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Apples ehemaliger Siri-Chef kümmert sich bei Samsung um das Internet der Dinge

11.11.2013 | 09:15 Uhr |

Samsungs neue Plattform SAMI, die Daten von verschiedenen Quellen sammelt und übergreifend auswertet, zeigt Anklänge der Idee hinter Siri.

Luc Julia, der Entwickler von Apples Siri-Technologie, arbeitet jetzt bei Samsung an einem Online-Dienst, der Daten aus verschiedenen Informationsquellen zusammenbringen soll. Julia hat in 2012 nach zehn Monaten Apple verlassen und ist jetzt Vize-Präsident in Samsungs Innovations-Labor in Menlo Park, Kalifornien. In einer Vorführung auf der MEMS-Konferenz in Napa, die sich auf Hersteller und Entwickler von Sensoren für Smartphones spezialisiert, stellte Julia sein neues Projekt "SAMI" vor - Samsungs Abkürzung für "Samsungs Architektur für Multimodale Interaktionen". SAMI ist eine neue Plattform, die von einer Vielzahl von registrierten Geräten , wie zum Beispiel Fitbit Daten sammelt und dann für andere Geräte und Apps aufbereitet.

In der Vorführung zeigte Julia, wie SAMI möglicherweise als persönlicher Fitnesstrainer eingesetzt werden kann: Er nutzte einen Schrittzähler von Fitbit und einen tragbaren Herz-Monitor von Vital Connect, maß sich auf einer mit dem Internet verbundenen Waage von Whitings und rannte durch eine Reihe von Fitnessübungen über die Bühne. Alle Messungen werden normalerweise von einzelnen Apps erfasst, aber Julia demonstrierte, wie SAMI die verschiedenen Eingaben nun in einer Bedienungsoberfläche auswertet: Ähnlich wie Siri fragte er SAMI nach einer Einschätzung seiner Leistung und SAMI bestätigte, dass er das Fitnessziel für heute erreicht hat. SAMI soll in Zukunft auch ausgefeiltere Anleitungen geben, wie zum Beispiel ob härtere Trainingsübungen oder eine Pause angemessen sind.

Noch steckt das Projekt in Kinderschuhen: Projekte in Samsungs Menlo Park-Labor haben eine durchschnittliche Entwicklungsdauer von drei bis fünf Jahren und SAMI wurde jetzt nach nur sechs Monaten schon vorgestellt. Samsung will mit Sami eine Alternative zur iCloud vorstellen und eine Art "Internet der Dinge" aufbauen. Nebenbei soll SAMI jetzt genug Interesse wecken, um Verträge und Partnerschaften mit Herstellern von Sensoren, Smartphones und anderen Gadgets zur kollektive Auswertung der gesammelten Daten auf einer "möglichste offenen" Plattform an Land zu ziehen.

Julia räumt ein, dass Samsung in erster Linie ein Hardware-Hersteller ist, aber jetzt im Cloud-Markt Fuß fassen will. Während eine Reihe von Ähnlichkeiten zwischen Siri und SAMI offensichtlich sind - beide Apps sammeln Daten von unterschiedlichen Quellen, um die Ergebnisse dann über eine einzige App anzubieten - schätzt Julia die Aussicht, dass Apple Samsungs Plattform nach all den bitteren Patentstreitigkeiten beitreten wird, als sehr gering ein. Während Apple sein Produkt Siri ausschließlich für Apple einsetzt, will Samsung seine Plattform mit anderen Herstellern teilen. Julia beschreibt gar die Möglichkeit, dass ein unabhängiger Drittanbieter das Hosting der Plattform übernehmen kann, wenn zu viele Firmen einer Samsung-internen Lösung Misstrauen entgegenbringen.

"Samsung arbeitet derzeit mit rund 50 Partnern an der Entwicklung und dem Testen von SAMI", berichtet Julia und weist darauf hin, dass das Innovations-Labor von Samsung für die nächsten drei Jahre über ein Forschungs-Budget von 100 Millionen US-Dollar verfügt, um in Firmen mit viel-versprechenden Entwicklungen investieren zu können.

Bevor aber Endkunden die neue Plattform austesten können, wird wohl noch eine Weile vergehen: Julia berichtet, dass Samsung erst dann Zugriff gewähren will, wenn die Lösung weitgehend ausgereift ist.

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