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Auch beim Mailen zählen gute Manieren

04.05.2005 | 10:42 Uhr |

Ein Doppelpunkt als Augen, ein Bindestrich ergibt die Nase.

Für den Mund muss die Taste für «Klammer auf» oder «Klammer zu» herhalten. Wer schon mehr als eine E-Mail geschrieben hat, weiß, dass sich mit der Tastatur Gefühle ausdrücken lassen. Dass man es mit «Emoticons» auch übertreiben kann, hat sich aber noch nicht überall herumgesprochen. Auch andere Standards sind vielen unbekannt - oft ein Ärgernis für die Empfänger. Vor allem bei geschäftlichen Mails heißt es, auf die Form zu achten und gute Manieren zu beweisen.

Ob es sinnvoll sei, in die Betreffzeile einer E-Mail «Hello» oder «Read this!» zu schreiben, ist die rhetorische Frage von Bastian Sick, Autor der sprachkritischen Kolumne «Zwiebelfisch» auf der Spiegel Online-Website. «Die Betreffzeile sollte erstmal überhaupt benutzt werden», sagt Wilfried Schütte vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. «Kriege ich eine Mail ohne Betreffzeile mit unbekanntem Absender, dann habe ich unter Umständen gleich einen Spam-Verdacht.»

Außerdem stellen wenig aussagekräftige oder leere Betreffzeilen Nutzer, die viele Mails bekommen und sie nach Dringlichkeit in einer bestimmten Reihenfolge abarbeiten müssen, vor Organisationsprobleme. «Daher ist es sinnvoll, die kommunikative Absicht zu nennen, zum Beispiel "Frage zu:" und dann das jeweilige Thema», erklärt Schütte.

Behalten zwei Nutzer bei längeren E-Mail-Wechseln den Betreff bei, entstehen «Re: AW: RE: AW:»-Konstruktionen - unschön zwar, aber nicht verpönt: «Mehrere "Re's" sind durchaus möglich, solange es um ein und dasselbe Thema geht», sagt Ralf Böhm vom Zentrum für Kommunikation und Informationsverarbeitung der Fachschule Magdeburg-Stendal (FH).

Weniger gern gesehen werden Mails mit «Rattenschwänzen». Sie entstehen, wenn einfach auf «Antworten» geklickt wird, ohne vorher Geschriebenes zu löschen. «Man sollte nur das stehen lassen, was nach eigener Ansicht für das Verständnis des beschriebenen Sachverhalts notwendig ist», sagt Böhm. Viele schreiben in Mails alle Worte klein - in privater Post laut Schütte kein Problem: «Das ist gedeckt durch die Regel: Was der Beschleunigung dient, ist legitim.» Bei Dienst-Mails sollte man aber die «kommunikativen Gepflogenheiten des Adressaten» beachten. Und die umfassen meist auch eine korrekte Rechtschreibung. Nur bedingt haben «Emoticons» in Dienst-Mails ihren Platz. «Unter guten Geschäftsfreunden kann man das eventuell machen», sagt Schütte. Auch in Privatpost sollten die Tastenkomibationen, die etwa Ironie ausdrücken sollen, nicht exzessiv genutzt werden: «Für sie gilt, was für alle Gewürze gilt: Sparsamer Gebrauch steigert die Wirkung», so Gundolf S. Freyermuth im Ratgeber «Kommunikette».

Große Zurückhaltung ist laut Schütte bei Akronymen angebracht: Ketten aus den ersten Buchstaben einzelner Worte, die ausgeschrieben einen Satz ergeben. Schließlich ist längst nicht jeder Nutzer mit den Bedeutungen vertraut. «SCNR zum Beispiel steht für "Sorry Could Not Resist" - "Tut mir leid, ich konnte es mir nicht verkneifen."»

«E-Mail ist keine Schneckenpost», so Freyermuth. Elektronische Post ist meist rasch geschrieben und sollte zügig beantwortet werden - «wenn man denn anwesend ist und das Thema eine baldige Antwort erfordert, spätestens am nächsten Tag», wie Böhm erläutert.

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