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Apples Aktienoptionsaffäre entwickelt sich zum Skandal

24.01.2007 | 15:08 Uhr |

Die Affäre um rückdatierte Aktienoptionen bekommt eine Eigendynamik, die TV-Klassiker wie Dallas oder Denver-Klan heranreicht. Nach Zeitungsberichten ist Apples interner Untersuchungsbericht völlig unzureichend, Steve Jobs musste in Begleitung seiner Anwälte zu Fragen der US-Börsenaufsicht und des Justizministeriums Stellung nehmen.

Der städtische New Yorker Pensionsfond NYCERS verklagt den Apple-Chef und den ehemaligen US-Vizepräsidenten und Aufsichtsratsmitglied Al Gore - und die Bundesanwaltschaft verliert ihren ermittelnden Anwalt an eine Sozietät, bei der ausgerechnet der Ehemann von Apples früherer Chef-Justitiarin Partner ist.

Unzureichend - so klassifizieren die US-Börsenaufsicht SEC und das amerikanische Justizministerium Apples eigenen Untersuchungsbericht zu rückdatierten Aktienoptionen, den Cupertino kurz nach Weihnachten vorgelegt hat ( wir berichteten ). Optionen im Wert von 84 Millionen US-Dollar gab Apple vor vier Wochen an und änderte daraufhin seine Bilanzen für die Geschäftsjahre 2005 und 2006. Der von Al Gore, Vize des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und Mitglied in Apples Aufsichtsrat, geleitete Untersuchungsausschuss zu diesem Ergebnis: Steve Jobs hat sich persönlich nicht bereichert und Vorstand und Aufsichtsrat habe volles Vertrauen in den Apple-Chef.  

Eher ein Verhör als eine Unterhaltung

Doch den Bericht, den Apple vorgelegt hat, ist offenbar das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist. Die Londoner Times und ihr New York-Korrespondent haben aus Ermittlerkreisen erfahren , dass die Details so dünn waren, dass Steve Jobs Dienstag vergangener Woche - flankiert von seinen Anwälten - Rede und Antwort stehen musste. "Das war keine freundliche Einladung zum Informationsaustausch", so ein Insider zur Times. "So wie das Gespräch geführt wurde und die Untersuchung vorangeht, scheint es, dass Apple noch viel mehr zu erklären hat, bis die Behörden zufrieden sind." Über Details des Gespräches ist nichts bekannt geworden, stattgefunden hat es im Federal Building in San Francisco. Genaueres wollen die Behörden dem Vernehmen nach zu Dokumentfälschungen bei Apple ( wir berichteten ) erfahren haben: Jobs soll Anfang 2001 in den Genuss von 7,5 Millionen Aktienoptionen gekommen sein, das Optionsrecht aber nicht ausgeübt haben. Die Zustimmung für die Option hätte der Aufsichtsrat (Board of Directors) geben müssen, doch sprechen die Unterlagen in Cupertino eine andere Sprache. Das Unternehmen hat eingeräumt, Protokolle frisiert zu haben und eine Aufsichtsratssitzung erfunden zu haben, auf der die Option genehmigt worden sei. Beschuldigt sei in diesem Zusammenhang die Apple-Anwältin Wendy Howell, die auf Anweisung des höheren Management gehandelt habe. Howell ist im Dezember entlassen worden.  

Ermittler wechselt das Lager

Eine ganz neue Drehung bekommt der Fall jetzt durch den Rückzug des ermittelnden Bundesanwalt. Chris Steskal hat bislang in der Task Fource von Bundesstaatsanwalt Kevin Ryan gegen Apple ermittelt, Ryan führte die Ermittlungen gegen alle rund 160 Aktiengesellschaften, die ähnlich wie Apple Mitarbeiter durch rückdatierte Aktienoptionen mit einem Bonus versorgt haben. Anfang vergangener Woche hat Staatsanwalt Ryan die Untersuchungen abgegeben, berichtet Bloomberg , und sich von diesen Fällen zurückgezogen. Wenige Tage später folgte mit Chris Steskal sein wichtigster Zuarbeiter. Innerhalb eines Monats wird Ermittler Steskal aber einen neuen Job haben. Er steigt ein in die Sozietät Fennwick & West, die wiederum Apple in Rechtsfragen vertritt. Partner bei Fennwick & West ist Dennis DeBroek, der Ehemann von Nancy Heinen. Sie war bis Mai vergangenen Jahres bei Apple die Chef-Jusitiarin und soll im Streit mit Steve Jobs ihren Posten geräumt haben. Ihr wird wie auch dem früheren Finanzchef Fred Anderson eine Beteiligung an dem Options-Gemauschel nachgesagt. Dieser trat im Oktober von seinem Aufsichtsrats-Posten zurück. Ermittler Chris Steskal soll seit rund sechs Wochen mit der Anwaltssozietät in Gesprächen gestanden haben, aber gleichzeitig auch seine Behörde über diese Gespräche informiert haben. Einen "echten" Interessenskonflikt haben die zuständigen Beamten jedoch nicht feststellen können und ihren Ermittler entlastet. Trotzdem soll er an an Jobs Befragung teilgenommen haben, berichtet der San Francisco Chronicle in seiner gestrigen Ausgabe und zitiert den Seitenwechsler mit: "Für mich bot sich eine einmalige Chance in meiner Karriere - das Angebot konnte ich nicht verstreichen lassen."  

New Yorker Pensionsfond beklagt Steve Jobs und Al Gore

Von der amerikanischen Ostküste droht Cupertino nun neues Ungemach: Der Pensionsfond der New Yorker Kommunal-Angestellten NYCERS hat sich den Klagen anderer Aktionäre ( wir berichteten )angeschlossen. Die beauftragte Kanzlei Grant & Eisenhofer sprach in einer Stellungnahme von über 4,4 Milliarden Dollar, die Apple als Sondervergütung Mitarbeitern über die vergangenen Jahre zugesteckt hätte. Die Klage benennt neben Steve Jobs auch den Chef der internen Ermittlungkommission Al Gore. NYCERS verwaltet 89 Milliarden US-Dollar an Altersrückstellungen von 200.000 städtischen Angestellten in New York - 87 Millionen US-Dollar schwer ist das Apple-Aktienpaket des Fonds, berichtet wiederum die Times

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