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Apple will nicht zurück nach Boston

18.10.2002 | 13:20 Uhr |

Unmittelbar nach der Bestätigung von IDG World Expo, die Macworld Expo zurück nach Boston zu verlegen, kündigt Apple sein Fernbleiben an. Dient der Umzug nur als Vorwand?

Die Veranstaltergesellschaft der Macworld Expos, IDG World Expo, hat gestern offiziell verkündigt, dass die Sommer-Ausgabe der Mac-Messe ab 2004 wieder in Boston stattfinden wird. Dabei k?nnte jedoch der Wirt die Rechnung ohne den Stammgast gemacht haben. Denn Apple hat als Reaktion auf die offizielle Ankündigung erklÇrt, nicht an der Macworld Expo in Boston teilzunehmen. Der Mac-Hersteller wolle zudem sein Engagement für die letzte Macworld Expo in New York überdenken, die für den Juli 2003 angesetzt ist. Unbetroffen von Apples Rückzieher sollen die Januar-Expos in San Francisco bleiben.
Charlie Greco, CEO von IDG World Expo, zeigte sich laut unseren Kollegen von Maccentral von der Drohung Apples unbeeindruckt. Man werde die Macworld Expos 2003 und 2004 auf alle FÇlle veranstalten. Zwar würde man es sehr begRü?en, wenn Apple wie in den vergangenen 18 Jahren teilnehmen würde, sollte die Jobs-Company aus "uns unbekannten GRünden" sich jedoch nicht an der Ostküste prÇsentieren wollen, dann werde man die Messe mit 250 statt 251 Ausstellern durchziehen.
IDG World Expo war nach eigenen Angaben überrascht über die Apple-Ankündigung, wÇhrend der ganzen Zeit der Verhandlungen mit Boston und New York habe man Apple auf dem Laufenden gehalten. Bislang habe man mit Offiziellen aus Cupertino noch nicht über die Absage gesprochen, werde sich aber in der nÇchsten Woche zusammensetzen, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Apple hat die Angelegenheit bislang nicht weiter kommentiert. pm

Kommentar: Willkommener Umzug


Einige Monate müssen die Verhandlungen zwischen dem Macworld-Veranstalter IDG World Expo und den Betreibern der Messezentren in New York und Boston gedauert haben. Nach Angaben von Charlie Greco, CEO von IDG World Expo, war Cupertino stets über den Stand der Dinge informiert. Gut m?glich, dass die Messegesellschaft das Angebot der Hauptstadt von Massachusetts abgelehnt hÇtte, wenn Apple in dieser Zeit mit ernsten Bedenken gekommen wÇre.

Jetzt hat Apple aber seiner Tradition gehorcht, nicht über ungelegte Eier zu gackern, und die offizielle Ankündigung der Expo-Macher abgewartet, um seinen Rückzug von der Sommer-Ausgabe der Mac-Messe anzukündigen. GRünde hat der Mac-Hersteller bislang nicht genannt. Denn, bei allem Respekt vor dem "Big Apple", steht New York gegenüber Boston nicht als Welthauptstadt einem Provinznest gegenüber, eine BegRündung a la "zu wenig Aufmerksamkeit fern ab der entscheidenden MÇrkte" wÇre unglaubwürdig.

Unwidersprochen durften Medien wie unsere US-Schwester Maccentral in den letzten Wochen daRüber berichten, wie die StadtvÇter von Boston die gr??te IT-Messe der Ostküste zuRück geholt haben. für eine Halle im neuen luxuri?sen Messezentrum wollten die Betreiber angeblich deutlich weniger Miete als die Kollegen in New York, auch mit günstigen Hotelbetten soll die Kommune gelockt haben. Die Kostenreduzierung hÇtte sicher auch dem kalifornischen Stargast der Macworld Expo gefallen.

Der Grund, die beleidigte Leberwurst zu spielen, k?nnte tiefer liegen. Kaum anzunehmen ist, dass Apple mit seiner Bockigkeit für sich noch bessere Konditionen herausschlagen will. Die Vermutung liegt nahe, dass sich Apple lieber auf eine gro?e US-Consumer-Messe im Jahr beschrÇnken und sich nicht lÇnger dem Erwartungsdruck zweier gro?er Veranstaltungen aussetzen m?chte. Der Umzug scheint willkommener Anlass, die MesseplÇne zu revidieren. Schon aus der letzten Macworld Expo in New York war ein wenig die Luft heraus, an neuer Hardware, die immer das gr??te Interesse der Úffentlichkeit auf sich zieht, brachte Apple nur Modifikationen. Eigentlich vernünftig, schon in den vergangenen beiden Jahren hatte Apple neue GerÇte dann prÇsentiert, wenn sie fertig waren (wei?es iBook, iPod, Xserve, G4 mit DDR-RAM), und nicht zu dem Zeitpunkt, als eine Keynote anstand. Angenommen, Motorola kann einen Prozessor, den Apple G5 nennt, ab Februar 2003 in Masse produzieren. Unklug wÇre es, mit der Vorstellung der neuen Power Macs bis Juli zu warten.
So sehr Jobs-Keynotes auch Spa? bereiten, macht ihre Reduzierung durchaus Sinn. Wenn das der Apple-CEO selbst genau so sieht, dann sollte er es aber auch so kommunizieren, anstatt seine Company hinter die Mauern des Schweigens zu beordern.

Peter müller

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