apple den Eindruck, die Rechte beider Seiten im Auge zu behalten: sowohl der Industrie als auch der Kunden.
Der neue Musikdienst soll es angeblich erlauben, Musikdateien nach wie vor sowohl auf dem eigenen Rechner anzuhören als auch auf den iPod zu kopieren oder auf CD brennen zu können. Ein Aspekt, der die Akzeptanz für einen Bezahldienst erhöhen würde. Die Musikindustrie antwortete bisher nur mit CD-Kopierschutzmechanismen, die die Rechte ihrer eigenen Kunden so weit beschneiden, dass zum Teil gekaufte Musik-CDs den iMac lahm legen und es damit unmöglich ist, einen iPod zu füttern. Hier sind die ersten Störfrequenzen zu spüren, die Apples Digital Hub gefährden und wohl ein Auslöser für die Entwicklung eines eigenen Dienstes sind.

Legale Wege versperrt


Macht sich der Mac-Anwender also auf den Weg, Musik legal im Netz zu erwerben, stößt er nur auf Hürden. Die etablierten Downloaddienste Pressplay, Musicnet und Listen.com speisen Mac-Anwender lapidar mit einem "Sorry, this service is not supporting Mac-OS at the moment" ab. Der Grund dabei ist allerdings nicht ausschließlich technischer Natur: Apple hat sich bisher verweigert, ein Digital Rights Management (DRM) wie etwa Microsoft einzuführen. Die bestehenden Online-Musikdienste verlangen aber DRM und setzen deshalb auf das Format Windows Media Audio (WMA). Das proprietäre Microsoft-Format umfasst Mechanismen, die es erlauben, die Vervielfältigung und Weiterverwendung genau zu regeln - im Gegensatz zu MP3s. Solche WMA-Dateien lassen sich allerdings nur mit Windows Media Player 9 abspielen, den es für den Mac bisher nicht gibt. Selbst wenn es eine entsprechende Mac-Portierung gäbe, iPod-Besitzer hätten das Nachsehen, denn der mobile Musikplayer versteht sich primär auf MP3 und nicht auf WMA. Somit sieht sich Apple gleich in zweierlei Hinsicht im Abseits.

Standard statt WMA


Es bleibt also CEO Steve Jobs nichts anderes übrig, als selbst das Ruder in die Hand zu nehmen, um seinen Digital Hub durch die Brandung der Musikindustrie zu schiffen. Dabei kommen nun weder MP3 noch WMA zum Einsatz. Vielmehr setzt Apple auch hier auf einen Industriestandard, das Advanced Audio Coding (AAC). AAC ist der Nachfolger von MP3 und wurde 1998 von Dolby, Fraunhofer, AT&T, Sony und Nokia entwickelt. Es ist auf niedrige Datenraten optimiert und eignet sich vorzüglich für Digital Audio Broadcasting . chr

Mehr zu Apples geplantem Musikdienst lesen Sie in Macwelt 5/2003, die ab dem 2. April im Handel erhältlich ist.

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