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Apples Bewährungsprobe

14.03.2001 | 00:00 Uhr |

In den USA gaben in den letzten Tagen die Unternehmen Motorola und Cisco bekannt, dass sie tausende von Mitarbeitern entlassen werden. Absehbar ist, dass auch Apple bald zu ähnlichen Maßnahmen greifen wird.

Apple kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der Computer-Hersteller aus Cupertino war der erste, der im Herbst mit Gewinnwarnungen für die anstehenden Quartalsergebnisse für Aufregung in der Computer-Branche gesorgt hat. Was sich zunächst als hausgemachtes Problem darstellte, betrifft mittlerweile die meisten PC-Hersteller im Wintel-Lager. Und die Krise weitet sich aus. In den USA gaben in den letzten Tagen die Unternehmen Motorola und Cisco bekannt, dass sie tausende von Mitarbeitern entlassen werden. Absehbar ist, dass auch Apple bald zu ähnlichen Maßnahmen greifen wird.

Ob das nächste Quartal für den Mac-Hersteller glimpflich ausgehen wird, wie Steve Jobs es Anfang Januar bei der Vorstellung der Quartalszahlen behauptet hatte und er wieder schwarze Zahlen schreiben kann, ist fraglich. Aus dem amerikanischen Händlerkanal hört man nämlich, dass auch der Januar kaum für Besserung gesorgt hat. In Deutschland sieht es nicht viel rosiger aus. Hier droht eine Marktkonzentration der Großen und Starken, den kleinen und schwachen Händlern den Garaus zu machen. Apple ist in einer Zwickmühle. Der einst verwöhnte Apple-Händlerkanal hat seine härteste Bewährungsprobe derzeit zu bestehen. Wer oder was nach der Krise möglicherweise übrig bleibt, ist jedoch nicht unbedingt gut für die Kunden und Apples selbst. Mit einer Ausdünnung des Händlernetzes, den unwirksamen Mac-Verkaufsinseln bei Mediamarkt und Co und Verbraucher-Produkten, die vor allem auf den amerikanischen Markt zurecht geschneidert sind, wird sich die Mac-Company in Deutschland schwer tun.

Flagge zeigen statt untertauchen

Für frischen Wind muss Apple Deutschland selbst sorgen. Nur der Hersteller kann Kooperationen knüpfen und die Maßnahmen einleiten, die in schwierigen Zeiten nötig sind. Gerade jetzt heißt es: Statt unterzutauchen, muss man Flagge zeigen. Apples Stärken sind der Bildungs-, Publishing- und Kreativbereich. Effizientes Sponsoring und Co-Marketing zwischen Apple und den Schlüsselunternehmen in Bildung und Wirtschaft gehört ebenso zur Pflicht, wie gut gemachte Messe- und TV-Auftritte. Dass Werbemaßnahmen, die auf deutsche Belange angepasst sind, auch Standard sind, versteht sich von selbst. Darüber hinaus wären regelmäßige lokale Entwicklerkonferenzen, Roadshows und Workshops eine willkommene Bereicherung. Schließlich sollten sich die Mac-Macher in Feldkirchen überlegen, ob Sonderaktionen mit großzügigeren Rabatten und besonderen Konditionen nicht ebenfalls das Geschäft sinnvoll ankurbeln könnten.

Martin Stein

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