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Apples unmoralisches Angebot

12.12.2000 | 00:00 Uhr |

Software, die nur unter Mac-OS - oder Windows - läuft, widerspricht der Philosophie von Java. Programmierer, die sich allerdings auf Apples Java-Erweiterung einlassen, finden eine äußerst eingängige Syntax vor.

Macwelt/München - Eigentlich widerspricht es der reinen Lehre von Java, doch Apple hält das Angebot dennoch nicht für unmoralisch: Quicktime for Java, alias "qtjava" schafft eine direkte Verbindung zwischen der Programmiersprache Java und Quicktime, jener Software, die unter Mac- und Windows Dutzende von Bild-, Ton- und Videoformate interpretieren und auf den Bildschirm bringen kann. Für Java-Programmierer klingt das wie der sprichwörtliche Schweinebraten für den Mann kurz vorm Verhungern, doch die Kehrseite der Medaille ist der schon eingangs erwähnte Verstoss gegen das Java-Paradigma:

Ein Programmierer der Quicktime for Java nutzt, schafft damit ein Stück Software, das nur unter Windows oder Mac-OS funktioniert, da es nur für diese beiden Betriebssysteme die nötige Quicktime-Software gibt. Unter Unix- oder Windows CE läuft das Programm dagegen nicht.

Wer sich allerdings auf Apples Java-Erweiterung einlässt, findet eine äußerst eingängige Syntax vor, die in den meisten Fällen lediglich eine einfache Übersetzung der vorhandenen Mac-OS-Befehle in die Syntax von Java nötig macht. So wird beispielsweise aus "Quicktime::NewMovieEditState()" der Java-Befehl "public MovieEditState newEditState()". Quicktime for Java garantiert dabei, dass alle Befehle von Java direkt an das jeweilige Gegenstück in Quicktime weiter gereicht werden. Selbst die Speicherverwaltung für alle Quicktime-Komponenten läuft automatisch, wenn der Speicher allerdings für ein großes Projekt knapp wird, kann man die Wiederverwertung nicht mehr genutzter Speicherbereiche auch mit einem dem entsprechenden Befehl sofort auslösen.

Im Frühjahr 2001 wird Apple zuerst Mac-OS X und kurze Zeit später auch Quicktime 5 vorstellen, womit sich die Möglichkeiten gegenüber heute noch einmal drastisch verbessern. Quicktime 5 kommt mit weiteren Export- und Importfiltern, und Mac-OS X steuert Java 2 Standard Edition bei, das den Mac nach langen Jahren des Rückstandes in die Avantgarde der Betriebssysteme befördert. Denn erst Java 2 macht Programme möglich, die in punkto Geschwindigkeit und Oberflächendesign den Wünschen der Mac-Anwender nahe kommen.

Was damit gemeint ist, zeigt zum Beispiel Oracle, die eine Medien-Datenbank in Java programmiert haben. Der Import in diese Datenbank nutzt die Importfilter von Quicktime, wobei zum Beispiel Textspuren wie Untertitel automatisch analysiert werden und die Software ein Register erzeugt, das man beispielsweise mit Sherlock durchstöbern kann. Findet man die gewünschte Textstelle, liefert die Datenbank von Oracle die dazu passende Stelle im Videofilm und führt den Film automatisch ab dieser Stelle vor.

Walter Mehl

Info: Apple

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