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Das war die Woche: Krise? Welche Krise?

24.10.2008 | 12:24 Uhr |

Die Börsen auf Talfahrt, die Wirtschaft vor einer weltweiten Rezession: Apple bleibt dennoch optimistisch. Skepsis ist zwar angebracht, der Mac-Hersteller könnte aber unbeschadet die Talsohle der Ökonomie durchschreiten.

Aufmacher Apple Bilanz
Vergrößern Aufmacher Apple Bilanz

Vor lauter Turbulenzen an den Börsen weiß man schon gar nicht mehr, welchen Folgen welchen Nachrichten zuzuordnen sind. Freilich: Der Bericht über einen angeblichen Herzinfarkt des Apple-Chefs Steve Jobs, der sich in dieser Woche als Dummer-Jungen-Streich entpuppte , hatte direkte Auswirkungen auf den Börsenkurs des Unternehmens, die Aktie verlor bis zum Dementi aus Cupertino mehr als fünf Prozent ihres Wertes. Heute ist die Apple-Aktie aber nur noch die Hälfte des Kurses von Ende Dezember 2007 wert, und keiner weiß genau, warum. Ist es die globale Finanzkrise, die lediglich die spekulative Luft aus dem Papier herausgelassen hat? Ist es die Furcht vor der Konjunkturflaute in der Realwirtschaft? Oder sind die Sorgen um Apples Zukunft, abseits von erfundenen Geschichten über die Gesundheit des CEO so stark, dass Investoren lieber mal etwas vorsichtiger agieren? Am Dienstag dieser Woche stellte sich im nachbörslichen Handel wiederum ein vollkommen unerwarteter Effekt ein. Hatten wir in der Redaktion schon die Schlagzeile vorbereitet: "Apple übertrifft Erwartungen - Wall Street vom Ausblick enttäuscht" wie wir sie nach den letzten drei Bilanzpressekonferenzen so oder so ähnlich schreiben konnten, passierte bei annähernd gleichen Voraussetzungen diesmal das Gegenteil. Wieder einmal hatte Apple mit seiner Bilanz seine eigenen Prognose deutlich und die Erwartungen der Wall-Street-Analysten merklich übertroffen und für das gerade angelaufene erste Quartal des Geschäftsjahres 2008/2009 zurückhaltende Zahlen genannt. Doch diesmal stieg der Kurs im nachbörslichen Handel, statt wie bei zurückliegenden Gelegenheiten zu fallen.

Die Rezession wird kommen, das steht außer Frage. Noch weiß keiner, wie breit und tief die Delle ausfallen wird. In der jetzigen Bilanzsaison werden börsennotierte Unternehmen wie Amazon, eBay oder Microsoft nicht müde, auf kommende wirtschaftliche Schwierigkeiten hinzuweisen, auch Apple kann nicht abschätzen, wie hart es das Unternehmen treffen wird. Als Vertrauens bildende Maßnahme stellte sich bei der Bilanzpressekonferenz diesmal auch Steve Jobs persönlich Journalisten und Analysten, zuletzt hatten Apples Finanzchef Peter Oppenheimer und COO Tim Cook den Job alleine erledigt. Apple vertraut auf seine Qualitäten, eine loyale Kundenschaft und vor allem die immensen Barreserven, die das Unternehmen in den zurückliegenden fetten Jahren angesammelt hat. Skepsis ist dennoch angebracht: Die neuen Alu-Macbooks sind nicht gerade ein Schnäppchen, im boomenden Mobilsektor gehören sie eher zu den hochpreisigen Angeboten. Und ob in Zeiten wirtschaftlicher Not oder zumindest ökonomischer Ungewissheit Millionen von bunten iPods unter den Weihnachtsbäumen liegen, sei dahin gestellt.

Im Gegensatz zu vielen Banken genießt Apple weiter das Vertrauen seiner Kunden und Investoren. "Wir haben die stärkste Produktlinie aller Zeiten," wirbt Steve Jobs aktiv darum. Was sollte er auch anderes sagen? "Die iPod-Kollektion heuer ist uns nicht gelungen und die Alu-Macbooks finden auch wir zu teuer"? Natürlich nicht. Stattdessen machen Gerüchte über Erweiterungen der Produktpalette die Runde. Noch rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft soll der iMac eine Überarbeitung erfahren, heißt es. Der stiefmütterlich behandelte Mac Mini könnte von der neuen Macbook-Platine profitieren und ein zweites Leben gewinnen, meinen andere. Und schließlich tauchen erneut Spekulationen um ein kompaktes tragbares Apple-Gerät auf, das irgendwo zwischen Macbook und iPhone positioniert sei. Die Krise, vor der Apple dezent warnt, hätten andere ganz gerne…

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