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Apples Rekordergebnisse im Detail

22.07.2008 | 14:59 Uhr |

Apple geht es so gut wie noch nie. Das Unternehmen wächst und gedeiht - denkt dabei schon an die Zukunft. Was die nächsten Monate bringen könnten.

Apple steht mit beiden Füßen auf dem Boden - das ist eine der wichtigsten Botschaften, die in den gestern veröffentlichten Finanzergebnissen fürs dritte Quartal 2008 stecken. Den Kopf allerdings hat der Hersteller aus Cupertino bereits wieder in den Sternen, wie seine Aussichten auf das kommende Quartal zeigen: Apple werde weniger Gewinn machen als im Jahr zuvor, warnt Finanzchef Peter Oppenheimer , eine Neuerung in der Produktstrategie koste Geld. Wir schauen genauer hin: auf die veröffentlichten Zahlen sowie auf Zukunftsaussichten und Erwartungen.

Wie bereits in all den Quartalen zuvor schreibt Apple erneut Rekorde. Sein drittes Geschäftsquartal 2008 ist am 28. Juni zu Ende gegangen, am 21. Juli hat er die Ergebnisse vorgelegt. 1,07 Milliarden US-Dollar Gewinn entsprechen 1,19 Dollar Gewinn pro Aktie und können sich sehen lassen - das ist mehr, als Apple je in einem dritten Geschäftsquartal eingefahren hat. Im Vergleich zum Vorjahresquartal konnte der Gewinn erneut um 31 Prozent wachsen. Allerdings wuchs der Umsatz noch stärker: 7,46 Milliarden Dollar sind 34,8 Prozent mehr als die 5,41 Milliarden Dollar, die Apple im dritten Geschäftsquartal 2007 umgesetzt hat. Dieses Missverhältnis könnte der Entwicklung des iPhone OS 2.0 und des App Store zu verschulden sein. Das neue UMTS-iPhone hat der Hersteller erst im laufenden Quartal auf den Markt gebracht, es taucht in den veröffentlichten Bilanzen noch nicht auf.

Wesentlich: Das Kerngeschäft mit dem Mac

Apfelkorn Hoffnung - das Philosophieren über Schein und Sein, den Kern des Apfels, über fruchtbare Saat und Missionierung durch den iPod gehört ins Wort zum Sonntag. Am Montag konnte Apple in einer Telefonkonferenz zu den Finanzergebnissen einmal mehr mit handfesten Zahlen argumentieren: 2.496.000 Macs hat der Hersteller in den vergangenen drei Monaten verkauft und damit eine neue Allzeit-Bestmarke gesetzt: Noch nie zuvor gingen in einem Quartal so viele Apple-Computer über die Ladentheken. Am Gesamtumsatz macht der Mac nun 48,8 Prozent aus - Software, Zubehör, Musik und Filme, iPod und iPhone ausgenommen. Dass sich die Anzahl verkaufter Einheiten zu rund 62,2 Prozent auf Notebooks und nur mehr zu 37,8 Prozent auf Desktop-Geräte aufteilt, spiegelt nur ein allgemeines Interesse der Kunden wieder: International und über Herstellergrenzen hinweg geht der Trend hin zum Tragbaren.

Alte Welt und neue Märkte

Gerade auf internationalen Märkten legt der Mac zu: Mit 576.000 Macs haben sich in Europa 47 Prozent mehr Geräte verkauft als im dritten Geschäftsquartal 2007. Sich auf Zahlen des Marktforschungsinstituts IDC berufend, stellt der Hersteller fest: Er wächst in Europa derzeit vier Mal so schnell wie die Konkurrenz im Schnitt. Zum Vergleich: In den USA konnte der Mac-Hersteller zwischen April und Juni 38 Prozent mehr Computer verkaufen als im Vorjahresquartal. Im Vergleich zum zweiten Geschäftsquartal zwischen Januar und März 2008 präsentieren sich die Zahlen allerdings etwas anders: Während die Mac-Verkäufe in den USA um 5 Prozent zulegten, gaben sie in Europa um 8 Prozent nach - es lief schon einmal noch besser in der alten Welt. Im asiatischen Raum ist Japan zwar längst nicht mehr das Sorgenkind, das es in den vergangenen Jahren war, doch noch immer bleibt der Markt im internationalen Vergleich zurück: 102.000 verkaufte Macs bedeuten 26 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und 14 Prozent Rückgang im Vergleich zum zweiten Geschäftsquartal. Der noch junge Markt hingegen, den Apple unter der Bezeichnung "Asia Pacific" zusammenfasst, entwickelt sich prächtig: 53 Prozent mehr verkaufte Macs, 44 Prozent mehr Umsatz. Im Vergleich zum zweiten Quartal stiegen die Verkaufszahlen hier um 3 Prozent.

Mach es noch einmal, iPod

Ein Gefühl mag einem sagen, der neue Platzhirsch sei das iPhone. Apples Zahlen aber beweisen: Der iPod ist noch nicht abgeschrieben. Zwar wächst der Markt nicht mehr wie zu den explosivsten Zeiten des Players, doch er wächst - und das ist angesichts des überragenden Marktanteils in den USA und darüber hinaus beachtenswert, wenn nicht gar überraschend. In seinem Heimatland hat er wie in Australien über 70 Prozent des Marktes inne, so der Hersteller, in Japan, der Schweiz und in Großbritannien über 50 Prozent. Apple wächst auch in allen Segmenten: Im Vergleich zum Vorjahresquartal legte der Umsatz im Bereich Musik um 35 Prozent zu, mit Zubehör und anderer Hardware konnte Apple 42 Prozent mehr umsetzen und mit Software und Dienstleistungen 30 Prozent. Der in die Jahre kommende iPod stößt in Sachen Wachstum zwar an seine Grenzen, Apple aber konnte damit im Vergleich zum dritten Geschäftsquartal 2007 noch immer 7 Prozent mehr Umsatz machen und die Absatzzahlen gar um 12 Prozent steigern. Dass die iPod-Verkäufe international mit 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mehr zulegen konnten als in den USA mit rund 10 Prozent, verwundert auf Grund des hohen Marktanteils auf dem Heimatmarkt nicht. Die zwei bestverkauften Modell sind laut Apple der iPod Shuffle und der iPod Touch . Eine mögliche Erklärung: Der Shuffle unterscheidet sich derart vom iPhone, dass ihn das Handy kaum kannibalisieren kann. Der iPod touch hingegen hat mit dem Telefon so viel gemeinsam, dass er anscheinend vom Wirbel darum profitiert.

Noch immer ein Versager: Apple TV

Wenn Apple heute wieder so tut, als würde der Hersteller das Apple TV im Produkt-Portfolio als "Hobby" tolerieren, dann macht er gute Miene zum bösen Spiel. Zur Keynote im Januar dieses Jahres stellte Steve Jobs die neue Software 2.0 für die Set-top-box noch mit sichtlichem Enthusiasmus vor, alles sollte besser werden. Alle großen amerikanischen Filmstudios hatten Verträge unterzeichnet und würden ihre Spielfilme im iTunes Store anbieten - eine Revolution? Doch selbst ein Revolutiönchen bleibt aus und aktuelle Zahlen zum iTunes Store lassen vermuten, warum. Dort finden sich inzwischen 8 Millionen verschiedene Musiktitel und 20.000 Serienfolgen - aber nicht mehr als 2.000 Spielfilme, davon 450 Stück in HD-Qualität. Die Filmstudios haben es augenscheinlich nicht eilig und Apple muss sich in Geduld üben. Offiziell hört sich das so an: Das Geschäft mit Apple TV sei noch kein sehr großer Markt, man sei allerdings noch immer begeistert von den Möglichkeiten.

Stückchen für Stückchen: Sonderfall iPhone

419 Millionen US-Dollar hat Apple in Q3/2008 mit dem iPhone der ersten Generation umgesetzt, das sind fast 5,9 Prozent des Gesamtumsatzes. Dabei hat der Hersteller nicht mehr als 717.000 Stück verkauft - der Nachfolger war bereits angekündigt, was das Interesse dämpfte, die Vorräte zudem äußerst knapp. Apple muss gar nicht durchweg iPhones verkaufen, um eine stete Bilanz vorweisen zu können. Die Bilanzierung des iPhones nämlich nimmt der Hersteller aus steuerrechtlichen Gründen über zwei Jahre hinweg vor: Hat er ein verkauftes Gerät einmal vollständig versteuert, so darf er ihm laut der US-amerikanischen Gesetzgebung keine neuen Funktionen mehr hinzufügen. Das ist der Grund dafür, dass das iPhone OS 2.0 für Besitzer eines iPod touch Geld kostet, für Besitzer eines iPhone der ersten Generation aber über zwei Jahre hinweg nicht. Auch das iPhone 3G wird Apple deshalb über 24 Monate hinweg Quartal für Quartal in Anteilen bilanzieren. Das erste Stück des 3G-Kuchens wird sich am Ende des laufenden Quartals in den Zahlen widerspiegeln. Bereits jetzt vermuten darf man weitere Steigerungen beim Umsatz: In den ersten drei Tagen hat Apple über eine Million Geräte an den Handel verkauft, in Europa ist das Handy weiterhin nur schwierig zu bekommen. Für den Erfolg des neuen Betriebssystems sprechen aktuelle Zahlen: Im App Store befinden sich jetzt mehr als 900 Programme, in den ersten zehn Tagen verzeichnete die Software-Bibliothek über 25 Millionen Downloads. Apple will nach eigenen Angaben keinen Profit mit dem App Store machen und verfolgt damit ein ähnliches Geschäftsmodell wie bereits mit dem Music Store - das Angebot soll vor allem die Hardwareverkäufe ankurbeln. Für steigende Hardwareverkäufe sollen vor allem auch neue Märkte sorgen: Mit dem iPhone 3G bricht Apple in eine Vielzahl davon auf, mit der Markteinführung des Geräts in 20 weiteren Ländern am 22. August wird das Apple-Handy am Ende des kommenden Quartals in über 40 Märkten zu finden sein. Über 70 sollen es bis zum Ende des Jahres werden.

Retail Store: Apples Goldesel bald auch in München

Noch in diesem Geschäftsjahr werden hauseigene Ladengeschäfte in Deutschland und der Schweiz ihre Pforten geöffnet haben, so lässt sich der Telefonkonferenz zu den Finanzergebnissen entnehmen. Das heißt konkret: bis Ende September in München, auch wenn noch kein offizieller Termin bekannt ist. Noch immer sind die Apple Stores eine Goldgrube für das Unternehmen, über 240 Stück wird es davon bis zum Beginn des neuen Geschäftsjahres 2009 auf der ganzen Welt geben, die älteren sollen renoviert werden. In den Apple Stores wachsen auch die Mac-Verkäufe am stärksten: 48 Prozent mehr Computer als im Vorjahresquartal haben Kunden dort gekauft, die Hälfte davon waren Neukunden. 32 Millionen Menschen haben in den drei Monaten einen Apple Store besucht - nicht alle, um einen Mac zu kaufen. Viele Interessenten kommen in die Apple-Geschäfte, um sich über den Mac zu informieren und sich am Mac weiterzubilden - 598.000 Kurse hat der Hersteller zwischen April und Juni angeboten. Doch auch der Umsatz stimmt: Inzwischen liegt er im Schnitt bei 6,8 Millionen Dollar pro Store.

Verschleierte Zukunft: Geheimnis um einen Trumpf im Ärmel

Zum undankbaren Job von Apples Finanzchef Peter Oppenheimer gehört es, die Zukunftsaussichten in Zahlen zu fassen und das Ergebnis des laufenden Quartal zu schätzen. Dabei wiederholt sich meist das gleiche Spiel: Oppenheimer schätzt konservativ, setzt den zu erwartenden Umsatz und Gewinn nicht allzu hoch an und hofft dabei, seine Erwartungen am Ende selbst übertreffen zu können. Die Wall Street reagiert darauf stets etwas eingeschnappt, hält die Schätzungen für zu niedrig und die Aktie rauscht in den Keller. Im Vergleich zu Nasdaq und Dow Jones konnte sich die Entwicklung des AAPL-Papiers 2008 durchaus sehen lassen. Um fast 10 Prozent aber hat AAPL nach Bekanntgabe der aktuellen Zahlen nachbörslich nachgegeben - bei einem prognostizierten Umsatz von 7,8 Milliarden Dollar und rund einem Dollar Gewinn pro Aktie für das letzte Quartal 2008. Zu Q4/2008 überrascht CFO Oppenheimer zudem mit einem Novum: Er rechnet nicht nur verhalten, er warnt sogar vor niedrigeren Gewinnen. Der genaue Grund dafür allerdings ruht ebenso im Nebel wie Apples Zukunft im Allgemeinen, sofern man nicht der kleinen Welt des Apple-Campus in Cupertino angehört. Eine "future product transition" soll dazu führen, dass die Gewinnmarge um bis zu 30 Prozent fallen wird. Wird es etwas einen neuen Mac, einen iPod, ein Telefon oder etwas völlig Neues geben? Oppenheimer lässt diese Frage offen. Er stellt allerdings fest: Man wolle nicht, dass die Gewinnmarge so groß sei, dass Konkurrenten über den Preis punkten könnten. In Sachen Technik sei man ihnen ohnehin ein Nase voraus.

Spannung durch Spekulation, Sicherheit durch Rücklagen

Steht nun der nächste Switch an? Das Ende der iPods? Das Ende der MacBooks, die das MacBook Air ersetzt? Apples Warnung mag unter Anlegern auf Entrüstung stoßen, die Apple-Szene indes reagiert mit einer Welle der Begeisterung, die sich einmal mehr in Spekulationen manifestiert. Dabei muss man so lange gar nicht raten: Nach dem Ende der Sommerferien ist Ende September auch das Ende des Geschäftsjahres 2008 bereits in Sicht. In der Zwischenzeit kann sich Apple in aller Ruhe neuen Techniken und Produkten widmen - mit inzwischen 20,8 Milliarden Dollar Barvermögen im Rücken. Das ist eine Versicherung, die den Hersteller vor vielen Gefahren schützen kann, vor Übernahmen vor allem. Nur gegen eines helfen all die Milliarden nicht: die ungebrochene Begeisterung vieler Mac-Fans und Anleger, die sich nun mit nichts anderem zufrieden geben werden als dem nächsten ganz großen Coup.

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