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Is Apple doomed? Heutige Bilanz wird's zeigen

26.04.2016 | 09:23 Uhr |

Nach 51 Quartalen mit Wachstum gegenüber dem Vorjahr droht Apple heute das erste Minus seit 2003. Kein Grund zur Panik.

Apple wird heute Abend nach Börsenschluss in New York um 22 Uhr MESZ die Bilanz für sein zweites Geschäftsquartal 2015/16 veröffentlichen und dabei erstmals seit 2003 einen geringeren Umsatz als im Vorjahresquartal ausweisen. Nicht nur das iPhone wird wie erwartet unter dem Vorjahresumsatz liegen, auch iPad und Mac schrumpfen, wachsende Umsätze bei den Services und bei Sonstigen Produkten inklusive Apple Watch werden das nicht kompensieren können. 51 Quartale lang hat Apples Serie gehalten. Wall Street rechnet im Durchschnitt mit 52 Milliarden US-Dollar Umsatz, vor einem Jahr waren es im März-Quartal noch 58 Milliarden US-Dollar.

Abgesänge auf den Mac-Hersteller kommen aber in jedem Fall zu früh – Apples Umsätze kommen vor allem von einem hohen Niveau, vor einem Jahr hatte das iPhone 6 ein deutlich höheres Wachstum als erwartet gezeigt, der Mac wird weniger schrumpfen als der PC-Markt insgesamt und das iPad sich womöglich stabilisieren.

Prognosen, seien sie auch noch so akkurat berechnet, sind indes keine finalen Zahlen, auch hier ist Apple immer wieder für eine Überraschung gut. Das iPhone SE schließlich könnte im Juni-Quartal wieder für eine Belebung sorgen, das iPhone 7 trotz diverser Skeptiker im Herbst wieder durchstarten. Vor allem hat Apple aber noch im Service-Bereich noch gute Wachstumsmöglichkeiten.

Aktionäre in Panik?

Nun zählen an der Börse aber keine vergangenen Meriten, sondern mehr noch als die Gegenwart die nahe und ferne Zukunft. Insofern wird Apple in der Bilanzpressekonferenz die ein oder andere Andeutung fallen lassen müssen, um Panikverkäufe zu verhindern. Doch auch hier kommt Apple von einem sehr hohen Niveau. Der Schlusskurs vom Montag lag mit 105 US-Dollar zwar um gut 20 Prozent unter dem Rekordwert vom letzten Sommer, mit einem Börsenwert von 582 Milliarden US-Dollar ist Apple weiterhin vor Google das (virtuell) wertvollste Unternehmen der Welt. Und wer wie das Manager Magazin nun also einen "langen Abstieg" vorher sieht, könnte die Innovationskraft Apples und sein Narrativ gewaltig unterschätzen.

Der nächste große Markt

Gewiss sind die Zeiten für zweistelliges Wachstum erst einmal vorbei. Die Märkte in den USA und in Europa dürften größtenteils gesättigt sein und Handelsbarrieren in China erschweren Apple das Geschäft dort. Das bevölkerungsreichste Land der Erde könnte Apple bald komplett den Zugang zu seinen Märkten sperren, fürchtet der Wirtschaftsexperte Ian Bremmer im Interview mit CNBC . Apple könnte ein Szenario drohen, wie es das im Lande gesperrte Facebook bereits spürt, die Schließung von iBooksstore und iTunes Movies könnte dafür ein Vorbote sein. Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster wiegelt jedoch ab, Apple sei bereits in den vergangenen Jahren stark von den chinesischen Regulatoren behindert worden, habe aber dennoch ein starkes Wachstum gezeigt. Im Gegensatz zu Facebook lässt Apple jedoch auch in China produzieren. Apple könnte sich im Gegenzug auch neue Produktionsstätten suchen, China und Apple haben also weiterhin starkes Interesse an gegenseitigem Wohlwollen.

Echte Wachstumsmärkte für das iPhone sind aber kaum noch zu finden, Apple hat Indien als einen solchen ausgemacht. Doch hängt das allgemeine Wohlstandsniveau auf dem Subkontinent noch deutlich hinterher, selbst das iPhone SE halten Experten für Indien noch zu teuer. Wiederaufbereitete (refurbished)  iPhones dort im großen Stil zu verkaufen, scheitert bisher am Widerstand der Behörden, die wohl nicht zu Unrecht fürchten, westliche Elektronikhersteller könnten das Land als einen großen Wertstoffhof betrachten – nicht jeder hat ein derart ambitioniertes Wiederverwertungsprogramm wie Apple.

Das nächste große Ding

Wenn nun aber der Smartphonemarkt gesättigt ist, der klassische PC schrumpft – auch bei Apple – und das Tablet keinen freien Zwischenraum findet, in dem es sich entfalten kann  wo sind dann Apples Wachstumschancen? Heute Abend lohnt es sich, genau auf die Zwischentöne zu hören, wenn Tim Cook und Apples Finanzchef Luca Maestri die Zahlen interpretieren. Womöglich werden sie wie im Januar auf den Bereich Software & Services hinweisen , der allein wegen Apple Music erneut gewachsen sein dürfte. Unser phantasievoller Freund Gene Munster hat neulich hochgerechnet, dass eine hypothetische Ausgliederung "Apple Services" an der Börse eine gute Viertelbillion US-Dollar wert wäre, würde man die Aktie im gleichen Verhältnis zum Umsatz bewerten, wie das bei Google der Fall ist. Nun wird eine Ausgliederung kein Thema sein, Apple wird aber in Service-Bereich weiter expandieren wollen. Nach Apple Music könnte ein TV-Dienst anstehen, seit längerer Zeit hat es aber keine neuen Meldungen zum Stand der Verhandlungen gegeben. Spekulationen über Apple eigene Inhalte für Apple Music / Apple TV machen indes seit längerem die Runde. Neues zu dem Thema wird man heute nicht erfahren, allenfalls wird Tim Cook nicht nur wie üblich von "tollen, neuen Produkten in der Pipeline" orakeln, sondern auch von neuen Diensten.

Die fernere Zukunft

Glaubt man auch nur der Hälfte der Spekulationen über ein Apple Car, steht in den Entwicklungslaboren Apples ein Multimilliardengeschäft der Zukunft auf experimentellen Rädern. Apple dementiert nichts, das ist aber auch schon alles, das Projekt scheint trotz der zahlreichen Einstellungen und Firmeneinkäufe aber wohl noch nicht so weit gediehen zu sein, dass Apple es nicht noch  völlig einstellen könnte. Und selbst wenn in Cupertino die Vision klar und das Ziel konkret vor Augen sein sollte: Bis Automobiltechnik von Apple die Straßen erobert, werden noch etliche Jahre vergehen. Apple wird – um die Aktionäre zufrieden zu stellen  eine Zwischenlösung für das Wachstum benötigen. Wir freuen uns in den nächsten Jahren auf spannende neue Produkte und Services – einen Abstieg Apples erwarten wir nicht. So etwas sei Hannover 96 vorbehalten – und auch die kommen bald wieder hoch.

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