975068

Apples iPhone im Test (II)

14.08.2007 | 12:26 Uhr |

Amerika im iPhone-Fieber: Mit riesigem Medienecho geriet der Verkaufsstart des iPhone in den USA zum kollektiven Happening. Wir konnten testen, wie sich Apples Wunderhandy hierzulande verhält. Heute betrachten wir insbesondere die Audio- und Video-Funktionen des iPhone.

Musik – Das iPhone als iPod

„Der beste iPod, den wir je hatten“ – so bezeichnet Apple-Chef Steve Jobs das iPhone. Und tatsächlich, wer einmal mit dem iPhone seine Musiksammlung durchforstet hat, tut sich mit dem „herkömmlichen“ iPod, egal ob Shuffle, Nano oder Video, schwer. Das große Display ist eine Pracht, wenn es daran geht, Musiklisten durchzuscrollen oder Alben wie in iTunes per Coverflow durchzublättern. Wer sich je darüber beklagt hat, dass das iPhone die Haptik der CD vermissen lässt und die Musik im iPod „unpersönlich“ wird – im iPhone erlebt man die CD dank großflächiger Cover-Darstellungen neu.

Ansonsten tut das iPhone alles, was man von einem iPod gewohnt ist. Lediglich eine Suchfunktion, inzwischen sogar am iPod Nano vorhanden, gibt es beim iPhone merkwürdigerweise nicht. Und natürlich bleibt das Thema Speicherplatz: Vier beziehungsweise acht Gigabyte reichen für 100 bis 200 CDs. Das ist viel für einen Nano, für ein Gerät in der Größe eines 80-GB-iPod ist es eher wenig. So ist das iPhone als Ersatz für einen iPod nicht wirklich sinnvoll – für Nano- oder Shuffle-Fans ist es zu groß, für die anderen verfügt es über zu wenig Speicherplatz. Die vielen anderen Funktionen werden die meisten darüber hinwegtrösten. Wer nur einen neuen iPod sucht, sollte sicher noch etwas warten.

Video – Kino für die Hosentasche

Will man wirklich Filme sehen auf einem Bildschirm, der in etwa so groß ist wie eine Zigarettenschachtel? Die den Rezensenten selbst überraschende Antwort: Ja! Denn tatsächlich zählt beim Betrachten von Bildern weniger die physische Größe des Bildschirms als die Zahl der Bildpunkte. Einen iPhone-Film hält man sich mehr oder weniger nah vor die Nase, und dank der hohen Auflösung kommt, mit Ohrhörern und möglichst bei abgedunkeltem Licht, tatsächlich so etwas wie Kino-Feeling auf, wenn man seinen ersten Streifen am iPhone ansieht. Voraussetzung ist, dass man seine Filme in iTunes im iPod-Format abspeichert beziehungsweise konvertiert, was bei selbst aufgenommenen TV-Filmen eine langwierige Geschichte ist. Ein limitierender Faktor ist der Speicherplatz, rund 600 MB gehen pro Stunde Video drauf. Für ein paar Filme oder TV-Serienfolgen ist das iPhone aber bestens geeignet – und für mehr wird man es auch kaum verwenden wollen.

Filme aus dem Netz – Youtube

Bislang ist der Hype noch nicht so recht bei uns angekommen – in den USA werden hier schon die Stars von morgen gemacht. Das Phänomen Youtube, der inzwischen von Google gekauften Webplattform für den Austausch von jeder Art von Videofilmchen, hat nicht nur seine Gründer reich gemacht. Welche Filme gerade auf Youtube besonders erfolgreich laufen, ist in den USA Gesprächsthema, das Austauschen von Links auf besonders skurrile Fundstücke Hobby von Millionen. Da mag auch Apple nicht zurückstehen und hat kurz vor Verkaufsstart des iPhone noch einen besonderen Deal verkündet: Youtube-Filme können auch auf einem iPhone angesehen werden. Das Besondere dabei: Da das iPhone kein Flash abspielt, Youtube aber in diesem Format seine Filme anbietet, wandelt das Videoportal alle zig Millionen Filme in H.264 um. Das geht zwar nicht von heute auf morgen, bis Ende des Jahres soll die Umwandlung aber abgeschlossen sein. So ist die Auswahl, die man derzeit mit dem iPhone ansehen kann, noch etwas eingeschränkt, was aber bei der puren Masse gar nicht so sehr ins Gewicht fällt. Und was man ansehen kann, läuft sehr gut. Keine langen Wartezeiten, eine akzeptable Bildqualität ohne Aussetzer – immer vorausgesetzt, man geht per WLAN ins Netz. Denn wie beim Zugang zum Internet und beim Verschicken gößerer Mail-Anhänge gilt auch hier, dass ein Zugang über das Telefonnetz zu langsam ist, um wirklich Spaß an der Sache zu haben. Vorausgesetzt, Apple wählt nicht doch noch einen UMTS-Zugang für den europäischen Markt. Dann wäre das Problem nicht mehr so akut.

0 Kommentare zu diesem Artikel
975068