Von Peter Müller - 05.10.1999, 00:00

Apples Herbstoffensive

Am Dienstag, den 5. Oktober 1999, wird Steve Jobs sämtlichen Gerüchten um einen neuen iMac ein Ende bereiten. Auf dem "special event" im Flint Center in Cupertino wird Steve Jobs den iMac-Nachfolger mit dem Codenamen "Kihei" vorstellen, das zumindest vermuten zahlreiche US-amerikanische Tageszeitungen.
Ob Jobs tatsächlich einen neuen Rechner vorstellen wird, ist auch einen Tag vor der Pressekonferenz noch fraglich. Üblicherweise sind bei Ereignissen dieser Art die größten amerikanischen Apple-Händler informiert, und bei auslaufenden Produkten ist mit Lieferengpässen zu rechnen. Bei zahlreichen Sears-Geschäften in San Jose und Umgebung gab es jedoch nach Macwelt-Recherchen am Montag noch genügend iMacs.
Zwei Gründe für den neuen iMac
Dass Apple dennoch seine diesjährige Herbstoffensive mit neuen iMacs am 5. Oktober startet, könnte zwei Ursachen haben. Erstens: Apple wurde von Vorab-Berichten auf www.macnews.de, www.appleinsider.com und www.macweek.com überrascht und zieht eine für den späteren Herbst geplante Kihei-Einführung vor. In diesem Fall wird man jedoch noch einige Wochen warten müssen, bis die neuen iMacs zu kaufen sind. Zweitens: Apple hat auch in der Vergangenheit im Herbst kurzfristig Pressekonferenzen veranstaltet, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das so erzeugte Momentum war stets gewaltig und half dem Mac-Hersteller vor allem an der Börse. Nachdem Apple seine aktuellen Quartalsergebnisse auf Grund von G4-Lieferengpässen nach unten korrigieren musste, könnte eine vorgezogene iMac-Ankündigung dem Börsenkurs der Apple-Aktie wieder auf die Beine helfen.
Fusion in Aussicht: Disney und Apple = Dissle?
Auch das Gegenteil ist denkbar. Apple könnte den schwächeren Börsenkurs, der deutlich unter dem Niveau der letzten Wochen liegt, nutzen, um eine Fusion bekannt zu geben. Die verhaltenen Quartalsergebnisse wären demnach insofern erfolgreich gewesen, als dass damit eine gewollte Übernahme einfacher gemacht worden wäre.
Wie in den vergangenen Jahren stellt sich die Frage, wer diesmal der Fusionskandidat sein könnte. Vorstellbar sind zwei Kombinationen. Erstens: Sun sucht nach dem Star-Division-Deal die optimale Hardware- und OS-Plattform für seine Office-Attacke gegen Microsoft. Für Apple spricht die einfache Internet-Integration im Mac-OS. Der iMac ist ein einfach zu benutzender Rechner, der sich besonders für den Massenmarkt eignet und somit Suns Hardware-Palette nach unten abrunden würde. Sun könnte Star-Office als Web-Version für seine Solaris-Server und Mac-Clients anbieten. Zweitens: Disney und Apple könnten sich ebenfalls sehr sympathisch finden. Der Medienkonzern dürfte vor allem Gefallen an Quicktime 4 finden. Damit hätte Disney ein offene Streaming-Technologie, die das Unternehmen mit seinen Inhalten füllen könnte. Aber auch für die Internet-Aktivitäten (www.go.com) der Micky-Maus-Company würde sich Apple hervorragend eignen. Der Vorteil für Apple: Disney ist größer als Sun und würde sicherlich die Hardware-Entwicklung weniger stark beschränken als die Solaris-Company.
Offene Fragen
Apple wird am Dienstag ab sicher noch mehr bieten, als neue iMacs oder Kooperationsabsichten. Aus steht unter anderem die Ankündigung der nächsten Entwickler-Version von Mac-OS X. Nach dem aktuellen Systemfahrplan, den die Mac-Company auf der Entwicklerkonferenz im Mai verkündete, soll die zweite Fassung von Mac-OS X im Herbst an die Softwareentwickler ausgeliefert werden. Insider erwarten zudem neue Displays, eine neue Werbekampagne und eine Portalseite (www.myapple.com).
Martin Stein, leitender Redakteur und US-Korrespondent der Macwelt
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