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Assange: "Apple gibt iCloud-Daten an FBI weiter"

29.02.2016 | 14:39 Uhr |

In einem Interview gegenüber dem russischen Sender "Rossia 1" hat sich Julian Assange zum aktuellen Streit zwischen Apple und dem FBI geäußert.

Für die wöchentliche Sendung des russischen Fernsehjournalisten Dmitriy Kisseljow "Westi nedeli" ist ein russischer Reporter nach London in die ecuadorianische Botschaft gereist, wo seit rund drei Jahren der Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl gefunden hat. In einem länglichen Interview spricht er unter anderem zu dem aktuellen Streit zwischen Apple und dem FBI.

Lesen Sie hier alles über die komplette Entwicklung des Falls Apple vs. FBI

"Wenn Sie den Fall Apple genau betrachten, werden Sie sehen, wie interessant er ist. Das Wichtigste dabei ist, Apple fühlt sich im Stande, dem FBI zu widersprechen. Das war früher nicht möglich, jetzt dagegen schon, weil Apple seine iPhones überall in der Welt verkauft. Sei es Russland, China, Frankreich oder Deutschland, in diesen Ländern würden die Kunden kein Gerät wollen, das sie abhört. Deswegen vermarktet sich Apple als ein Unternehmen, das zu den Interessen seiner Kunden steht. Es ist aber nur in einem kleinen und unwesentlichen Fall so standhaft. Die riesigen Mengen an Informationen, die in iCloud gespeichert sind, sind schon längst an das FBI weitergegeben worden. Das sieht nach einem Kampf zwischen dem Staat und dem Großkapital aus. Apple sagt: 'Wir werden nicht kostenlos für die Regierung arbeiten. Wir sind bereit, euch die Infos zu geben. Aber wenn ihr wollt, dass wir kooperieren, müsst ihr zahlen.' "

Die Aussage Assanges kann man nehmen, wie man will. An dieser Stelle wollen wir aber zwei seiner Aussagen richtig stellen. Laut Assange kann Apple zur Zeit dem FBI widersprechen, weil das Unternehmen begonnen hat, mehr iPhones im Ausland zu verkaufen als in den USA. Dem ist nicht so: In seinen Quartalsbilanzen weist das Unternehmen auch den Anteil der Gewinne aus, die es außerhalb der USA erwirtschaftet. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte hat diese Zahl die 50 Prozent bereits im ersten Quartal 2010, heißt Oktober - Dezember 2009, überschritten . Seitdem bewegen sich die prozentuale Gewinne Apples auf dem globalen Markt außerhalb der USA immer im Bereich 50 bis 70 Prozent. Zwar kann man die Gewinne nicht sofort mit den iPhone-Verkaufszahlen gleichsetzen, der Trend geht zumindest in die Richtung: Im letzten Quartal trug das iPhone zwei Drittel an sämtlichen Umsätzen Apples bei. Der iPhone-Hersteller verkauft also entgegen Assanges Behauptung schon längst mehr im Ausland als im heimischen Markt.

Apple weist zudem auf seiner Webseite darauf hin, welche Gerichtsbeschlüsse in welchen Ländern ergingen und in wie vielen Fällen das Unternehmen die Kundendaten an die Behörden weitergegeben hat . Zwar hat Apple nach richterlichem Beschluss Daten an die Behörden weitergegeben und legt offen dar, in welchen Fällen das geschehen ist. Dass das FBI einen Zugang zu sämtlichen iCloud-Daten hat, bleibt aber eine abenteuerliche und unbestätigte Unterstellung Assanges.

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