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Apples Wende vor fünf Jahren

01.02.2001 | 00:00 Uhr |

Heute vor fünf Jahren begann mit der Berufung Gil Amelios zum CEO bei Apple eine neue Ära. Die schwerste Krise der Firmengeschichte konnte der als Sanierer bekannte Manager meistern, viel geblieben ist von seinem Wirken jedoch nicht.

Genau fünf Jahre ist es her, als am 1. Februar 1996 ein neues Kapitel in der Apple-Geschichte aufgeschlagen wurde. Nach wochenlangen Spekulationen musste der aus Deutschland stammende CEO Michael Spindler Anfang Februar 1996 seinen Hut nehmen. Nachfolger wurde der ehemalige Chef von National Semiconductors Gilbert F. Amelio.

Dem Chefwechsel vorausgegangen war ein Verlust von 69 Millionen US-Dollar im ersten Quartal des Geschäftsjahres 1996 (Oktober bis Dezember 1995). Die Folge: die Apple-Aktie sank auf einen Wert von 28 Dollar und die Aktionäre des Macintosh-Herstellers forderten einschneidende Änderungen in der Führungsspitze des Unternehmens. Vorgeworfen wurde dem Apple-Boss Michael Spindler, dass er die Nachfrage nach Highend-Macs zu Gunsten der Einsteigermodelle unterschätzt habe. Von den rund 14500 Apple-Mitarbeitern mussten zunächst 1300 das Unternehmen verlassen, darunter Marketing-Chef Dan Eilers und Finanzchef Joe Graziano. Anfang Februar 96 verließ dann Michael Spindler das Unternehmen. Die Presseabteilung der Mac-Company nannte lediglich gesundheitliche Probleme als Rücktrittsgründe des Apple-Chefs.

Mit Amelio kam Anfang 1996 auch die Hoffnung. Dem neuen Chef eilte der Ruf voraus, ein knallharter Sanierer zu sein, der mit seinem "Tranformation Management" vor allem die Produktlinien straffen und Arbeitsplätze reduzieren wollte. Was folgte war jedoch eine eher lustlos wirkende Neuausrichtung der Firma. Apple öffnete sich dem Clone-Markt und vergab an Firmen wie Motorola, Power Computing und Umax Lizenzen zum Bau von Mac-kompatiblen Rechnern.

Nach weniger als zwei Jahren war jedoch auch Gil Amelios Auftritt bei Apple vorbei. Der farblose Sanierer, der angesichts der Copland-Pleite (Mac-OS 8) zunächst eine Übernahme der Soft- und Hardwareschmiede Be favorisierte, befürwortete im Dezember 1996 den Kauf von Steve Jobs'Firma Next. Nachdem Steve Jobs zunächst keine feste Anstellung bei Apple wollte, überredete ihn Amelio als unabhängiger Berater für das Unternehmen tätig zu werden. Wenig später ersetze Jobs den Sanierer Amelio und gab sich den Titel Interims CEO. Mit diesem Schritt endete im Prinzip auch die Linzenzvergabe an die Clone-Hersteller, die bis Mitte 1998 einen Abgang auf Raten vollzogen. Apple startete dafür im Sommer 1997 das iMac-Projekt, das im Mai 1998 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Aus dem ehemaligen Next-Betriebssystem wurde das Projekt Rhapsody, das dann 1998 in Mac-OS X umbenannt wurde. Im März 2001 soll nun die finale Version des Betriebssystems auf den Markt kommen.

Martin Stein

Auszug aus der Macwelt 3/96, S. 26:

Die Entscheidung

9.1.1996 Apple gibt einen Quartalsverlust von 69 Millionen Dollar bekannt und teilt mit, dass mehrere Topmanager die Firma verlassen.

11.1.1996 Apple warnt vor einem weiteren Verlust für das erste Quartal 1996 und kündigt an, dass 1300 von 14500 Mitarbeitern entlassen werden.

12.1.1996 Gerüchte tauchen auf, Apple solle verkauft werden. Neben IBM, werden Sony, Hewlett-Packard, Philips und Motorola gehandelt. Heißester Kandidat ist zuletzt Sun Microsystems.

23.1.1996 Nach einer Aktionärsversammlung bekräftigen CEO Michael Spindler und Chairman A. C. Markkula, Apple stünde nicht zum Verkauf. Der Aufsichtsrat stehe voll hinter Spindler.

2.2.1996 Apple entlässt Spindler und ernennt Gilbert Amelio zu seinem Nachfolger. Der vormalige Chef von National Semiconductors wird zugleich Chairman of the Board.

6.2.1996 Erneut beginnen Spekulationen über Verkaufsgespräche. Amelio habe übers Wochenende angeblich mit Sun und einem weiteren Unternehmen, Sony oder Motorola, verhandelt.

8.2.1996 Apple erklärt, dass es keine Verhandlungsgespräche gebe. Die Apple-Aktie fällt daraufhin um 3/8 Prozentpunkte auf 27 7/8 Dollar, die von Sun steigt um 1 1/8 auf 48 5/8 Dollar.

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