Arbeitsbedingungen

Überstundenabbau bei Foxconn ohne Einfluss auf Preise

02.04.2012 | 06:40 Uhr | Sabine Friedrich

Weitere Automatisierungen und neue Fertigungsanlagen in Bezirke in China mit noch niedrigeren Lohnkosten sollen die Preise für Endkunden stabil halten. Menschenrechtsorganisationen klagen jedoch, dass die letzten Gehaltserhöhungen bei Foxconn bei weitem nicht ausreichen und Mitarbeiter dringend auf Überstunden angewiesen bleiben.

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De Kontrolle der Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern bringt bald weitere Verbesserungen für Mitarbeiter in den Fertigungsanlagen. Nach anhaltender Kritik will Foxconn nun bis Juli 2013 die bisher erlaubten 80 Überstunden pro Monat auf maximal 36 Stunden zurückschrauben, schreibt FLA (Fair Labor Association) in seinem letzten Betriebsprüfungs-Bericht. Aber diese Änderung in den Verträgen bedeutet, dass Foxconn mehr Mitarbeiter einstellen wird, um die gleiche Produktion aufrecht zu erhalten. Die Firma beschäftigt in China bereits jetzt 1,2 Millionen Arbeiter. Foxconn begrüßte die Ergebnisse der Kontrolle und beteuert, dass die Firma sich für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen einsetzt.

Analysten erwarten, dass dank zunehmender Automatisierung die Endprodukte von Foxconn in Zukunft für den Kunden nicht teurer ausfallen werden. Helen Chiang, eine Analystin bei IDC, kalkuliert, dass die Löhne der Arbeiter in China nur drei bis vier Prozent der Kosten der gefertigten Geräte darstellen. Außerdem weist sie daraufhin, dass Foxconn neue Fertigungsanlagen in West- und Zentral-China plant und die Gehälter für Arbeiter dort 20 bis 30 Prozent niedriger sind.

Amy Teng, eine Marktforscherin bei Gartner bestätigt, dass Foxconn weitere Automatisierungs-Prozesse plant und der CEO bereits im Juli 2011 den Einsatz von einer Million neuen Robotern bis 2014 in seinen Fertigungsanlagen ankündigte. Foxconn senkt außerdem seine Kosten, indem die Firma mehr Komponenten für Apples iPhone und iPad selbst herstellt und damit die Zahlungen an Zulieferer reduziert. "Meine Analyse der Komponenten des neuen iPads zeigt, dass die Fertigung einer Reihe von Teilen von vormalig Dritt-Zulieferern jetzt von Foxconn intern übernommen wurde", berichtet Teng.

Die Betriebsprüfung bei Foxconn durch FLA zeigt, dass in Vollast-Phasen in drei Fertigungsanlagen die Mitarbeiter über 60 Stunden pro Woche arbeiteten. Fast die Hälfte der Angestellten gab auch an, dass sie in den letzten elf Tagen täglich arbeiteten. Gleichzeitig ergab eine Umfrage unter den Arbeitern, dass 49 Prozent ihre Arbeitslast als vernünftig einstuften und 33,8 gerne weitere Überstunden annehmen wollen, um mehr Geld zu verdienen: 64,3 Prozent klagten, ihre Gehälter reichen nicht für die grundlegende Lebenshaltungskosten aus. Laut der Betriebsprüfung schwankten die monatlichen Auszahlungen in den drei überwachten Produktions-Anlagen zwischen 357 und 454 US-Dollar.

In Februar hatte Foxconn die Löhne der Arbeiter an den Fließbändern um 16 bis 25 Prozent erhöht. Die Hongkong-basierte Menschenrechtsorganisation SACOM kritisiert die Gehälter als immer noch viel zu niedrig weiterhin viel zu niedrig, da Arbeiter auch weiterhin auf Überstunden angewiesen sind. Debby Chang von SACOM fordert daher, dass Apple sicherstellt, dass beim Zurückschrauben der Überstunden auf 36 Stunden pro Monat die Gehälter der Mitarbeiter ausreichend sein werden.

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