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New York Times wirft Apple Mitschuld an Ausbeutung vor

27.01.2012 | 07:08 Uhr |

Wie fair ist Apple zu den Arbeitern seiner Zulieferer? Diese Frage versuchte Apple zuletzt in seinem sechsten Responsibility Report zu beantworten und verwies dabei auf zunehmende Kontrollen und Konsequenzen für die Vertragspartner, wenn diese Umwelt- und Sozialstandards nicht einhalten

Apple Arbeiter China
Vergrößern Apple Arbeiter China
© Apple

Dass Apple das Schicksal der unter harten Bedingungen am Fließband in China iPhones, iPads und Macs zusammenbauende Arbeiter aber egal ist, wirft die New York Times dem Mac-Hersteller nun vor. Dabei hatte die Zeitung Aussagen ehemaliger Mitarbeiter Apples und dessen chinesischer Partner zu Protokoll genommen. "Apple hat sich nie für etwas anderes als die Qualitätssteigerung und die Kostensenkung interessiert," klagt etwa der ehemalige Foxconn-Angestellte Li Mingqi, "Das Wohl der Arbeiter hat mit Apples Interessen nichts zu tun." Li war Manager in der Fabrik in Chengdu, in der im Mai letzten Jahres bei einer Explosion drei Arbeiter ums Leben kamen und 61 verletzt wurden . Ein ehemaliger Apple-Manager, wandte sich anonym an das Blatt: "Wir haben seit vier Jahren von der Ausbeutung der Arbeiter in einigen Fabriken gewusst, und diese halten noch an. Warum? Weil das System für uns arbeitet. Die Zulieferer würden von heute auf morgen alles ändern, wenn Apple ihnen sagen würde, dass sie keine andere Wahl hätten."

Der Artikel dreht sich vorwiegend um die Sicherheitsbedingungen in den von Apple beauftragten Fabriken , beleuchtet aber auch die Zustände bei denen für Dell, HP, IBM, Lenovo, Motorola und Nokia tätigen Manufakturen. Im Fokus stehen aber auch die allgemeinen Arbeitsbedingungen: "Die Arbeiter sammeln exzessiv Überstunden an, arbeiten in manchen Fällen sieben Tage die Woche und leben in überfüllten Wohnheimen. Einige berichten davon, dass sie so lange stehen müssen, dass ihre Beine anschwellen und sie kaum noch laufen können. Minderjährige Arbeiter haben bei der Produktion von Apples Produkten geholfen, die Zulieferer haben Giftabfälle unzureichend entsorgt und Unternehmensberichte gefälscht," schreibt die New York Times unter Berufung auf glaubwürdige Menschenrechtsorganisationen in China.

Ein anderer anonymer Apple-Manager erklärt dem Blatt die Zustände mit Apples Innovationsdruck und reicht die Verantwortung dafür gleichsam an den Kunden weiter: "Man kann entweder in komfortablen und Arbeitnehmer-freundlichen Fabriken produzieren oder das Produkt jedes Jahr neu erfinden und es dabei besser und billiger machen. Das erfordert nach amerikanischen Standards derart harsche Fabriken. Die Käufer interessieren sich heutzutage auch mehr für ein neues iPhone als für die Arbeitsbedingungen in China."

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