Von Redaktion Macwelt - 27.12.2012, 00:49

Macwelt-Jahresrückblick

Apple wird zum wertvollsten Unternehmen der Welt

Apple wird zum wertvollsten Unternehmen der Welt

Apple ist an der Börse das wertvollste Unternehmen der Welt, das Bankkonto ist brechend voll. Später im Jahr wird der Mac-Hersteller ankündigen, erstmals seit 15 Jahren wieder Dividenden zu zahlen und Aktien zurück zu kaufen, doch haben Tim Cook und seine Finanzchef Peter Oppenheimer noch andere Investitionsmöglichkeiten im Visier.
Im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres 2011/2012 hat Apple einen Umsatz von 46,33 Milliarden US-Dollar bilanziert, 13,06 Milliarden US-Dollar sind an Gewinn geblieben. Die Barreserven sind auf 97,6 Milliarden US-Dollar angestiegen. Soweit die am 24. Januar, dem 28sten Geburtstag des Mac, veröffentlichten Fakten. Kaum jemand kann sich jedoch vorstellen, wie viel 46,33 Milliarden US-Dollar sind, es soll ja gar Finanzpolitiker geben, die erst nach mehreren Nachfragen die richtige Anzahl von Nullen einer Milliarde nennen können. Da helfen nur Vergleiche: Den Quartalsumsatz Apples hat die Website applemademoremoneythan.com in Relation gestellt. Demnach hat Apple in einem Quartal mehr Geld eingenommen, als der Wert der von Kolumbien in einem Jahr exportieren Waren (wir nehmen an m die legalen Waren) oder dem Verteidigungshaushalt von Großbritannien entspricht. Von den 46,33 Milliarden US-Dollar könnte man 72.220 Goldbarren kaufen oder annähernd 30 Mars-Missionen finanzieren. Weniger witzig, aber deutlich aufschlussreicher sind die Vergleiche mit der Konkurrenz und Apples eigener Vergangenheit: Die 46,33 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz entsprechen demnach dem doppelten Jahresumsatz des Blackberry-Herstellers RIM oder dem Gesamtwert, den Apple im Jahr 2004 hatte. Was ist seither passiert und was wird Apple mit seinem mittlerweile gut 90 Milliarden US-Dollar anfangen. Wir haben uns die Bilanzen genauer angesehen.

Aktien 50mal so viel wert

Wer im Januar 2004 etwa 1.000 US-Dollar in Apple-Aktien investiert hätte, dessen Anteil am Mac-Hersteller wäre im Februar 2012 fast 50.000 US-Dollar wert. AAPL dümpelte seinerzeit bei Werten um 10 US-Dollar herum (Aktiensplit vom März 2005 mit eingerechnet), am 13. Februar 2012 überschritt der Kurs erstmals die 500-Dollar-Marke. Während andere Unternehmen ihre Aktionäre mit regelmäßigen Ausschüttungen am Gewinn beteiligen und sie so bei Laune halten, hat Apple das bisher nicht nötig, der Kursgewinn allein sorgt für zufriedene Aktionäre. Die letzte Dividende hatte Apple im November 1995 gezahlt, ein Jahr, bevor Steve Jobs zu dem angeschlagenen Unternehmen zurückkehrte. In ausführlichen Diskussionen kommt der Apple-Vorstand aber im Frühjahr zum Schluss, doch eine Dividende zu zahlen - und Aktien zurück zu kaufen. Apple will sich das rund zehn Milliarden US-Dollar im Jahr kosten lassen.
Nicht von ungefähr vergleichen wir weiter oben aktuelle Zahlen mit jenen aus dem Jahr 2004, das Apples Aufbruch aus der Nische markiert. Den iPod hatte Apple zu dieser Zeit bereits als den erfolgreichsten Musikplayer etabliert, die geschätzt 70 Prozent Marktanteil waren aber nur ein relativer Erfolg. Mit dem im Januar 2004 vorgestellten iPod Mini war es Apple jedoch gelungen, den Markt derart zu expandieren, dass die Umsätze Apples mit dem iPod bald jene mit dem Mac übertrafen. Gleichzeitig wirkte sich die Verbreitung des iPod auf die Mac-Verkäufe aus. Wer mit dem Player von Apple zufrieden war, dachte beim nächsten Rechnerkauf gleich an Macbook oder iMac.
Die Gewinne, die Apple seit Ende der Neunziger mit Ausnahme zweier kurzer Schwächephasen wieder machte, investierte das Unternehmen unter anderem klug in Infrastruktur und legte mit dem iTunes Store die Grundlagen für den Erfolg des iPhone. Apple wird auch in Zukunft große Teile seiner Barreserven wie in der Vergangenheit in das "nächste große Ding" investieren.

Was die Bilanz verrät

Wie aus Apples Bilanz hervorgeht, hat Apple Investitionen für seine Zukunft bereits getätigt. Denn Apple gibt nicht die meist genannten 90 Milliarden US-Dollar als Barreserven an, sondern lediglich 10,3 Milliarden US-Dollar Cash oder Cash-Äquivalent. Der mit 67,45 Milliarden US-Dollar weit größte Teil der rasch verfügbaren Vermögenswerte des Unternehmens findet sich im Posten "Long-term marketable securities" - also langfristige Investitionen. Worin diese im einzelnen bestehen, hat Apple nicht aufgelistet, doch hatte Finanzchef Peter Oppenheimer auf der Bilanzpressekonferenz im Januar verraten, das Apple jüngst 3,9 Milliarden US-Dollar in drei Zuliefererfirmen gesteckt habe - vermutlich handelte es sich dabei um Displayhersteller, die Komponenten für das iPad 3 beisteuern sollen.
Die richtigen Komponenten waren in jüngster Vergangenheit entscheidend für den Erfolg Apples. Während die Konkurrenz staunte und ein Telefon wie das iPhone für technisch unmöglich hielt, hatte Apple unter anderem mit Corning einen Hersteller gefunden, der die technischen Probleme lösen halt. Das extrem belastbare Glas, von Cornung "Gorilla Glass" genannt, war bereits seit den Sechzigern bekannt, Apple lieferte quasi das Problem für die Lösung. Corning hatte zunächst keine Produktionskapazitäten, um den von Apple angemeldeten Bedarf zu erfüllen, erst die rasche Umstellung mehrerer Produktionsanlagen führte zu ausreichendem Produktionsausstoß. Was Corning nicht verrät und auch Apple nicht offiziell bilanziert, dürfte aber in diesem Fall ein entscheidendes Hilfsmittel gewesen sein: Apple kann Vorkasse leisten.

Kritische Komponenten selbst kontrollieren

Die Vorkasse sichert Apple große Kontingente etwa an Flash-Speicher oder LCD-Bildschirmen, kritische Komponenten lässt Apple lieber selbst bauen. Ende 2011 Apple den israelischen Hersteller von Flash-Controllern Anobit übernommen, dessen Technologie Speicherkomponenten zuverlässiger macht und so die Produktionskosten merklich senken kann. Angefangen haben die strategischen Firmenübernahmen vor gut vier Jahren mit dem Kauf des Chip-Herstellers PA Semi, der sich auf Prozessoren der ARM-Architektur versteht. Zwei Jahre später schluckte Apple den Chip-Designer Intrinsity und baut seither die Chips für iPad und iPhone selbst, wobei die Endfertigung Dritthersteller übernehmen.

Der Fernsehapparat und die LED-Fabrik

Apples Neuheit des Jahres wird ein revolutionärer Fernsehapparat, der den Markt ähnlich umkrempeln und neudefinieren wird, wie es zuvor schon iPod, iPhone und iPad gelungen war. Dies ist die einhellige Meinung der Marktbeobachter, denen Steve Jobs mit der seinem Biographen gegenüber geäußerten Bemerkung "Ich habe es endlich geknackt!" über die Benutzeroberfläche des Apparates Futter gegeben hat. Um eine Revolution auszulösen, wird Apple aber weit mehr liefern müssen als nur die beste Hardware - der Fernsehmarkt ist technisch ausgereizt. Die Bedienung des Gerätes könnte per Gesten- und/oder Sprachsteuerung erfordern, und aus letzterer entsteht weiterer Investitionsbedarf für Apple. Denn Siri benötigt eine Internetverbindung und ein Rechenzentrum, um Sprachkommandos besser verstehen zu lernen. Apple hat erst vor kurzem eine Serverfarm in North Carolina eröffnet, eine zweite soll gleich nebenan folgen, in Oregon soll sich Apple nach einem weiteren Gelände umsehen. Aber nicht nur Siri erfordert Rechen- und Speicherkapazität, mehr noch verlangen die Inhalte danach, die Apple an seine Fernsehapparate ausliefern will. Wie genau Apple iTunes in der Cloud mit Live-TV verbinden wird, ist Gegenstand munterer Spekulation, in jedem Fall wird Apple aber technisch dafür gerüstet sein müssen, wenn vermutlich im Herbst das TV-Gerät aus Cupertino in den Handel kommt. Ein Fiasko wie im Sommer 2008 mit dem Stolperstart von Mobile Me würde der Einsteiger in den Markt kaum überstehen können. Apple wird daher bei seinen Investitionen im Jahr 2012 verstärkt Wert auf die Infrastruktur für seine iCloud setzen - oder gar für einen faustdicker Überraschung sorgen. Schon für das iPhone hatte Apple an ein eigenes Mobilfunknetz nachgedacht, die Übernahme eines Kabelnetzbetreibers könnte daher durchaus in Apples TV-Plänen eine Option sein. Dass Apple angeblich mit LG zusammen den Fernsehapparat produziert und dafür entsprechend in die Fabriken investiert, wäre dagegen aber eine aus der Portokasse finanzierte Ausgabe. Gleichwohl bleibt der Fernsehapparat von Apple bis Ende des Jahres nur Wunschtraum. Angeblich habe Apple noch Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Hardwarekomponenten und vor allem der Inhalte, Verhandlungen mit Rechteinhabern stocken.
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