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Apple zockt ab

17.11.1999 | 00:00 Uhr |

Seit Mac-OS 9 auf dem Markt ist, herrscht Unruhe unter den Besitzern von Mac-relevanten Web-Sites. Der Grund: Sherlock 2. Über 300 Plug-ins gibt es mittlerweile für Apples Suchmaschine, wer mit einer eigenen Datenbank im Internet aktiv ist und Inhalte für die Mac-Gemeinde bietet, macht es sich zur Ehre, seinen Nutzern ein solches Plug-in zur Verfügung zu stellen. Gerade für kleinere Sites hat Sherlock einen angenehmen Nebeneffekt: Es erlaubt, eigene Werbe-Banner, die die meist kostenlosen Internet-Angebote finanzieren, im Ergebnisfenster einzuspielen. Damit generieren die Sites sogenannte Add Impressions, also Zugriffe auf die Werbe-Banner, die sie dann widerum an ihre Werbekunden verkaufen können.
Während kleine Sites ihre Angebote mit den Bannern finanzieren, hat sich das Werbegeschäft auf den großen kommerziellen Sites zu einem echten Umsatzfaktor entwickelt. Und genau hier möchte nun Apple mitverdienen. Statt es wie bisher jedem Besitzer einer Site freizustellen, ob er die Werbe-Banner seiner Kunden in Sherlock einspielen möchte oder nicht, hat Apple diese Möglichkeit in Sherlock 2 komplett gesperrt. Die Werbung erscheint einfach nicht mehr im Ergebnisfenster. Stattdessen blendet Apple eine eigene Werbung ein, meist für Mac-OS 9 oder den iMac. Doch damit nicht genug. Möchte ein Web-Site-Besitzer, dass die eigene Werbung oder die eines Kunden in Sherlock eingespielt wird, dann ist Geld fällig - und zwar an Apple. Die Banner-Werbung wird dann freigeschaltet oder direkt von Apple eingespielt - ein lukratives Geschäft.
Wie die aktuelle Version von Sherlock 2 zeigt, sind es ausschließlich die großen Suchseiten im Internet, die derzeit ihre eigene Werbung einspielen dürfen. Lycos, Altavista, Goto.com, Excite, Cnet und Hotbot haben vermutlich bezahlt, andere wie Infoseek hingegen nicht - hier erscheint lediglich die Apple-Werbung.
Leidtragende dieser Entwicklung sind vor allem die Besitzer kleiner Web-Sites. Kein Geld an Apple - keine Werbung in Sherlock und damit geringere Werbeeinnahmen. Leidtragende sind aber auch die Anwender. Schon überlegen viele kleinere Web-Sites, keine Sherlock-Plug-ins mehr anzubieten. Und da das Überleben der kleinen Sites von der Banner-Werbung abhängt, wird die ein oder andere engagierte Mac-Seite über Kurz oder Lang wohl das Zeitliche segnen.
Apple Deutschland war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, sollte noch eine erfolgen, werden wir sie nachliefern. sh

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