Von Marlene Buschbeck-Idachemi - 19.12.2012, 16:30

"Ein Schritt nach vorne"

Archibald Horlitz im Gespräch zum Verkauf von Gravis

©Gravis

Im Telefoninterview mit Macwelt nimmt Archibald Horlitz, CEO und Gründer von Gravis, nochmal persönlich Stellung zur Übernahme durch Mobilcom-Debitel.
Macwelt: Herr Horlitz, darf man gratulieren oder muss man Sie bedauern – immerhin geben Sie mit Gravis ja Ihr Lebenswerk aus der Hand.
 
Archibald Horlitz: Sie dürfen gratulieren, ein paar Nächte habe ich allerdings nicht besonders gut geschlafen. Ich habe das Ganze auch in Bezug auf meine Mitarbeiter besonders reflektiert, bevor ich zu einer Entscheidung gekommen bin. Immerhin hat man sich in den eineinhalb Jahren der Zusammenarbeit kennengelernt und wir haben festgestellt, dass wir die gleiche Weltsicht und die gleiche Sicht auf den Markt haben.
 
Macwelt: Was waren für Sie die wichtigsten Gründe, diesen Schritt zu gehen?
 
Archibald Horlitz: Ich sehe in einem großen Verbund bessere Chancen für Gravis. Dass wir so abhängig sind von Apple, ist ja nun Fluch und Segen zugleich. Als Einzelhändler muss man sich ständig neu erfinden, um sich am Markt behaupten zu können. Mit einem breiter gestalteten Portfolio lässt sich das Risiko besser steuern. Wir sind ja auch nicht in erster Linie Verkäufer sondern Anbieter von Lösungen. Abgesehen davon sind wir auch Dienstleister und größter Apple-Repair-Partner in Europa. Wir haben jedoch die Entwicklung des IT-Bereichs in Richtung „portable“ und bei Apple von OS X in Richtung iOS gesehen. Dem müssen wir Rechnung tragen, denn der Handel sollte sich nicht nur anpassen, sondern den Wandel treiben. Das ist zusammen mit Mobilcom-Debitel gut machbar.
 
Macwelt: Wie steht es um die Zukunft Ihrer Filialen. Manche liegen ja in unmittelbarer Nähe von Filialen von Mobilcom-Debitel, beispielsweise hier in München.
 
Archibald Horlitz: Für uns ist das ein Schritt nach vorne. Gerade der Blick auf die Münchner Filialen zeigt, warum die Übernahme für uns Expansion bedeutet. Wir werden unser Netz von 28 Fililalen auf 300 ausbauen. Unsere Geschäfte sind mit einem Durchschnitt von 200 qm deutlich größer als die von Mobilcom-Debitel und wir sind froh über jeden Quadratmeter, den wir haben und dazu bekommen.
 
Macwelt: Gibt es auch Apple-spezifische Gründe für Ihre Entscheidung?
 
Archibald Horlitz: Das hat mit Apple weniger zu tun als mit den Veränderungen des Marktes. Wir müssen uns hier permanent neu positionieren. Nehmen Sie nur das Weihnachtsgeschäft. Das hat früher schon im September begonnen, weil sich die Kunden Sorgen um die Verfügbarkeit gemacht haben. Heute ist alles da und das Geschäft startet erst im späten November, wenn nicht im Dezember. Das stellt uns natürlich vor Herausforderungen. Doch wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind auf die großen Aufgaben – beispielsweise bei der Ausweitung des Filialnetzes und der Schulung der Mitarbeiter – vorbereitet.
 
Macwelt: Können wir 2013 bei Gravis dann auch Smartphones anderer Hersteller kaufen?
 
Archibald Horlitz: Wir beobachten den Markt sehr genau, ob es konkurrenzfähige Produkte gibt. Aktuell sieht es nicht danach aus, aber wie das in Zukunft ist, liegt an Apple. Mit einem Preis von über 600 Euro richtet sich das iPhone an 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung. Wenn Apple nicht auch das niedrigere Preissegment aggressiver angeht, könnten wir uns durchaus nach einer Ergänzung umsehen
 
Macwelt: Mit dem Kindle hat Gravis ja schon eine erste Erweiterung des Angebots vorgenommen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Vertrieb?
 
Archibald Horlitz: Wir haben Kindles in unser Sortiment aufgenommen, weil Apple keinen echten E-Reader hat und der Kindle ein Gerät ist, mit dem man digitale Bücher auch am Strand in der prallen Sonne lesen kann. Das geht mit dem iPad nicht. Außerdem decken wir damit auch den niedrigen Preisbereich ab. Leider ist der Testlauf wegen der Lieferprobleme von Amazon nicht so erfolgreich gewesen, wie er es hätte sein können.
 
Das Gespräch führte Marlene Buschbeck-Idlachemi. Mehr zum Thema haben wir unserer Meldung von heute morgen für Sie gesammelt.
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